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Fake-Glas: Samsung schummelt beim Galaxy Z Flip wie Durability-Test zeigt

Das Glas ist de facto Plastik und zerkratzt mit dem Fingernagel: Fake-Glas statt Ultra-Thin-Glas im Samsung Galaxy Z Flip.
Das Glas ist de facto Plastik und zerkratzt mit dem Fingernagel: Fake-Glas statt Ultra-Thin-Glas im Samsung Galaxy Z Flip.
(Update: Zweites, detaillierteres Statement von Samsung Deutschland) Hey, Samsung! Was ist los mit eurer Marketing-Abteilung? Nach den Fake-Telefoto-Kameras im Galaxy S20 liefert der Durability-Test des Galaxy Z Flip nun auch die naheliegende Vermutung, dass Samsung kein Glas als Displayschutz einsetzt und somit genauso leicht zerkratzt wie andere Foldables bisher. Dennoch zeigt das neueste Samsung Falt-Handy in punkto Widerstandsfähigkeit auch einige Vorteile im Vergleich zum Motorola Razr.
Alexander Fagot,

Samsung bewegt sich aktuell auf sehr dünnem Eis. Die Marketing-Abteilung verspricht nicht nur beim Galaxy S20 und Galaxy S20+ Dinge, die gar nicht real vorhanden sind, auch beim Galaxy Z Flip wurde der große südkoreanische Elektronikkonzern nun beim - sagen wir mal Schummeln - erwischt. Seit dem Valentinstag ist das neueste Falt-Handy im Flip-Phone-Format um 1.480 Euro zu haben, was JerryRigEverything-Channel-Gründer Zack Nelson auch genutzt hat, um es seinem berühmt-berüchtigten Durability-Test zu unterwerfen.

Fake-Glas zerkratzt wie Plastik

Auf der Werkbank zeigt sich relativ rasch, dass der klassische Scratch-Test mit Mohs-Hardware-Picks immer noch seine Berechtigung hat. Samsung nennt die Schutzschicht über dem flexiblen AMOLED-Display Glas - Ultra-Thin-Glas um genau zu sein - es hat aber offenbar die gleiche Kratzresistenz wie Plastik. Mit Fingernägeln und bereits bei Level 2 auf der Mohs-Skala zeigt das "glasgeschützte" Display eindeutige Kratzspuren - was bei Glas definitiv nicht passieren dürfte. Zack kritisiert Samsungs Entscheidung die Kunden mit dem Wort Glas in falscher Sicherheit zu wiegen überaus scharf, auch wenn möglicherweise in der Produktion einige Glas-Bestandteile zum Einsatz kommen.

Scharnier ist besser geschützt

Letztlich ist Glas nur dann Glas, wenn es dessen Eigenschaften aufweist, meint der Tester - dazu gehört etwa auch eine höhere Kratzbeständigkeit als bei Plastik - und das ist beim Galaxy Z Flip definitiv nur beim rückseitigen Mini-Kontrol-Display der Fall. Nach diesem recht negativen ersten Eindruck in Sachen Widerstandsfähigkeit geht es dann, abgesehen vom sehr zerstörerisch wirkenden Burn-Test etwas positiver weiter. Verschmutzungen dürften das erstmals durch Bürsten besser geschützte Scharnier tatsächlich weniger beeinträchtigen als beim Galaxy Fold oder gerade erst beim Durability-Test des Motorola Razr.

Samsung verbiegt Physik und Wahrheit

Der obligatorische Bend-Test zeigt zwar seine zu erwartenden zerstörerischen Auswirkungen - die Funktion und das Flex-Display bleiben aber großteils erhalten, was bei Falt-Handys dieser Art immerhin Respekt verdient. Letztlich bleibt aber ein sehr schaler Beigeschmack: Ultradünnes Glas, zumindest das von Samsung hier eingesetzte, verspricht mal wieder viel mehr als es in der Realität bieten kann und wie bei den Fake-Telefoto-Kameras im Galaxy S20 und Galaxy S20+ wird man das Gefühl nicht los, dass Samsungs Marketing-Team derzeit die Wahrheit etwas zuviel "faltet".

Update 21:30 Statement von Samsung

Gegenüber dem US-Magazin TheVerge hat Samsung bereits recht rasch nach der Veröffentlichung des Videos ein Statement abgegeben, welches uns allerdings etwas unbefriedigend zurücklässt. 

Galaxy Z Flip features an Infinity Flex Display with Samsung’s Ultra Thin Glass (UTG) to deliver a sleek, premium look and offer an immersive viewing experience,” a spokesperson said by email. “Samsung’s first-of-its-kind UTG technology is different from other Galaxy flagship devices. While the display does bend, it should be handled with care. Also, Galaxy Z Flip has a protective layer on top of the UTG similar to Galaxy Fold.

Samsung deutet also an, dass über der Glas-Schicht noch eine Schutzschicht aus Plastik integriert wurde. Sofern das stimmt, wären die Kratzer also nur in dieser obersten Schutzschicht und somit möglicherweise durch einen Tausch der Schutzschicht behebbar. Dagegen spricht allerdings, dass Zack Nelson gegen Ende des Videos mit seinem Pick auch direkt in das Display stechen und damit ganze Reihen von Pixeln ausschalten kann. Im animierten Bild unten von Samsung soll man diese Plastikschicht sehen können. Wie schon beim Galaxy Fold wird es auch beim Galaxy Z Flip ein einmaliges, vergünstiges Displaytauschprogramm geben, das in den USA 119 US-Dollar kosten soll (Europreis noch nicht bekannt). Auch einen speziell für das Galaxy Z Flip entwickelten Screen-Protector soll es gratis einmalig seitens Samsung geben, der allerdings von einem Techniker angebracht werden muss.

Update 21.02.2020 Statement von Samsung Deutschland

Wir haben nun noch von Samsung Deutschland ein detaillierteres Statement zum Display des Galaxy Z Flip erhalten, welches wir euch nicht vorenthalten wollen. Deswegen hier Original-Ton Samsung:

„Das Galaxy Z Flip ist mit einem Infinity Flex-Display aus einem speziellen Glas-Kunststoff Gemisch ausgestattet, das eine elegante, hochwertige Optik und ein beeindruckendes Seherlebnis bietet. Diese Technologie unterscheidet sich von anderen Galaxy-Flaggschiffgeräten. Das Galaxy Z Flip wurde allen erforderlichen Test- und Herstellungsprotokollen unterzogen, um die Qualitätssicherungsrichtlinien von Samsung und Partnern zu erfüllen. Alle Testmethoden basieren auf Erfahrungen aus der mobilen Fertigung. Samsung hat reale Szenarien simuliert, um sicherzustellen, dass externe Umweltfaktoren die Nutzbarkeit des Produkts nicht beeinträchtigen. Darüber hinaus wurde das Display des Galaxy Z Flip von Bureau Veritas getestet und verifiziert. Einen Falt-Test, im Rahmen dessen das Smartphone 200.000 Mal gefaltet wurde, hat das Smartphone erfolgreich bestanden.“

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Autor: Alexander Fagot, 16.02.2020 (Update: 21.02.2020)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Managing Editor News
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.