Notebookcheck Logo

Garmin Forerunner 70: Ideenlosigkeit oder robustes Selbstvertrauen?

Garmin bleibt bei seiner (relativen) Hochpreis-Strategie
ⓘ Isaac Smith, Unsplash
Garmin bleibt bei seiner (relativen) Hochpreis-Strategie
Die Katze ist aus dem Sack, die Forerunner 70 offiziell. Garmin bietet damit nicht nur zusätzliche Technologien, sondern bleibt sich auch bei der Preisgestaltung durchaus treu. Wirtschaftlich kann sich Garmin im Prinzip nicht beschweren, allerdings stellt sich die Frage nach der Zukunftfähigkeit durchaus.
Kommentar-Artikel geben ausschließlich die individuelle Meinung des/der angeführten Autors/Autorin wieder.

Die Garmin Forerunner 70 ist offiziell und - und das bewirbt Garmin selbst auch offensiv - der neue Einstieg in den Laufsport. Gegenüber der Garmin Forerunner 55 stellt die Forerunner 70 dabei ein größeres Update dar, als es auf den ersten Blick den Anschein macht: So ist die Forerunner 70 mit einem AMOLED-Display ausgestattet und ist damit ein weiterer Beweis für die Loslösung Garmins von den MIP-Bildschirmen. Technologisch kann man das als Update begreifen, allerdings legt dieser Umstand den Finger ein wenig in die Wunde - Garmin-Produkte sind vergleichsweise teuer und nähern sich mindestens einmal in Bezug auf die Bildschirmtechnologie der Konkurrenz an. Ob denn nun die MIP- oder die AMOLED-Technologie besser oder schlechter ist, will ich an dieser Stelle nicht abschließend bewerten. Klar ist aber: Auch mit AMOLED-Displays lassen sich mit angepassten Ziffernblättern auch im Always-On-Modus lange Laufzeiten erreichen. Für ambitioniertere Sportler fällt dann zudem die erhöhte Leistungsaufnahme durch die GNSS-Nutzung mehr ins Gewicht. Gleichwohl erfreut sich die MIP-Technologie zumindest einer absolut nicht repräsentativen Umfrage zufolge zumindest unter Garmin-Ultras noch entsprechender Beliebtheit, gleichzeitig konnte der Fitnessbereich trotz zunehmenden Verzicht auf MIP-Displays laut aktuellen Quartalszahlen massiv zulegen. Bei Sonneneinstrahlung sind MIP-Displays letztlich nur durch sehr hohe Displayhelligkeit einhol-, aber kaum schlagbar.

Die 2020 erschienene Forerunner 745 kam selbstverständlich mit einem MIP-Display
ⓘ Notebookcheck
Die 2020 erschienene Forerunner 745 kam selbstverständlich mit einem MIP-Display

Dass Garmin dieses - möglicherweise eher emotionales als wirklich technisches - Unterscheidungsmerkmal verliert, könnte durchaus riskant sein, denn die Konkurrenz hat in den letzten Jahren alles andere als geschlafen. Eines der besten Beispiele dafür dürfte die von uns sogar vor rund einem Jahr als Preis-Leistungs-König benannte Amazfit Active 2 (im Preisvergleich) sein. Diese kostet mit rund 100 Euro nicht einmal die Hälfte der Garmin Forerunner 70 (250 Euro, jeweils UVP) und bietet Funktionen wie etwa Karten, die es bei Garmin erst für deutlich mehr gibt, so beispielsweise bei der Forerunner 955 (bei Amazon) und Forerunner 965. Wichtig dabei: Garmin hat den Preis von der Forerunner 55 (2021) zur Forerunner 70 recht genau im Rahmen der Inflation von 200 Euro auf 250 Euro angepasst und damit keine echte Preiserhöhung durchgeführt.

Zum Release der Forerunner 55 im Jahr 2021 war die Wearable-Welt aber durchaus noch eine andere: Starke Features wie die Darstellung von Karten am Handgelenk nicht nur bei Einsteiger-Smartwatches von Amazfit, sondern auch bei anderen Herstellern, gab es damals tendenziell noch weniger. Dieser extrem große Funktionsumfang, damals noch insbesondere der Fenix-Serie war ein Alleinstellungsmerkmal von Garmin, welches hohe Preise rechtfertigte - und es zumindest aktuell immer noch tut. Druck gibt es auch beim Ökosystem. Andere Wearable-Hersteller können mit steigender Verbreitung der eigenen Geräte natürlich  mehr auf Drittanbieter und auch Hobbyisten als App-Entwickler setzen.

Gleichzeitig dürfte es für Garmin aber auch gar nicht so einfach sein, eine echte Budget-Variante anzubieten, da die Feature-Staffelung schon recht dicht ist und ein zusätzliches Gerät die bisherigen Einsteiger-Geräte kanibalisieren könnte. Potenzial, den Umfang für eine noch günstigere Forerunner noch stärker einzuschränken, sehe ich am ehesten noch bei den Laufeffizienzdaten am Handgelenk, wobei diese letztlich die Herstellungskosten nicht signifikant beeinflussen dürften. Ob denn eine neue Einsteiger-Forerunner mit MIP statt AMOLED Sinn macht, wage ich zu bezweifeln, da inzwischen AMOLED-Displays (Stichwort Skaleneffekte) schlicht rationeller zu fertigen oder zu beschaffen sein dürften als die eher selten gewordenen MIP-Panels. Ungeschlagen bleibt Garmin meiner Meinung nach aber immer noch mit einem: Der Weboberfläche von Garmin Connect, die in dieser Form höchstens über Drittanbieter wie Strava mit Geräten von Mitbewerbern zu nutzen ist. Und letztlich ist auch der Umstand, dass Garmin trotz starker Konkurrenz fest im Sattel sitzt, wohl nicht zuletzt ein Zeichen von gelungenem Marketing-Mix.

Quelle(n)

Garmin, eigene, Foto von Isaac Smith auf Unsplash

Google LogoAls bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Mail Logo

Keine Kommentare zum Artikel

Fragen, Anregungen, zusätzliche Informationen zu diesem Artikel? - Uns interessiert Deine Meinung (auch ohne Anmeldung möglich)!
Keine Kommentare zum Artikel / Antworten

static version load dynamic
Loading Comments
Diesen Artikel kommentieren / Antworten
> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-05 > Garmin Forerunner 70: Ideenlosigkeit oder robustes Selbstvertrauen?
Autor: Silvio Werner, 12.05.2026 (Update: 12.05.2026)