Laut eSIM-Vergleichsportal eSIMs.io kann man im Jahr 2025 zwischen mehr als 33.514 Optionen wählen, wenn man auf der Suche nach einem Datenpaket für die nächste Reise ist. Viele greifen aus Gewohnheit zu einem der frühen und damit bekanntesten eSIM-Anbieter wie Airalo, zahlen dafür aber oft mehr als nötig. Wer dagegen immer das billigste Angebot für die jeweilige Destination raussucht, hat manchmal Pech mit der Qualität des lokalen Providers vor Ort, der vom eSIM-Anbieter genutzt wird, wie der Autor dieser Zeilen aus eigener Erfahrung weiß.
Datenpakete als Krücke
Ein weiteres Problem ist, dass man in fast allen Fällen vor dem Auslandsaufenthalt entscheiden muss, wie viel Datenvolumen man benötigen wird und es dann vorab fix buchen muss. Reichen 3 GB für einen Monat oder soll man doch eher das 10 GB Paket buchen, das mit einem deutlich attraktiveren GB-Preis winkt. Am Ende des Nutzungszeitraums verfällt allerdings das restliche Datenguthaben, womit sich das vermeintliche Schnäppchen oft als unnötige Mehrausgabe entpuppt.
Regionalpakete mit Fallen
Wer durch mehrere Länder einer Region reist, kann bei fast allen Anbietern auch regionale Pakete wählen, etwa für ganz Europa oder Asien. Doch manchmal verbergen sich auch hier Stolperfallen, wie etwa mein Kollege Andreas Sebayang kürzlich bei seinem eSIM-Test von Revolut feststellen musste. Da fehlte doch tatsächlich die Insel Taiwan in einem Asien-Pazifik-Paket, manchmal sind auch Laos oder Kambodscha nicht Teil sogenannter Asien-Pakete.
Man muss also in jedem Fall immer die Länderliste bei regionalen oder globalen Paketen überprüfen, wie auch ich schon mal lernen musst, als etwa die sogenannte globale eSIM von Eskimo partout keine Verbindung in Tunis aufbauen wollte. Tunesien gehört bem eSIM-Provider Eskimo leider nicht zum globalen Paket dazu. Ziemlich unangenehm, wenn man dann umsonst Geld für ein Paket ausgegeben hat und erst recht ohne Internet dasteht.
Pay as you go als Lösung
Wer flexibel bleiben will, kann auf die zunehmend beliebteren Pay-as-you-Go-Alternativen setzen, bei denen man nicht vorab ein Datenpaket buchen muss. Stattdessen wird zu einem fixen GB-Preis pro Land je nach tatsächlich verbrauchtem Datenvolumen abgebucht, das Konto beim Anbieter muss natürlich ein entsprechendes Guthaben aufweisen. Diesem Konzept haben sich mittlerweile ein paar wenige eSIM-Anbieter verschrieben, die mit einer Ausnahme allerdings alternativ auch klassische Datenpakete anbieten, wie wir noch sehen werden, durchaus berechtigt.
Pay-as-you-go-Anbieter
Neben Roamless und Surfroam wirbt auch das Schweizer Unternehmen Yesim für seine internationale eSIM. Als Währung nutzt Yesim dabei sogenannte Ycoins wobei 1 Ycoin praktischerweise einem Euro entspricht. Sobald man sein Guthaben per Google/Apple Pay, Kreditkarte, Paypal oder Crypto aufgeladen hat und die internationale eSIM eingerichtet und aktiviert hat, kann man gleich zu transparenten Kosten in aktuell mehr als 175 Ländern der Welt lossurfen. Weitere sollen laut Yesim-Sprecher nach und nach dazukommen.
Installation problemlos
Wie man eine eSIM installiert, nehmen wir mittlerweile als allgemein bekannt an, die entsprechende App (Android | iOS) bietet allerdings eine bebilderte Anleitung an, sofern nötig. Installiert und getestet wurde die eSIM übrigens auf meinem Vivo X100 Pro, einem Gerät, das in der Kompatibilitätsliste nicht auftaucht. Zumindest der Nachfolger wird aber gelistet. Im Gegensatz zu einigen anderen eSIM-Providern (beispielsweise RedBull Mobile), die eine eSIM-Installation tatsächlich auf eine Liste an Mainstream-Phones von Apple, Google, Samsung und Co. beschränken, hatte ich mit Yesim keinerlei Installationsprobleme.
Kostenkontrolle bei Pay as you go
Yesim zeigt sowohl in der App als auch auf der Webseite an, wie viel ein GB in den für Pay-as-you-go freigeschalteten Ländern kostet, aktuell sind das immerhin schon mehr als 175. Gleichzeitig wird das aktuelle Ycoin-Guthaben auch in Megabytes zum aktuellen GB-Preis des Landes in dem man sich befindet umgerechnet. Natürlich zahlt man ohne fixes Datenpaket oft etwas mehr pro Gigabyte als mit einem riesigen 10 GB Paket bei so manchem Billiganbieter, der Aufpreis hält sich in den meisten Fällen allerdings in Grenzen.
Ab 1,5 Euro in der EU und USA
Recht günstig finde ich den GB-Preis in vielen aber leider noch nicht allen EU-Ländern sowie in den USA. 1,5€ pro GB ohne fix gebuchtes Datenpaket ist sehr konkurrenzfähig wenn man bedenkt, dass man kein Geld für nicht komplett genutzte Datenpakete verschwendet, die laut erwähntem Preisvergleicher bei etwa 0,60 € pro GB beginnen. Allerdings nur wenn man zumindest eine zweistellige GB-Menge beim jeweils günstigsten Anbieter bucht und zudem innerhalb von meist 30 Tagen verbraucht - der Rest verfällt ungenutzt. Bei der "internationalen Yesim" verfallen dagegen keine Datenguthaben, ungenutztes Datenvolumen gibt es prinzipbedingt nicht.
Asien und die teuren Ausreißer
Leider ist aktuell nicht ganz Europa um 1,5 € pro GB abgedeckt, in einigen Ländern wie Ungarn, Malta, Polen, Italien, der Schweiz, UK oder den skandinavischen Ländern zahlt man 4 € pro genutztem GB. Auf diesem Preisniveau seid ihr durchschnittlich auch in vielen asiatischen Ländern unterwegs wobei es da auch günstigere Destinationen gibt, etwa Malaysia um 2 Euro pro GB. In weniger populären Reisedestinationen kann es allerdings auch deutlich teurer werden. Wer in Zimbabwe, auf den Seychellen oder auf der Elfenbeinküste mit der internationalen eSIM von Yesim surft zahlt teils bis zu 100€ pro GB, Spitzenreiter ist Bhutan mit 120€ pro GB. Zum Glück sind das die Ausnahmen.
Preisniveau: Etwas teurer als Datenpakete
Eine Lösung für alle Länder ist das Pay-as-you-go-System von Yesim daher zum aktuellen Zeitpunkt (noch) nicht. Neben einigen wenigen Ländern, in denen die internationale eSIM aktuell gar nicht funktioniert, für die man bei Yesim aber klassische Datenpakete bekommt, schwankt der GB-Preis selbst innerhalb Europas oder Asiens teils noch kräftig wobei die meisten Länder immerhin in die vertretbare 1,5 Euro bis 5 Euro Spanne fallen. Hier könnte Yesim in Zukunft noch nachbessern. Immerhin sieht man transparent in der App und online auf der Webseite wie viele GB man im aktuellen Land für seine Ycoins bekommt und kann bei Bedarf auf eine andere Lösung, etwa per Datenpaket, wechseln.
Preisvergleich mit den wenigen Konkurrenten
Was die Frage aufwirft, ob die Pay-as-you-go-Konkurrenz hier vielleicht günstiger unterwegs ist. Um ehrlich zu sein - allzu viele direkte Konkurrenten haben wir gar nicht gefunden. Wie erwähnt stehen Roamless und Surfroam hier an erster Stelle, einige andere bieten zwar mehr oder weniger umfangreich nutzbare, globale eSIMs an aber mit klassischer Datenpaketabrechnung und Ablaufdatum zwischen einem Monat und bis zu zwei Jahren (Eskimo). Surfroam ist, unserer stichprobenartiger Recherche zufolge, in vielen Ländern auf ähnlichem Niveau wie Yesim. Roamless setzt vermehrt auf einen einheitlichen 2,45 US-Dollar Preis pro GB (2,15 Euro) und ist damit manchmal teurer, manchmal günstiger. Preisspitzen um bis zu 100 Euro in manchen exotischen Ländern haben wir bei Surfroam gar nicht bei, und Roamless weniger oft gefunden als bei Yesim.
Yesim Besonderheit: Virtuelle Nummern
Was beide Konkurrenten aktuell nicht bieten sind virtuelle Telefonnummern. Bei Yesim kann man sich zusätzlich zu seiner internationalen Daten-SIM auch eine Nummer aus den USA, den Niederlanden, Kanada oder Israel zulegen, die dann für das Registrieren von Diensten wie Whatsapp, Telegram, Tinder, Tiktok oder Grindr genutzt werden kann, wenn man diese oder andere Dienste anonym nutzen will. Dieses Service kostet 3 Euro (bei jährlicher Bezahlung) oder 6 Euro pro Monat (bei monatlicher Bezahlung) und ist damit recht teuer, zumal man mit der Nummer nicht telefonieren kann. Eingehende SMS werden in der YeSim-App angezeigt, getestet habe ich das beispielsweise mit einer Dating-App. Leider verfällt die Reservierung für eine Nummer, sobald man sein Abo kündigt. Anschließend steht sie anderen Nutzern wieder zur Verfügung, womit dieses Service für kritische Dienste, etwa den persönlichen email-Account, nicht genutzt werden sollte.
Yesim-Besonderheit: Zumindest 4G "garantiert"
Yesim wirbt zudem mit sogenannten "Switchless Networks". Man sieht jeweils in der Länderliste welche lokalen Mobilfunk-Anbieter seitens Yesim genutzt werden. Sollte einer davon nur 3G/LTE Abdeckung bieten, werde automatisch auf einen anderen gewechselt, der "erschwingliche" 4G/5G-Abdeckung bietet. Diese Behauptung klingt etwas schwammig, zumal LTE/4G auch meist synonym für ähnliche Mobilfunktechnologien stehen. Zumindest ist mir auf meiner mehrwöchigen Reise von Österreich über Japan und Taiwan bis aktuell nach Vietnam kein Ausfall der Internet-Verbindung aufgefallen.
Persönliche Erfahrungswerte
Ich hatte schon eSIMs im Einsatz bei denen die Abdeckung des lokal genutzten Providers bereits am Flughafen geschwächelt hat. Nach aktuell mehr als 7 Wochen auf Tour ist mir das mit der internationalen eSIM von Yesim noch nicht passiert. Sowohl auf den Reisfeldern im vietnamesischen Mai Châu als auch in einem der gebirgigen Onsen-Regionen in Hokkaido, Japan gab es stets zumindest 4G-Empfang in guter Qualität, auch an sehr geschäftigen und überlaufenen Orten wie der Expo in Osaka oder der Computex in Taipei hatte ich im Gegensatz zu lokalen WLANs keinerlei Empfangsprobleme - ein Segen, wenn man beruflich von zuverlässigem Internet-Zugang abhängig ist. Das sagt natürlich nicht zwingend etwas über die generelle Qualität der von Yesim genutzten lokalen Anbieter im Rest der Welt aus und sollte daher eher als anekdotischer Erfahrungswert dienen.
24/7 Support funktioniert
In meiner bisher etwa 7-wöchigen Testphase hatte ich nur einmal ein technisches Problem mit der Einrichtung einer virtuellen Nummer, das innerhalb kurzer Zeit über den In-App-Chat gelöst werden konnte. Yesim wirbt mit durchschnittlich 6 Minuten Reaktionszeit und einer großzügigen Refund-Policy, auch das keine Selbstverständlichkeit im eSIM-Universum.
Fragen und Antworten
Fragen die erfahrungsgemäß immer wieder auftauchen, möchte ich gleich an dieser Stelle klären. Das Teilen der Internet-Verbindung mit einem Laptop oder anderen Personen (Tethering) funktioniert problemlos. Gekaufte Ycoins sind standardmäßig ein Jahr gültig und verfallen dann, wenn sie nicht genutzt wurden. Also doch ein Ablaufdatum? Wer nicht gleich hunderte Euros auf einmal in Ycoins umwandelt, wird davon kaum betroffen sein, dennoch wäre mir ein unbegrenzt gültiges Ycoin-Guthaben lieber. Ist ja immerhin mein Geld, das ich da ein die "Ycoin-Währung gewechselt habe". Wer sich längere Zeit in einem Land oder eine Region aufhält und bereits vorab weiß, dass größere Datenmengen benötigt werden, kann natürlich wie üblich fixe Datenpakete buchen, auch bei Yesim in der App.
Der Wechsel ist jederzeit möglich, da die internationale eSIM und herkömmliche Datenpakete als separate Sims installiert werden. Wenn man auf ein neues Smartphone wechselt, kann man seine Ycoins mitnehmen, nicht allerdings die bereits installierte eSIM, hierfür ist ein neuer QR-Code vom Support nötig. Explizit nachgefragt habe ich auch in Bezug auf eSIM-Adapter, die etwa mit eSIM-freien Smartphones aus China wie dem Vivo X200 Ultra oder dem Oppo Find X8 Ultra genutzt werden könnten. Offiziell unterstützt werden die bis dato nicht, das plane ich allerdings in einem künftigen Test dennoch mal selbst auszuprobieren.
Fazit und Transparenz
Persönlich bin ich als Vielreisender von Yesims internationaler eSIM wirklich begeistert. Zumindest in den Ländern in denen ich oft nur Tage oder Wochen unterwegs bin, beispielsweise im Rahmen einer Messe, muss ich mir vorab keine Gedanken mehr machen, wieviel Datenguthaben ich brauchen könnte. Oftmals nutzt man ja doch das Hotel-WLAN und kommt letztlich mit weniger aus als gedacht. Ich muss mir auch keine Gedanken mehr machen, wenn ich Ländergrenzen überspringe. Am Flughafen aussteigen und schon ist die internationale eSIM zu guten bis vertretbaren Kosten im hoffentlich besten Netz eingebucht.
Supportanfragen wegen falsch gebuchter Datenpakete kann ich mir künftig sparen, ich zahle nur was ich tatsächlich nutze. Eine Lösung für jeden und für jedes Land ist die Yesim Pay-as-you-go-Alternative dennoch aktuell noch nicht. Wer sich lange an einem Ort aufhält, oder extreme Datenmengen braucht steigt mit klassischen Datenpaketen finanziell meist besser aus kann das aber jederzeit zusätzlich/alternativ machen.
Wer öfter in seltener bereisten Destinationen unterwegs ist, sollte zumindest die ärgsten Preis-Ausreißer im Blick behalten, die App zeigt das glücklicherweise sehr übersichtlich an. Einige Regionen sind zudem noch nicht mit der internationalen eSIM nutzbar, beides ist hoffentlich ein temporäres Problem auf dem Weg zur All-In-One-Welt-eSIM. Yesim hat dem Autor ein großzügiges Ycoin-Guthaben für seine Reise spendiert, hatte aber keinerlei redaktionellen Einfluss auf diesen Bericht.
Quelle(n)
Eigene, Yesim








































