Konkurrenz für Starlink: Rocket Lab kauft Satellitenbetreiber Iridium für 8 Milliarden Dollar

Rocket Lab, das Raumfahrtunternehmen, das vor allem für seine Electron-Rakete bekannt ist, hat die Übernahme des Satellitenkommunikationsanbieters Iridium Communications in einem rund 8 Milliarden US-Dollar schweren Deal vereinbart. Statt ein eigenes Satellitennetz von Grund auf aufzubauen, übernimmt Rocket Lab damit ein etabliertes Kommunikationsgeschäft mit Millionen Kunden und Zugriff auf wertvolles L-Band-Spektrum.
Iridium bietet Sprach-, Daten- und Positionsdienste für mehr als 2,55 Millionen Kunden weltweit an. Grundlage dafür ist eine Konstellation aus 66 aktiven Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn, ergänzt durch weitere Ersatzsatelliten im Orbit. Die Dienste werden breit von Regierungen, Verteidigungsorganisationen, Fluggesellschaften, Reedereien und Unternehmen genutzt, die in abgelegenen Regionen außerhalb terrestrischer Netze tätig sind. Anders als SpaceX' Starlink oder Amazons Leo, ehemals Project Kuiper, bietet Iridium kein Breitbandinternet für Privatkunden an. Stattdessen ist die Konstellation auf globale Verbindungen mit geringer Bandbreite, aber hoher Zuverlässigkeit spezialisiert.
In einem Video zur Übernahme hat Rocket-Lab-Gründer und CEO Sir Peter Beck den Deal als "Abkürzung" zum Aufbau eines globalen Satellitennetzes bezeichnet. Als zentrale Gründe für die Übernahme nannte er Iridiums lizenziertes Spektrum, die bestehende Kundenbasis, die Beziehungen zu Behörden und die Profitabilität. Rocket Lab investiere dabei "nicht in Hoffnungen und Träume". Stattdessen übernimmt das Unternehmen ein etabliertes Geschäft, das im Jahr 2025 einen Umsatz von 871,7 Millionen Dollar erzielt hat.
Rocket Lab möchte Iridiums Netz nicht nur aufrechterhalten, sondern zusätzlich ausbauen. Das Unternehmen erklärt, bei der Entwicklung und dem Start von Iridiums Satellitenkonstellation der nächsten Generation helfen zu wollen. Dazu gehören Direct-to-Device-Dienste (D2D), die Smartphones ohne terrestrische Mobilfunkabdeckung verbinden sollen. Zudem erwartet Rocket Lab, durch die Übernahme seine Position in Regierungs- und nationalen Sicherheitsmärkten zu stärken, in denen widerstandsfähige Satellitenkommunikation und Positionsdienste zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Die Übernahme passt auch zu einem breiteren Trend zur vertikalen Integration in der kommerziellen Raumfahrtbranche. Raumfahrtunternehmen versuchen zunehmend, sowohl Trägerraketen als auch Satellitennetze zu kontrollieren, die wiederkehrende Umsätze generieren. SpaceX hat mit Starlink die weltweit größte Satelliteninternet-Konstellation aufgebaut, während Amazon stark in sein Leo-Breitbandnetz investiert. Anfang dieses Jahres hat Amazon außerdem die Zusammenarbeit mit Globalstar vertieft, dem Satellitenbetreiber, der die Infrastruktur hinter Apples Notruf SOS über Satellit bereitstellt, um seine Satellitenkommunikationsfähigkeiten auszubauen.
Laut der Vereinbarung erhalten Iridium-Aktionäre 54 Dollar je Aktie in einer Kombination aus Bargeld und Rocket-Lab-Aktien. Die Transaktion ist von den Verwaltungsräten beider Unternehmen einstimmig genehmigt worden und soll vorbehaltlich der Zustimmung der Iridium-Aktionäre sowie der Aufsichtsbehörden Mitte 2027 abgeschlossen werden.







