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Lenovo: Motorola-Übernahme für Lenovo schwer zu verdauen

Lenovo: Motorola-Übernahme für Lenovo schwer zu verdauen (Bildquelle: The Wall Street Journal)
Lenovo: Motorola-Übernahme für Lenovo schwer zu verdauen (Bildquelle: The Wall Street Journal)
Bei der Übernahme des einstigen Handy-Riesen Motorola setzte Lenovo große Hoffnungen in den Kauf. Er sollte das Unternehmen von der Spitze des PC-Marktes auch in die Spitze des Smartphone-Geschäfts bringen. Nach drei Jahren kehrt jedoch Ernüchterung beim PC-Marktführer ein.

Fast genau drei Jahre ist es her, da ging ein kleiner Ruck durch die Tech-Branche: Google gab bekannt, den einstigen Handy-Riesen Motorola Mobility zu verkaufen, gerade einmal etwa zwei Jahre, nachdem man das Unternehmen noch für 12,5 Milliarden US-Dollar übernommen hatte. Der Käufer hieß Lenovo, der damalige und heutige PC-Weltmarkt. Google war es nicht gelungen, Motorola mit Produkten wie dem Motorola Moto X wieder fest im Markt zu etablieren, dennoch glaubte Lenovo daran, dass die bekannte Marke dem Hersteller die Möglichkeit gibt, auch in westlichen Märkten Verkaufserfolge zu erzielen. Vorher verkaufte Lenovo seine Smartphones lediglich in ausgewählten Ländern, vor allem in Asien, nun sollte der ganz große Sprung folgen um in einer Liga mit Apple und Samsung bei den Smartphones zu spielen.

Nun sind 3 Jahre rum und man kann ein erstes Fazit ziehen, was der Kauf Lenovo gebracht hat. Dieses Fazit kann nicht allzu gut ausfallen: War man nach dem Kauf mit den kombinierten Verkaufszahlen noch drittgrößter Hersteller hinter Samsung und Apple, taucht Lenovo in den aktuellen Top 5 der Smartphone-Hersteller nicht mal mehr auf. Profit hat Lenovo mit Motorola bisher nicht gemacht, nur Verluste. Während des gesamten letzten Jahres kostete das Smartphone-Geschäft Lenovo in jedem Quartal über 100 Millionen US-Dollar.

Woran liegt dieser Misserfolg? Das Wallstreet-Journal hat einen ausführlichen Artikel zu dem Thema veröffentlicht, in dem sich ehemalige und aktuelle Angestellte der Firma äußern. Anscheinend dachte Lenovo, dass man den Erfolg der Akquisition des PC-Geschäfts von IBM mühelos auf Motorola übertragen könne. Das führte zu mehreren strategischen Fehlern, zum Beispiel versuchte man Motorola Smartphones wieder in China auf den Markt zu bringen, was in dem sehr stark umkämpften Markt wegen der zu hohen Preise aber komplett schief ging, Lenovos Smartphone-Verkäufe im Heimatmarkt brachen fast komplett zusammen, von einst 12 auf nur noch 2 % Marktanteil. Auch in den USA gelang der Durchbruch nicht, vermutlich wegen fehlender Investitionen ins Marketing.

All das führte dazu, dass Motorola Mobility kaum noch existiert, der Großteil der Angestellten wurde entlassen und die Entwicklung größtenteils nach China verlagert. Der Lenovo Chef Yang Yuanqing gibt sogar offen zu, dass man die Unterschiede in der Struktur und Kultur zwischen Motorola und Lenovo unterschätzt habe.

Dieses Jahr ist vermutlich die letzte echte Chance für einen Erfolg Motorolas unter Lenovo, zur baldigen MWC hat man schon neue Smartphones angeteasert

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Autor: Benjamin Herzig, 17.01.2017 (Update: 17.01.2017)
Benjamin Herzig
Benjamin Herzig - Editor
Ab 2010 habe ich mich mehr und mehr mit Technologie beschäftigt, insbesondere Notebooks haben es mir seitdem angetan. Klar, dass ich sehr schnell auf die detaillierten Tests von Notebookcheck stieß. Mit der Zeit habe ich mehr und mehr über Notebooks gelernt und angefangen, in Foren und Blog-Seiten kleine Reviews zu Notebooks zu schreiben. Um während des Studiums Geld dazu zu verdienen habe ich mein Hobby dann zum Beruf gemacht und stieß 2016 zum Team von Notebookcheck hinzu, mein persönliches Interesse liegt insbesondere bei Business-Notebooks.