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Wie Regionalbahnen | Test: Per Bluetooth-/QR-Code-Ticket in Taiwans Shinkansen THSR

Sitzplatzreservierung nicht notwendig: Wir fahren spontan mit dem THSR von Nangang nach Taipei Main Station.
ⓘ Andreas Sebayang / Notebookcheck.com
Sitzplatzreservierung nicht notwendig: Wir fahren spontan mit dem THSR von Nangang nach Taipei Main Station.
Taiwans High Speed Rail THSR hat ein ungewöhnliches Ticketing-System. Mithilfe von Bluetooth stellt das System den Ort des Fahrgasts fest und erlaubt anschließend einen besonders schnellen Ticket-Kauf wenige Minuten vor einer Abfahrt. Über einen QR-Code kann man dann schnell in den Zug hüpfen und so die überfüllte Metro Taipei für einen Euro umfahren.

Hochgeschwindigkeitssysteme werden gerne mal auch als S- oder Regionalbahnen genutzt. Das gilt insbesondere für die Shinkansen-Systeme, sei es in Japan oder wie in unserem Fall während der Computex Taipei in Taiwan. Doch der Zugriff auf diese Möglichkeit ist meist mit einem zeitraubenden Ticketkauf und Anstellen verbunden, vor allem als Tourist.

Taiwans High Speed Rail (THSR) macht das etwas anders. Denn auch Touristen können vergleichsweise einfach und schnell spontane Tickets kaufen, um mit dem Shinkansen-System zu fahren. Alles, was es dazu braucht, sind die THSR-App und ein Account bei der THSR. Der lässt sich aber problemlos einrichten.

Anschließend kann man direkt vor dem Ticketgate – aber nur dort – eine Fahrkarte ohne garantierten Sitzplatz kaufen. Ähnlich wie beim japanischen Shinkansen bietet THSR auch nicht reservierte Waggons, aber dazu später mehr.

Für den Kauf ist zwingend Bluetooth notwendig. Denn per Bluetooth erkennt das System, ob man sich in der Nähe eines Ticketgates befindet. Ist das der Fall, lässt sich ein Ziel auswählen und dann ein Ticket kaufen. Die Preise sind leicht günstiger als für Tickets mit Sitzplatzreservierung (siehe Preistabelle). Da wir keine Kreditkarte hinterlegt haben, zahlen wir das Ticket einfach mit Apple Pay und suchen uns unsere Karte aus. 

Wer das öfter macht, kann das mit Training sogar fast beim Laufen zum Ticketgate machen, da die Bluetooth-Beacons eine gewisse Reichweite haben. Es braucht freilich einen Internetzugang.

Anschließend hat man binnen Sekunden ein Ticket, auf das man raufklicken kann, um den QR-Code anzeigen zu lassen. Die Gates der THSR haben neben einem Papierticket- und RFID-Leser auch Lesegeräte für QR-Codes. Der Leser ist dabei vergleichsweise schnell, gerade wenn man dies mit europäischen Nahverkehrs-QR-Code-Readern vergleicht. Es kommt aber nicht ganz an die sehr schnellen QR-Code-Leser in Japan heran, wie man sie etwa im neuen Mobiry-Days-System in Hiroshima sieht.

In der Praxis heißt das in Taiwan, das man etwas abbremsen muss, um durch das Ticketgate zu gehen, um nicht gegen die geschlossene Sperre zu krachen. 

Es gibt freilich eine einfachere und schnellere Variante. Wer eine lokale Easycard-Kreditkarten-Kombination hat, kann beispielsweise noch einfacher fahren, dann reicht ein Vorhalten der Karte vor dem Ticketgate. Eine reguläre Easycard wird aber nicht akzeptiert. In Japan ist das ähnlich, das EX-System ist dort auch eigentlich nur etwas für die lokale Bevölkerung. Dort werden mitunter zwei unterschiedliche RFID-Karten gestapelt eingelesen.

Die THSR als Regionalbahn hat einen eigenen Tarif

Ist man dann durch das Ticketgate gelaufen, kann man dann auch schon direkt auf den Bahnsteig gehen. Wenn der Zug allerdings gerade geputzt wird, und das wird er in Taiwan immer am Endbahnhof, dann muss man etwas warten.

Taiwans High Speed Rail ist aber kein typisches Nahverkehrssystem, auch wenn wir erstaunlich viele pendelnde Fahrgäste gesehen haben. Die Fahrkarten sind trotzdem typische Fernverkehrsfahrkarten.

Die Kosten halten sich in Grenzen. Für die acht Minuten dauernde Fahrt von Taipei Main Station nach Taipei-Nangang verlangt THSR 35 TWD, also grob einen Euro. Das lässt aber nur schwer einen Vergleich zur Kaufkraft zu. Dafür ist ein anderer Vergleich etwas besser, denn das innerstädtische THSR-Ticket kostet etwa die Hälfte eines Big Macs. Im Vergleich zu der Fahrt mit dem Nahverkehr ist das durchaus ein deutlicher Aufschlag. Eine reine Fahrt mit der Metro Taipei hätte uns nur 30 TWD gekostet. Da THSR-Tickets nicht in den Nahverkehr integriert sind, mussten wir für den Umstieg zwischen Nangang und Nangang Exhibition Center, wo die Computex Taipei stattfindet, nochmal 20 TWD bezahlen. Wir lagen am Ende also bei 55 TWD oder 1,50 Euro. Einen Preis, den recht viele in der Bevölkerung bereit sind zu zahlen

Das THSR-Ticket lässt sich übrigens sogar bis zum Ende des Tages stornieren, sollte es nicht genutzt werden. Das haben wir aber nicht ausprobiert, da wir unseren Zug immer bekommen haben. Zumal man auch den nächsten nutzen kann, denn das Ticket ist flexibel, obwohl es günstiger ist.

Dafür gibt es einige Vorteile: Auf dem letzten Segment sind Sitzplätze in der Regel noch vorhanden und man sitzt in immer Fahrtrichtung. Nutzbar sind die nicht reservierten Waggons 10, 11 und 12. Es gibt aber Unterschiede. Manche Züge haben ein Haltekonzept wie eine S- oder Regionalbahn. So gibt es gewissermaßen Verstärkerzüge zwischen Taipei-Nangang und Taichung. Die halten an praktisch jeder Gießkanne, wie man so schön sagt, und hier sind sogar die Waggons 1 bis 4 sowie 8 und 9 zusätzlich freigegeben. Die Züge sind also explizit für den Nahverkehr konzipiert, auch wenn die Garnituren dieselben sind.

Taiwan setzt schon seit vielen Jahren auf große LED-Anzeigen. Hier sieht man gut, wie unterschiedlich die Züge fahren.
Taiwan setzt schon seit vielen Jahren auf große LED-Anzeigen. Hier sieht man gut, wie unterschiedlich die Züge fahren.

Freilich sind die Abstände zwischen den Bahnhöfen größer. Doch im Großraum Taipei finden sich immerhin drei Stationen.

Die schnelleren Züge blockieren diese High-Speed-Regionalbahnen nicht. Wie beim japanischen Shinkansen sind die Bahnhöfe so ausgestattet, dass schnellere Zugkategorien langsamere überholen können, und der Fahrplan ist entsprechend dafür abgestimmt. Dazu kommt, dass der Fahrgastwechsel bei Shinkansen-Systemen vergleichsweise schnell ist, obwohl es nur wenige Türen gibt. Das liegt auch am stufenfreien Einstieg, da die Bahnsteige dieses Systems sehr hoch sind. Fahrgäste mit Koffern blockieren daher nicht so lange wie bei anderen Schnellzügen.

Weitere Vorteile von THSR: In den Zügen darf man essen. In der Metro Taipei ist das nicht erlaubt. Man kann sich sogar Getränke aus einem Automaten im Zug ziehen. Die Preise sind im Vergleich zur Stadt normal. Eine Softdrink-Dose kostet etwa 25 TWD. Ein Aufpreis von etwa 5 TWD. Kein Vergleich zu den Aufpreisen, die man in Europa in Zügen erwarten muss. Einen Speisewagen gibt es aber nicht. Allerdings werden mobil Snacks verkauft und wer will kann sogar eine Bento-Box kaufen, für 3,50 Euro gibt es also ein Mittagessen. Auch das sind eher normale Preise. 

In den Stationen finden sich zudem die in Ostasien typischen Konbinis, wie etwa Family Mart. Dort lässt sich schnelles und frisches Essen kaufen und direkt in den Zug nehmen. Oft sind die Läden sogar hinter dem Ticketbereich in der Wartezone. Dank großzügiger Sitzplatzflächen kann man sich entscheiden, ob man im Zug oder im Bahnhof beim Warten isst.

Mobilfunk funktioniert in den Zügen übrigens hervorragend, das ist allerdings in Taiwan auch nichts besonderes. THSR bietet auch WLAN, das haben wir aber nicht ausprobiert.

Das System ist an seinen Grenzen

THSR ist aber nicht überall so gut nutzbar wie in unserem Fall. Wer von etwas weiter kommt, also Banqiao Richtung Innenstadt etwa, hat meistens auch noch eine gute Chance für Sitzplätze, weil in Banqiao viele aussteigen. Von Taoyuan, wo der Hauptflughafen der Stadt liegt, ist es hingegen schon schwerer. Stehplätze sind dann normal, wie wir im letzten Jahr mehrfach feststellen mussten. Diese Strecke reserviert man also lieber vorher, was aber mit Fristen verbunden ist. Wer spontan fahren will, muss stehen, was auch viele machen.

Die QR-Code-Leser am Ticketgate sind recht schnell. Mit Übung muss man nicht allzu stark abbremsen.

Hier zeigt sich, dass Taiwans Hochgeschwindigkeitsprojekt von seinem Erfolg überrollt wird. Grob können zwar schon mal Züge im 5- bis 10-Minuten-Takt abfahren. Aber THSR hat schlicht nicht genug Züge dafür. Es gibt Tage, da ist alles ausverkauft, vor allem zu beliebten Ferienzeiten. Das wundert aber auch nicht, denn THSR ist ein sehr attraktives Fernverkehrssystem. Die Bahnhöfe liegen zwar oft außerhalb, dafür fahren die Züge aber  mit hohen Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h.

Japan soll zwar bald neue Züge liefern, das wird aber wohl noch ein Jahr dauern, bis die Verstärkung zum Einsatz kommt. THSR plant zum Berufsverkehr dann 25 Prozent mehr Kapazität anbieten zu können.

Fazit: THSR mit dem Bluetooth-/QR-Code-Ticket lohnt sich

Auch wenn es zur Rush Hour anstrengend werden kann. Das alles in Kombination macht Taiwans Hochgeschwindigkeitssystem auch im Nahverkehr zum pendeln, oder für spontane Erkundungen interessant. Der Aufpreis ist moderat und durch die Metropolregion Taipei hindurch werden immerhin drei Stationen auf der wichtigen Ost-West-Achse bedient. Wer das U-Bahn-System parallel dazu kennt, die oft stark ausgelastete Bannan Line, der ist froh, wenn sich die Distanzen schnell überbrücken lassen, selbst stehend. 

Allerdings ist die Taktung auf den Fernverkehr zugeschnitten. Größere Taktlücken gibt es durchaus, sodass die Fahrt mit der Bannan Line der Taipei Metro sich auch zeitlich wieder lohnt.

Wer will, kann übrigens auch mit der TRA parallel auf der Strecke fahren, die ein paar Bahnhöfe mehr bedient. Das ist die Taiwan Railway, die auf getrennten Gleisen fährt. Hochgeschwindigkeitsverkehr wird in Taiwan von anderem Verkehr getrennt. Hier kann eine Easycard ohne Probleme genutzt werden, aber man muss auf die Zugkategorie aufpassen.

Für diesen Test sind wir insgesamt fünf Mal zwischen Nangang und Taipei Main Station gefahren. Dazu kommt eine Fahrt nach Taoyuan. Die Pünktlichkeit lag bei 100 Prozent (ohne statistische Tricks). Auch in den Jahren davor konnten wir uns nicht an unpünktliche Züge erinnern. Die folgenden Screenshots zeigen, wie das in der App aussieht, und sind an verschiedenen Tagen entstanden.

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Eigene Recherchen

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Autor: Andreas Sebayang, 13.06.2026 (Update: 13.06.2026)