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Vergleichstest ANC-Kopfhörer: Sennheiser HD 450BT vs Teufel Real Blue NC

Dämpfende Klänge to go. Wir stellen im Test zwei kabellose Over-Ear-Kopfhörer mit ANC unter 200 Euro einander gegenüber. Während der Teufel Real Blue NC bereits ein alter Hase im Geschäft ist, muss der neue Kopfhörer von Sennheiser seine Qualitäten erst noch unter Beweis stellen.
Update: Akkulaufzeiten ergänzt.
Daniel Schmidt 👁, Felicitas Krohn, 🇺🇸 🇷🇺

Auf der CES 2020 wurde der Sennheiser HD 450BT Wireless vorgestellt, die Präsentation des Teufel Real Blue NC fand bereits im Rahmen der IFA 2017 statt. Letzterer ist demnach schon seit über zwei Jahren im Handel verfügbar. Das macht sich vor allem preislich bemerkbar, denn die einstige UVP des Teufel-Kopfhörers lag bei rund 230 Euro, mittlerweile ist er aber öfter mal für runde 180 Euro zu haben und ist damit exakt genauso teuer wieder der HD 450BT. 

Das Konzept der beiden Kopfhörer ist sehr ähnlich, Sennheiser kann hier aufgrund des jüngeren Erscheinungsdatums aber mit einer moderneren Bluetooth-Version sowie USB-Port glänzen. Auch bei den Audio-Codecs hat der HD 450BT mehr zu bieten. Ob dieser tatsächlich die bessere Wahl ist und ob sich ein Wechsel lohnt, klären wir in diesem Test. 

Sennheiser HD 450BT Teufel Real Blue NC
Baumform Over-Ear Over-Ear
Bauweise geschlossen geschlossen
Audio-Übertragungsbereich 18 - 22.000 Hz 20 - 20.000 Hz
Audio-Codecs SBC, AAC, aptX, aptX LL SBC, AAC
Bluetooth ja, Version 5.0 ja, Version 4.0
Klinkenanschluss ja, 2,5 mm ja, 3,5 mm
Ladeanschluss USB-C Micro-USB
Akkuleistung 600 mAh (3,7 V) k. A.
Gewicht 238 g 260 g
Preis (UVP) 179 EUR 230 EUR

Ausstattung - HD 450BT mit moderneren Schnittstellen

Sennheiser HD 450BT Wireless
HD 450BT
Teufel Real Blue NC
Real Blue NC

Der Sennheiser HD 450BT besteht äußerlich primär aus Kunststoff, die Ohrpolster aus weichem Kunstleder. Bei Letzteren handelt es sich um die gleichen Modelle wie schon beim HD 4.50BTNC oder dem MB 360. Die Aussparung für die Ohren ist vergleichsweise klein, sorgt aber für einen guten Sitz sowie einen sauberen Abschluss mit dem Kopf, sodass bereits eine spürbare passive Dämpfung entsteht. Der Klinkenanschluss ist für 2,5-mm-Stecker ausgelegt, im Lieferumfang befindet sich ein passendes Kabel, welches auf der Gegenseite 3,5 mm bietet. Der Akku des HD 450BT wird über den USB-C-Anschluss geladen. Mit Bluetooth 5.0 ist der Sennheiser-Kopfhörer moderner aufgestellt als der von Teufel und beherrscht außerdem auch den hochauflösenden Audio-Codec aptX. 

Der Teufel Real Blue NC wird über einen Micro-USB-Port geladen und sein Äußeres wurde ebenfalls aus Kunstsoff gefertigt, welches jedoch stellenweise einen Metall-Look erhalten hat. Im Lieferumfang ist ebenfalls ein Audiokabel enthalten, sodass auch der Teufel-Kopfhörer problemlos betrieben werden kann, wenn der Akku mal leer ist. Außerdem befindet sich noch ein Flugzeugadapter in der Transporttasche, welche vor allem bei dem einen oder anderen Ferienflieger noch benötigt werden könnte. Die Ohrpolster sind aus Kunstleder gefertigt und schließen angenehm und sauber ab, die Aussparung für die Ohren ist jedoch etwas geräumiger als bei Sennheiser. Auch bei Teufel ist es problemlos möglich, Ersatzohrpolster zu bestellen.

Beide Hersteller spendieren ihren Kopfhörern auch eine Aufbewahrungstasche. Während diese bei Sennheiser aus einer flexiblen Kunstfaser gefertigt wurde, ist es bei Teufel ein wertiges Case, in dem auch das Zubehör ordentlich verstaut werden kann. 

Bedienung - Teufel ohne App, aber mit Sensortasten

Die Steuerung des Teufel-Kopfhörers erfolgt ausschließlich am Kopfhörer selbst, eine App für Anpassungen oder zum Einspielen von Software-Updates gibt es nicht. Die wenigen Tasten lassen sich gut erspüren und besitzen einen recht langen Hub, sodass versehentliches Drücken unwahrscheinlich ist. Anders sieht das bei dem Sensorfeld auf der rechten Ohrmuschel aus, hier kann beim Anheben auch gerne mal eine versehentliche Eingabe stattfinden. Dies fällt meistens nicht direkt auf, weil die Reaktion leicht verzögert stattfindet.

Bei Sennheiser konzentrieren sich alle Bedienelemente des Kopfhörers auf der rechten Seite, was vor allem am Anfang mal für den einen oder anderen Fehlgriff sorgt, obwohl diese sich haptisch eigentlich gut auseinanderhalten lassen. Verwechslungsgefahr gibt es aber vor allem bei der Power- und Assistenten-Taste. Anders als bei Teufel sind die Anschlüsse nicht abgedeckt. Sennheiser offeriert eine App, über die sich auch alle anderen kabellosen Kopfhörer des Hauses verwalten lassen. Neben Fimware-Updates stellt der Hersteller hier auch die Möglichkeit zur Verfügung, einen frei definierbaren Equalizer einzustellen. Schade ist, dass es weder eine akustische Meldung vom Kopfhörer gibt, ob ANC aktiv ist, noch einen optischen Hinweis in der App.

Im Test funktionierte der Betrieb beider Kopfhörer sowohl an iOS- als auch Android-Smartphones ohne Probleme. Ebenso ist es möglich, diese alternativ mit einem Fire-TV-Stick, Smart-TVs oder AV-Receivern zu verbinden. Vor allem beim letzteren sollte jedoch darauf geachtet werden, ob diese auch Bluetooth zum Senden nutzen können. Beide Kopfhörer können zudem mit Sprachassistenten verwendet werden. 

Während sich die Bedienelemente bei Sennheiser (rechtes Bild) auf einer Seite bündeln, sind diese bei Teufel gleichmäßig verteilt.

Klang - Sennheiser-Kopfhörer mit druckvollen Tieftönen

Klanglich liefern beide Kopfhörer eine gute Performance, der offenkundigste Unterschied ist, dass der Sennheiser HD 450BT prägnantere Tieftöne bietet. Selbst bei geringerer Lautstärke sind diese sehr kraftvoll, was sich vor allem bei Filmen und Spielen durchaus positiv niederschlägt. Bei Audioinhalten ist dies eher Geschmackssache, wer einen ausgewogeneren Klang bevorzugt, ist beim Teufel-Kopfhörer sicherlich besser aufgehoben. Bei aktiviertem Active Noise Cancelling ist zudem bei leiser Wiedergabe oder ruhigen Passagen das Rauschen deutlich hörbar. 

Die Tonwiedergabe gefällt uns beim Sennheiser-Kopfhörer richtig gut, bei hoher Lautstärke kann es es jedoch zu leichten Verzerrungen der oberen Hochtöne kommen, was hohe Stimmen, aber auch Trommelwirbel mit einschließt. Wer klassische Musik mag, wird feststellen, dass der Kopfhörer für diese Art der Musik etwas zu tiefenlastig ist und vor allem Streicher die letzte Präzision vermissen lassen. 

Der Teufel Real Blue NC besitzt eine ausgewogenere Wiedergabe, wodurch er etwas weniger verspielt wirkt. Mitten und untere Hochtöne werden sehr präzise dargestellt, tiefe Bässe und die oberen Hochtöne sind jedoch etwas wackelig. Auch ohne aktives ANC ist zudem stets ein leichtes Rauschen zu vernehmen. Generell ist der Teufel-Kopfhörer der etwas bessere Allrounder, Sennheiser bietet jedoch einen breiteren und kraftvolleren Sound. 

Geräuschunterdrückung - Leichte Vorteile für Sennheiser

Beide Kopfhörer besitzen eine geschlossene Bauweise, weshalb bereits durch das bloße Aufsetzen eine passive Dämpfung von Umgebungsgeräuschen einsetzt, jedoch bleiben sowohl bei Sennheiser als auch Teufel Personen gut hörbar. Wird die aktive Geräuschunterdrückung aktiviert, hat dies auch nur einen minimalen Einfluss auf Stimmen, vielmehr werden die tieffrequenten Töne wie die von Motoren hörbar reduziert. 

Der Sennheiser HD 450BT leistet hier bessere Arbeit als seine Konkurrenz von Teufel, sowohl bei der passiven als auch aktiven Geräuschunterdrückung, ist aber selbst noch weit entfernt von der Leistung eines Spitzenmodells wie Sony WH-1000MX3. Generell sind die Unterschiede zwischen den Kontrahenten nicht sehr groß. Der Teufel-Kopfhörer hat im Gegenzug einen geringeren Andruck an den Kopf. 

Akkulaufzeiten - Teufel hat die Nase vorn, aber ...

Sennheiser beziffert die Laufzeiten des HD 450BT mit bis zu 30 Stunden und die Akkus lassen sich binnen zwei Stunden vollständig aufladen. Beim Teufel Real Blue NC sind es sogar bis zu 60 Stunden, dann wird der Kopfhörer jedoch kabelgebunden mit aktiviertem Noise Cancelling genutzt. Kommt Bluetooth zum Einsatz, fallen die Nutzungszeiten auf 23 Stunden. 

Wir haben die beiden ANC-Kopfhörer einem Test Akkutest unterzogen, bei welchem beide auf voller Lautstärke mit aktivierter Geräuschunterdrückung Musik abgespielt haben. In diesem Szenario hält der Teufel-Kopfhörer länger durch und erreicht eine Spielzeit von 12 Stunden und 2 Minuten, der HD 450BT kommt nur auf 9 Stunden und 5 Minuten, was wohl auf den höheren Übertragungsstandard sowie Lautstärkepegel zurückzuführen ist. 

Fazit - ANC-Kopfhörer mit feinen Unterschieden

Im Test: Sennheiser HD 450BT und Teufel Real Blue NC. Testgerät zur Verfügung gestellt von Sennheiser Deutschland.
Im Test: Sennheiser HD 450BT und Teufel Real Blue NC. Testgerät zur Verfügung gestellt von Sennheiser Deutschland.

Der Sennheiser HD 450BT Wireless ist ein ganz frisches Modell, was vor allem die technische Ausstattung zeigt. Wer ein entsprechendes Abspielgerät nutzt, welches auch den hochauflösenden Audio-Codec unterstützt, kann mit einem besseren Klang rechnen. Dennoch sehen wir den Teufel-Kopfhörer hier nicht als wesentlich schlechter an, sondern die Wiedergabe ist ausgewogener und weniger basslastig. Letztendlich ist es Geschmackssache. 

Sennheiser HD 450BT und Teufel Real Blue NC liefern sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen, an dessen Ende die persönlichen Vorlieben den Ausschlag geben.

Leichte Schwächen zeigen beide Kopfhörer bei maximaler Lautstärke, dann lassen vor allem die Hochtöne Präzision vermissen und der Teufel Real Blue NC kämpft dann auch mit den Bässen. Durch seine druckvolle Klangwiedergabe sehen wir den 450BT vor allem bei actionreichen Filmen im Vorteil, hier macht der Kopfhörer richtig viel Freude. Je nach Musikgeschmack kann der Teufel jedoch die bessere Wahl sein. 

Wer bereits einen Teufel Real Blue NC besitzt, für denjenigen sehen wir keinen zwingenden Grund zu wechseln. Bei einer ohnehin geplanten Neuanschaffung überwiegen die Vorteile des Sennheisers. Da das Hörempfinden jedoch sehr individuell ist, würden wir empfehlen, beide erst probezuhören, da die Klangcharakteristika recht unterschiedlich ausfallen. 

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Autor: Daniel Schmidt, 13.03.2020 (Update: 16.03.2020)
Daniel Schmidt
Daniel Schmidt - Managing Editor Mobile - @Tellheim
Bereits als kleiner Zwerg fesselte mich mein Commodore 16 und entfachte meinen Enthusiasmus für Computer. Mit meinem ersten Modem surfte ich im Btx und später auch im World Wide Web. Die neuesten Techniktrends haben mich von jeher gefesselt und das gilt vor allem auch für mobile Geräte, wie Smartphones und Tablets. Für Notebookcheck bin ich seit 2013 am Ball und freue mich auf die Neuerungen, die noch kommen und wir für Sie auf Herz und Nieren testen werden.