Notebookcheck

Apple iPad im Langzeittest

Klaus Hinum , 23.01.2011

Seit 23. Juli haben wir nun die erste Generation des Apples iPad im fast täglichen Einsatz in der Redaktion. Welche Erfahrungen wir mit dem Tablet gemacht haben, für welche Einsatzzwecke es sich eignet und wie bzw. ob es durch iOS 4.2 (inklusive Apple TV) besser geworden ist, erfahren Sie in folgendem Testbericht.

Apple iPad 3G 64 GB 1. Generation im Dauertest
Apple iPad 3G 64 GB 1. Generation im Dauertest

Im Jänner 2010 hat Steve Jobs in seiner Keynote das iPad als revolutionäres Gerät vorgestellt. Es soll die Lücke zwischen iPhone und MacBook Notebooks schließen und ist voll und ganz auf Entertainment ausgelegt. Technisch ist das iPad, einfach beschrieben, ein großes iPhone ohne Telefonfunktionen. Trotzdem schaffte es Apple damit den aktuellen Tablet Boom auszulösen.
 
In unserem ausführlichen Test des Apple iPad gefiel uns vor allem die Touchscreen-Bedienung, das hervorragende IPS Display und die lange Akkulaufzeite des Tablets. Nachdem wir nun fast 6 Monate mit dem iPad verbracht haben, das Update auf iOS 4 durchgeführt haben und auch die nennenswerten Konkurrenten wie das Galaxy Tab oder den Dell Streak im Test hatten, möchten wir hier unsere Langzeit-Erfahrungen teilen.

Dauertesterfahrungen

Das schlichte Design des iPads gefällt auch nach der langen Testperiode noch sehr gut. Meistens befindet sich das iPad bei uns jedoch in einer Schutzhülle, wodurch man die hochwertige Aluminiumoberfläche leider nicht zu spüren bekommt.

Die Verarbeitung des 10” Tablets gab auch während der ganzen Testphase keinen Grund zur Klage. Weder Verwindungen noch Knarrgeräusche zeigten sich während der Paxisnutzung - hervorragend.

Gefallen konnte vor allem der Formfaktor des iPads. Das 10” Display bietet besonders im Vergleich zum 7" Galaxy Tab oder 5" Dell Streak eine angenehme Größe. Dies geht zwar etwas zu Lasten der Mobilität, jedoch sind die Konkurrenzprodukte auch zu groß für die Hosentasche. Beim Surfen auf der Couch oder im Bett überzeugt das Tablet durch die flexible Anwendbarkeit. Traditionelle Notebooks muss man meistens am Schoß betreiben.

iPad versus Dell Streak 5"
iPad versus Dell Streak 5"
iPad versus Samsung Galaxy Tab 7"
iPad versus Samsung Galaxy Tab 7"
iPad versus iPhone 4
iPad versus iPhone 4

Touchscreen

Auch im Hinblick auf die erschienenen Konkurrenten sticht das 10” IPS Panel immer noch hervor. Die sehr gute maximale Helligkeit und die hervorragenden Blickwinkel gefallen im täglichen Einsatz.
Die Glasschicht vor dem Touchscreen ermöglicht zwar eine angenehme Fingerbedienung, spiegelt jedoch in hellen Umgebungen stark. Vorallem im Ausseinsatz ist dies durchaus störend. Die hohe maximale Helligkeit, kann aber in vielen Situationen die Spiegelungen überstrahlen.

Die Präzision des Multitouchbildschirms gepaart mit der guten Anpassung des Betriebssystems überzeugen bei der Bedienung. Einzig die on-screen Tastatur ist prinzipbedingt gegenüber eines echten Keyboards im Nachteil. Kurze Mails lassen sich zwar flott mit ihr erledigen, aber besonders das punktgenaue Positionieren des Cursors ist eine sehr fummelige Angelegenheit. Hier würden virtuelle Cursortasten einen echten Mehrwert darstellen.

Emissionen

Eine Geräuschentwicklung gibt es beim iPad nur aus dem Lautsprecher. Dieser wird leider öfters unbeabsichtigt durch die Hand verdeckt. Durch die geringe Größe ist die Klangentwicklung nicht berauschend, reicht jedoch für Youtube Videos oder Filme.

Die Hitzeentwicklung war im Dauertest kein Thema und fiel uns in keinem Moment negativ auf. Auch eine Abschaltung wegen Überhitzung haben wir nicht feststellen können - wir nutzen das iPad jedoch auch nicht stundenlang in der Sonne.

Die Soundqualität des Kopfhörerausgangs war im Test mit dem AKG GHS1 sehr gut.
Die Soundqualität des Kopfhörerausgangs war im Test mit dem AKG GHS1 sehr gut.
Mit hochohmigen Kopfhörern wie dem AKG K701 Reference ist die Ausgabe zwar deutlich leiser, mit maximalen Einstellungen jedoch ausreichend laut (jedoch mit wenig Spielraum für laute Umgebungen).
Mit hochohmigen Kopfhörern wie dem AKG K701 Reference ist die Ausgabe zwar deutlich leiser, mit maximalen Einstellungen jedoch ausreichend laut (jedoch mit wenig Spielraum für laute Umgebungen).

Der tägliche Einsatz

Das iPad kommt voll und ganz seiner Bestimmung nach - Entertainment. Vor allem Websurfen macht durch die flüssige Fingerbedienung sehr viel Spaß. Auch mit den Tageszeitungs- und Magazin-Apps (obwohl meist überteuert) sowie kleinen Spielen lässt sich Zeit hervorragend totschlagen. Da das iPad noch relativ kurz am Markt ist, überwiegen kurzweilige Minispiele wie Cut the Rope den Appstore. Langsam trudeln aber auch erste Schwergewichte ein, die die Hardware des iPads zu nutzen wissen. Rage HD oder Inifinty Blade zeigen eine beeindruckende Grafik - inhaltlich merkt man jedoch die kurze Enwicklungszeit. Langfristig kann man jedoch auch am iPad inhaltlich wie optisches einiges erwarten. Besonders im Vergleich zu Android scheint das Angebot auch deutlich hochwertiger.

Für den Produktiveinsatz haben wir vor allem einen RSS Reader, das Mail Programm und auch Air Display (als 3. Display am Mac) genutzt. Bei vielen weiteren Business Anwendungsfällen merkt man aber schnell die Grenzen des für Telefone entwickelten Betriebssystems. Selbst die mobilen Browser sind für die Contenterzeugung noch nicht wirklich geeignet. Der mobile Safari unterstützt z.B. (wie die Android Browser) kein “content editable” und kann erst seit kurzem Dokumente in Google Docs bearbeiten. Viele Texteditoren von Contentmanagementsystemen sind dadurch nicht benutzbar und man muss auf auf spezielle Apps hoffen.

Empfehlenswert ist die 3G Version mit UMTS und GPS an Board wie bei unserem Testgerät. Die mobile Datenübertragung funktionierte in unserem Test (mit einer Datenkarte von Drei bzw. von Bob) sehr gut. Ohne Internet erkennt man schnell und schmerzhaft die Optimierung des iPads auf eine beständige online Verbindung. Offline sind viele Anwendungsmöglich stark eingegrenzt und es bleiben nur noch Spiele (auch oft Online basierend!), Musik und Videos.

Der integrierte GPS Sensor konnte im Test ebenfalls überzeugen, wobei der Kompass in Innenräumen nicht sehr genau funktionierte. Ein Nachteil gegenüber Android Tablets und Smartphones ist die fehlende Live-Navigation mit Google Maps. Es lassen sich zwar Routen planen, Ansagen oder Richtungspfeile gibt es jedoch nicht, wodurch man auf professionelle und teure Lösungen aus dem App Store angewiesen ist.

iOS 4

Seit 22. November konnten die iPad Nutzer kostenfrei auf das neue iOS 4.2 umsteigen. Besonders das neue (eingeschränkte) Multitasking und die Folder sind lange herbeigesehnte Features. Auch bei der Kommunikation mit anderen Geräten hat sich Apple mit AirPlay und AirPrint etwas einfallen lassen. Vorallem AirPlay in Kombination mit der Apple TV Box kann überzeugen. Mittels eines einzigen Klicks kann man Fotos, Musik und Videos sofort auf die Heimkinoanlage streamen. Dies funktionierte im Test einwandfrei und ist dank der günstigen Apple TV Hardware empfehlenswert. AirPrint startete jedoch etwas holprig und funktioniert derzeit nur mit wenigen HP Druckern - schade. Insgesamt waren die Neuerungen in 4.2 zwar nicht revolutionär, jedoch verbesserten sie das iPad in einigen Bereichen deutlich.

AirPlay Video Streaming zu Apple TV
AirPlay Video Streaming zu Apple TV
Folder
Folder
Multitasking per Doppelklick auf den Homebutton
Multitasking per Doppelklick auf den Homebutton
Hier findet man auch Rotation, Helligkeit und iPod Steuerelemente
Hier findet man auch Rotation, Helligkeit und iPod Steuerelemente

Leistung

Der Single Core ARM Prozessor (genannt Apple A4) hinterlässt einen performanten Eindruck. Ruckelnde Menüs oder längere Warteizeiten wie bei Android Pendants sind für iOS ein Fremdwort. Einzig der geringe Arbeitsspeicher von 256MB hinterlässt anscheinend beim Surfen seine Spuren. Der mobile Safari lädt Seiten beim Umschalten der Tabs sehr häufig wieder neu. Dies passiert beim iPhone 4 mit 512MB RAM doch deutlich seltener. Als Alternative können wir den Atomic Browser empfehlen, der die Tabs nicht neu lädt.

Akkulaufzeit

Trotz der täglichen Nutzung hat die Akkulaufzeit nur geringfügig nachgelassen. Im Volllasttest lief unser Testgerät (noch mit iOS 3.2) trotz täglicher Nutzung nur etwa 10% kürzer (etwas über 5h). Da man den Akku nicht selbst wechseln kann ist dies ein wichtiger Faktor. Außerdem läuft das iPad nicht, wenn der Akku nicht zumindest wenige Prozent Restladung verspricht. Das heisst bei einer defekten Batterie wird man anscheinend zum Tausch gezwungen und kann das Gerät nicht alleine per Netzteil betreiben.

Fazit

Das iPad konnte auch im längerfristigen Einsatz überzeugen. Die Hardware zeigte keinerlei versteckte Schwächen und gefällt immer noch wie in unserem ursprünglichen Testbericht beschrieben. Mit iOS 4 wurde das iPad, besonders dank Multitasking, noch spürbar verbessert.

Geblieben ist das geschlossene System, welches von Apple kontrolliert wird. Interessante Apps wie der mobile Firefox oder VLC bleiben den Nutzern daher vorenthalten. Im Gegenzug gibt es eine Vielzahl von qualitativ hochwertigen Anwendungen im App Store mit einer einfach funktionierenden Bezahlfunktion. Hier kann Android (noch) nicht mithalten.

Trotzdem bleibt das iPad hauptsächlich ein Consumer Tablet und muss für den Business Einsatz speziell angepasst werden. Mit einem Desktop Betriebssystem kann man iOS deshalb nicht vergleichen.

Im Vergleich zu den späteren Konkurrenten wie Galaxy Tab oder Dell Streak bleibt das iPad, wenn man mit den Beschränkungen zu recht kommt, eindeutig das bessere Tablet.

Braucht der Technik-Fan von heute ein iPad? Eine schwierige Frage, besonders wenn man bereits ein Smartphone besitzt. Missen will man es jedoch nicht mehr, wenn man sich mal eines angeschafft hat...

Apple's iPad - zurecht der Marktführer
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Autor: Klaus Hinum (Update:  6.06.2013)