Notebookcheck

Gebrauchte Notebooks

Kristian Kübeck, Till Schönborn, 27.11.2012

Ein solides, gebrauchtes Notebook kann eine attraktive Alternative zum Kauf eines günstigen Neugerätes darstellen. Worauf man als Kunde achten sollte, welche Stolperfallen lauern und wie man diese am besten erkennt, verrät unser Guide.

Notebooks sind beliebt wie nie zuvor. Erstmals gingen die praktischen Mobilcomputer 2006 öfter über die Ladentheke als ihre klassischen Desktop-Kollegen. Ein hochwertiges Neugerät reißt aber meist ein großes Loch in die Haushaltskasse und ist für viele daher unerschwinglich. Doch es geht auch billiger: Für die meisten täglichen Arbeiten reicht nämlich bereits ein günstiges Gebrauchtgerät aus. Wir geben wertvolle Tipps, die die Suche nach dem passenden Modell erleichtern sollen. Für weitere Hinweise rings um das Thema Notebookkauf wollen wir Ihnen überdies auch unseren Notebook Hardware Guide sowie unsere Allgemeine Notebook Kaufberatung ans Herz legen.

Prozessor

Ein einfacher Pentium Dual-Core oder älterer Core 2 Duo reicht für Officearbeiten vollkommen aus.
Ein einfacher Pentium Dual-Core oder älterer Core 2 Duo reicht für Officearbeiten vollkommen aus.

Der Prozessor ist Dreh- und Angelpunkt eines jeden Computers. Seine Geschwindigkeit alleine gibt im Computer wortwörtlich den Takt an und ist in den meisten Anwendungen ausschlaggebend für die Leistungsfähigkeit des Rechners. Für ein günstiges Gebrauchtgerät, welches lediglich Aufgaben wie das Surfen im Internet oder Officearbeiten mit ansprechender Geschwindigkeit bewältigen soll, reicht bereits ein älterer Core-2-Duo oder Turion-X2-Prozessor mit einer Taktrate ab etwa 2 GHz. Aktuelle Celeron-, Pentium- oder Core-CPUs bieten ebenso wie AMDs A-Series-APUs ohnehin mehr als ausreichende Leistungsreserven für derartige Zwecke.

Aufpassen muss man lediglich bei speziellen (Ultra-) Low-Voltage-Modellen, deren Taktrate und Performance teils deutlich unter normalen Modellen liegt. So verbauen einige Hersteller auch Netbook-CPUs wie den AMD C-50 in großen 15-Zoll-Geräten. Dies ermöglicht zwar eine sehr geringe Leistungsaufnahme und relativ lange Akkulaufzeiten, schränkt die Arbeitsgeschwindigkeit des Systems aber drastisch ein.

Grafikkarte

Auch ein älteres, gebrauchtes Notebook sollte eine Grafikeinheit besitzen, welche zumindest die gängigsten Videocodecs verarbeiten und so den Prozessor bei der Videowiedergabe entlasten kann. Ebenso wie die flüssige Darstellung der Aero-Oberfläche von Windows 7/8 stellt dies jedoch nur einige besonders alte integrierte Grafikchips vor Schwierigkeiten.

Mit einer Intel GMA 4500MHD, einer GeForce-GPU ab der 6000er Serie oder Radeon HD 2xxx (sowie allen Nachfolgemodellen) sollte man dabei prinzipiell auf der sicheren Seite sein. Ausnahme: In einigen Fällen, meist bei älteren ATI-Grafikkarten, lassen sich nur Grafiktreiber vom Notebookhersteller selbst installieren. Stellt dieser kein Update für aktuelle Betriebssysteme zur Verfügung, kann sich der Anwender nur mit Tricks wie umständlichen Treiber-Mods behelfen.

Ob eine bestimmte Grafikkarte für Spiele geeignet ist oder nicht, lässt sich pauschal kaum beantworten - dies hängt vor allem vom Alter und grafischen Anspruch des jeweiligen Titels ab. Generell gilt aber: Modelle von ATI/AMD und Nvidia sind Intel-Chips sowohl aus Performance- als auch Treiber-Sicht vorzuziehen, ebenso wie dedizierte gegenüber integrierten Modellen. Letztere punkten dafür mit einem geringeren Stromverbrauch und eignen sich deshalb besonders für Office-Notebooks.

Arbeitsspeicher und Festplatte

Per SSD lassen sich alte Notebooks oft drastisch beschleunigen.
Per SSD lassen sich alte Notebooks oft drastisch beschleunigen.

Neben dem Prozessor und der Grafikkarte ist auch die Größe des Arbeitsspeichers maßgebend für die Geschwindigkeit eines Notebooks. Der RAM dient dem Prozessor nämlich als schneller Zwischenspeicher für seine Berechnungen. Ist der Speicher zu klein dimensioniert, gerät die Arbeit ins Stocken, ganz gleich wie schnell der Prozessor ist.

Ein modernes Betriebssystem verlangt nach mindestens 1 GByte, in einer 64-Bit-Version besser 2 GByte RAM, um eine einigermaßen akzeptable Arbeitsgeschwindigkeit zu erzielen. Bei vielen Notebooks lässt sich der Hauptspeicher übrigens relativ einfach und preiswert aufrüsten, sodass auch eine größere Bestückung sinnvoll sein kann. Ab etwa 4 GByte ist, je nach den eingesetzten Programmen, auch Multitasking ohne störende Verzögerungen möglich.

Ältere Notebooks verfügen im Regelfall über eine klassische 2,5-Zoll-Festplatte, welche sich oftmals leicht gegen ein größeres Modell oder auch eine SSD austauschen lässt. Letztere macht insbesondere dann Sinn, wenn keine besonders großen Datenmengen gespeichert werden müssen. Kleine SSDs sind mittlerweile schon für unter 50 Euro erhältlich und können Start-, Lade- und Installationszeiten von Betriebssystem und Programmen drastisch verkürzen.

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Schnittstellen

Die wohl wichtigste Schnittstelle eines Notebooks sind die USB-Ports, die sich als universeller Anschluss für fast jede Art von Peripherie etabliert haben. Der in den meisten Fällen ausreichend schnelle USB-2.0-Standard sollte auch von sehr alten Modellen unterstützt werden, die Version 3.0 ist dagegen erst seit dem Jahr 2010 in zunehmendem Maße zu finden.

Neben einer ausreichenden Anzahl von USB-Anschlüssen sollte das Notebook auch über ein integriertes WLAN-Modul verfügen, welches die Funkstandards 802.11b/g/n unterstützt. Bluetooth oder WWAN (UMTS/HSPA/LTE) werden nicht von jedem Anwender benötigt und lassen sich auch unkompliziert per USB-Stick nachrüsten.

Wer plant, einen externen Monitor anzuschließen, sollte auf einen digitalen Displayausgang wie DVI, HDMI oder DisplayPort achten. Der ältere, analoge VGA-Ausgang kann vor allem bei hohen Auflösungen zu einem flimmernden oder unscharfen Bild führen und sollte, falls möglich, gemieden werden.

Akkulaufzeit

Der Akku muss oftmals erneuert werden.
Der Akku muss oftmals erneuert werden.

Die Akkulaufzeit ist ein großes Problem beim Kauf eines Gebrauchtgeräts. Denn wenn der Verkäufer nicht explizit auf einen neuen oder noch jungen Akku hinweist, ist der Energiespender meist im Lauf der Jahre nahezu komplett verschlissen. Im schlimmsten Fall halten entsprechende Notebooks dann im Akkubetrieb noch wenige Minuten durch oder sind ohne externe Stromzufuhr gar nicht mehr benutzbar. Zusätzlich zum eigentlichen Kaufpreis des Notebooks müsste dann noch ein neuer Akku mit ins Budget mit einkalkuliert werden - als Original vom Hersteller kostet dieser oftmals um die 100 Euro. Ein auf den ersten Blick attraktives Notebookangebot entpuppt sich dann schnell als Kostenfalle.

Typische Fallstricke

Auf der Suche nach Gebrauchtgeräten auf Auktionsplattformen gibt es einiges zu beachten, damit man nicht die Katze im Sack kauft. Wichtigstes Kriterium für eine seriöse Auktion sind eine möglichst ausführliche Beschreibung des Zustands des Notebooks und - viel wichtiger noch - aussagekräftige Fotos. Denn ganz gleich wie hoch der Verkäufer sein Notebook lobt, der Zahn der Zeit hat an gebrauchten Notebooks immer seine Spuren hinterlassen.

Neben typischen Kratzern und Abschürfungen sollte man beim Kauf ein besonderes Auge auf das Display werfen. Nicht selten haben die Panels durch falsche Handhabung und im Verlauf der Jahre einige Macken davongetragen. Besonders ärgerlich sind fleckige Verfärbungen und Abstufungen, die sich auf Fotos allerdings schnell identifizieren lassen. Weniger kritisch sind Fingerabdrücke und Staub einzustufen, da sie sich in der Regel schnell und rückstandslos mit etwas Displayreiniger und einem weichen Mikrofasertuch entfernen lassen. Pixelfehler lassen sich auf den Fotos meist nicht erkennen, sind bis zu einem gewissen Grad aber zu verschmerzen.

Häufig werden in Auktionshäusern Notebooks mit einer fremdsprachigen Tastatur angeboten. Hierbei ist Vorsicht geboten. Denn entgegen der Aussage der meisten Verkäufer wandeln Tastaturaufkleber für ein paar Euro diese nicht in ein vollwertiges deutsches Modell um. Vielmehr irritieren diese Aufkleber meist mehr als sie nützen und erschweren die Arbeit mit dem Notebook unnötig. Ein Laptop mit deutscher Tastatur ist daher immer vorzuziehen.

Vorsicht ist ebenso bei Aussagen des Verkäufers wie „die Festplatte macht schleifende Geräusche“ und „der Lüfter rattert“ geboten. Während ersteres auf ein baldiges Ableben des Massenspeichers schließen lässt, kann letzteres auf einen Lagerschaden an einem der Lüfter zurückzuführen sein. Mitunter laufen dadurch einige Komponenten zu heiß und werden schon seit längerem außerhalb der Herstellerspezifikation betrieben. Generell sollten Lüfter und Kühlkörper, falls möglich, nach dem Kauf gründlich von Staub und anderen Ablagerungen befreit werden. Leider ist dies nicht bei jedem Notebook über eine einfach zu öffnende Wartungsklappe möglich; eine Reinigung von außen sollte nur vorsichtig per Druckluft und mit gleichzeitiger Fixierung des Lüfters erfolgen.

Zu guter Letzt ist noch auf die Ausführungen zum Betriebssystem zu achten. Die meisten Notebooks werden zwar ab Werk mit einem Betriebssystem vorinstalliert, nicht selten behält ein privater Verkäufer die Lizenz aber gerne für sich. Fehlt dann eine eigene Lizenz, muss diese beim Einsatz von Microsoft Windows noch zusätzlich erworben werden.

Gebrauchte Notebooks mit Garantie

Wem ein Kauf von privat über das Internet zu riskant ist, der kann alternativ auch gebrauchte Notebooks bei einem gewerblichen Händler erstehen. Vorteil: Der Händler bietet bei Problemen mit dem Notebook die gesetzliche Gewährleistung und weist oftmals deutlicher auf Mängel seiner Geräte hin, als es ein privater Verkäufer tut. Dafür ist das Preisniveau meist etwas höher als in den privaten Auktionen. Einige Händler bieten auch sogenannte Refurbished-Notebooks mit voller Herstellergarantie an, die manchmal kaum von einem spürbar teureren Neugerät zu unterscheiden sind.

Empfehlenswerte Modelle

IBM ThinkPad
IBM ThinkPad

Besonders beliebt sind gebrauchte Notebooks des ehemaligen Brachenprimus IBM, mittlerweile Lenovo. Die ThinkPads haben einen nahezu legendären Ruf inne und stehen für Ergonomie, Komfort und Zuverlässigkeit. Das spiegelt sich allerdings im Preis wieder. Wer etwas weniger Geld ausgeben möchte, findet auch in den Latitude-Modellen von Dell sowie der ProBook- und EliteBook-Baureihe von HP einen zuverlässigen Begleiter.

Von gebrauchten Low-Cost-Geräten, die bereits mehrere Jahre auf dem Buckel haben, sollte man dagegen besser die Finger lassen. Die Gefahr, dass typische Problemstellen wie die Displayscharniere schon nach kurzer Zeit ausfallen, ist hier immens hoch – was in einigen Fällen gleichbedeutend mit einem wirtschaftlichen Totalschaden ist.

Fazit

Wenn man sich beim Kauf eines gebrauchten Notebooks an einige Grundregeln hält, lässt sich schnell ein solides Arbeitgerät für wenig Geld finden. Dennoch sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass selbst Neugeräte namhafter Hersteller schon für deutlich unter 400 Euro in den Preisvergleichen gelistet sind. Ohne Betriebssystem und mit schmaler Speicherausstattung lassen sich weitere rund 100 Euro sparen. In so einem Fall gilt es genau abzuwägen, ob ein womöglich nur marginal günstigeres Gebrauchtnotebook wirklich die bessere Wahl darstellt. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte unbedingt auf eine Händler- oder Herstellergarantie achten.

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Autor: Kristian Kübeck, Till Schönborn, 27.11.2012 (Update: 16.12.2013)