Gebrauchte Notebooks
Notebooks sind beliebt wie nie zuvor. Erstmals gingen die praktischen Mobilcomputer 2006 öfter über die Ladentheke als ihre klassischen Desktop-Kollegen. Ein hochwertiges Neugerät reißt aber meist ein großes Loch in die Haushaltskasse und ist für viele daher unerschwinglich. Doch es geht auch billiger. Für die meisten täglichen Arbeiten reicht nämlich bereits ein günstiges Gebrauchtgerät aus. Wir geben einige Tipps, worauf beim Kauf zu achten ist.
Prozessor
Der Prozessor ist Dreh- und Angelpunkt eines jeden Computers. Seine Geschwindigkeit alleine gibt im Computer wortwörtlich den Takt an und ist ausschlaggebend für die Leistungsfähigkeit des Rechners. Für ein günstiges Gebrauchtgerät stellt Intels Mobile Pentium III oder der leicht verbesserte Nachfolger Mobile Pentium III-M eine gute Wahl dar. Ab einer Taktfrequenz von etwa 700 MHz bieten beide Prozessortypen genügend Leistung für die alltägliche Arbeit mit Officeanwendungen und können problemlos auch MP3-Dateien und Filme abspielen. Dennoch gilt generell je höher die Taktfrequenz, desto höher auch die Leistung – aber auch meist der Preis.
Vorsicht ist bei Billigangeboten mit Prozessoren aus dem Hause VIA und Transmeta geboten. Obwohl diese Chips meist mit deutlich höheren Taktfrequenzen als vergleichbare Pentium-III-Notebooks werben, sind sie meist deutlich langsamer als ein Mobilcomputer mit Intel-Technik. Selbiges gilt auch für Notebooks mit einem vermeintlich moderneren Pentium-IV-Prozessor. Sie sind selbst bei deutlich höherem Prozessortakt nur unwesentlich schneller als Geräte mit einem Pentium-III-Prozessor, erkaufen diesen Vorteil aber mit deutlich kürzerer Akkulaufzeit und einem in der Regel spürbar höheren Betriebsgeräusch.
Arbeitsspeicher und Betriebssystem
Neben dem Prozessor ist auch die Größe des Arbeitsspeichers maßgebend für die Geschwindigkeit eines Notebooks. Das RAM dient dem Prozessor nämlich als ultraschneller Zwischenspeicher für seine Berechnungen. Ist der Speicher zu klein dimensioniert, gerät die Arbeit schnell ins Stocken, ganz gleich wie schnell der Prozessor ist.
Wie viel Arbeitsspeicher ein Notebook braucht, ist maßgeblich vom Betriebssystem abhängig. Für Windows 2000 sind 128 MByte RAM als absolutes Minimum anzusehen, Windows XP läuft erst mit mindestens 256 MByte einigermaßen rund. Optimal sind jedoch jeweils die doppelten Werte. Etwas genügsamer geht Linux mit den Ressourcen um. Speziell auf langsame Computer ausgelegte Distributionen wie Puppy Linux und Xubuntu laufen meist schon mit 128 MByte Arbeitsspeicher sehr gut und bieten eine einsteigerfreundliche, Windows-ähnliche Oberfläche. Dennoch ist eine kurze Einarbeitungszeit beim Umstieg von Windows auf Linux absolut unumgänglich. Noch sparsamer gehen Profidistributionen wie Damn Small Linux mit den Ressourcen um. Hier genügen bereits 64 MByte Arbeitsspeicher für flüssiges Arbeiten und Surfen, der Funktionsumfang des Betriebssystems ist dafür aber stark eingeschränkt und lässt sich ohne weitgehende Linux-Kenntnisse nur schwer erweitern.
Schnittstellen
In den letzten Jahren haben sich bei neuen Notebooks integrierter WLAN-Gerätefunk, mehrere USB2.0-Schnittstellen und mittlerweile auch fast immer ein praktischer Speicherkartenleser zum klassenüblichen Standard gemausert. Älteren Notebooks fehlt es naturgemäß an all diesen Schnittstellen. Zumindest eine WLAN-Karte lässt sich aber meist für wenige Euro unkompliziert über den PCMCIA-Steckplatz nachrüsten. Diesen Erweiterungssteckplatz besitzen fast alle Notebooks. Höchstens einige ganz alte Modelle der Pentium-II-Klasse müssen hier gänzlich passen.
Akkulaufzeit
Die Akkulaufzeit ist ein großes Problem beim Kauf eines Gebrauchtgeräts. Denn wenn der Verkäufer nicht explizit auf einen neuen oder noch jungen Akku hinweist, ist der Energiespender meist im Lauf der Jahre nahezu komplett verschlissen. Mehr als 15 bis im besten Fall 60 Minuten halten entsprechende Notebooks dann nicht mehr ohne externe Stromzufuhr durch. Zusätzlich zum eigentlichen Kaufpreis des Notebooks muss daher fast immer noch ein neuer Akku mit ins Budget mit einkalkuliert werden. Er verhilft einem typischen Pentium-III-Notebook wieder zu rund drei Akkulaufzeit und kostet je nach Modell in den Auktionshäusern zwischen 35 und 70 Euro.
Typische Fallstricke
Auf der Suche nach Gebrauchtgeräten auf Auktionsplattformen gibt es einiges zu beachten, damit man nicht die Katze im Sack kauft. Wichtigstes Kriterium für eine seriöse Auktion sind eine möglichst ausführliche Beschreibung des Zustands des Notebooks und - viel wichtiger noch - aussagekräftige Fotos. Denn ganz gleich wie hoch der Verkäufer sein Notebook lobt, der Zahn der Zeit hat an gebrauchten Notebooks immer seine Spuren hinterlassen.
Neben typischen Kratzern und Abschürfungen sollte man beim Kauf ein besonderes Auge auf das Display werfen. Nicht selten haben die Panels durch falsche Handhabung und im Verlauf der Jahre einige Macken davongetragen. Besonders ärgerlich sind fleckige Verfärbungen und Abstufungen, die sich auf Fotos allerdings schnell identifizieren lassen. Weniger kritisch sind Fingerabdrücke und Staub einzustufen, da sie sich in der Regel schnell und rückstandslos mit etwas Displayreiniger und einem weichen Mikrofasertuch entfernen lassen. Pixelfehler lassen sich auf den Fotos meist nicht erkennen, sind bis zu einem gewissen Grad aber zu verschmerzen.
Häufig werden in Auktionshäusern Notebooks mit einer fremdsprachigen Tastatur angeboten. Hierbei ist Vorsicht geboten. Denn entgegen der Aussage der meisten Verkäufer wandeln Tastaturaufkleber für ein paar Euro diese nicht in ein vollwertiges deutsches Modell um. Vielmehr irritieren diese Aufkleber meist mehr als sie nützen und erschweren die Arbeit mit dem Notebook unnötig. Ein Laptop mit deutscher Tastatur ist daher immer vorzuziehen.
Vorsicht ist ebenso bei Aussagen des Verkäufers wie „die Festplatte macht schleifende Geräusche“ und „der Lüfter rattert“ geboten. Während ersteres auf ein baldiges Ableben des Massenspeichers schließen lässt, kann letzteres auf einen Lagerschaden an einem der Lüfter zurückzuführen sein. Mitunter laufen dadurch einige Komponenten zu heiß und werden schon seit längerem außerhalb der Herstellerspezifikation betrieben.
Zu guter Letzt ist noch auf die Ausführungen zum Betriebssystem zu achten. Die meisten Notebooks werden zwar ab Werk mit einem Betriebssystem vorinstalliert, nicht selten behält ein privater Verkäufer die Lizenz aber gerne für sich. Fehlt dann eine eigene Lizenz, muss diese beim Einsatz von Microsoft Windows noch zusätzlich erworben werden.
Gebrauchte Notebooks mit Garantie
Wem ein Kauf von privat über das Internet zu riskant ist, der kann alternativ auch gebrauchte Notebooks bei einem gewerblichen Händler erstehen. Vorteil: Der Händler bietet bei Problemen mit dem Notebook in der Regel eine einjährige Gewährleistung und weist oftmals deutlicher auf Mängel seiner Geräte hin als es ein privater Verkäufer tut. Dafür ist das Preisniveau meist etwas höher als in den privaten Auktionen. Einige Anlaufstellen für gebrauchte Notebooks sind die Onlineshops Lapstore.de, Lapworld.de, tb-computers.de und recycle-it.de.
Empfehlenswerte Modelle
Besonders beliebt sind gebrauchte Notebooks des ehemaligen Brachenprimus IBM. Die IBM ThinkPads haben einen nahezu legendären Ruf inne und stehen für Ergonomie, Komfort und Zuverlässigkeit. Das spiegelt sich allerdings im Preis wieder. Wer etwas weniger Geld ausgeben möchte, findet auch in den Latitude-Modellen von Dell sowie der Evo- und Armada-Baureihe von HP Compaq einen zuverlässigen Begleiter.
Fazit
Wenn man sich beim Kauf eines gebrauchten Notebooks an einige Grundregeln hält, lässt sich schnell ein solides Arbeitgerät für wenig Geld finden. Dennoch sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass selbst Neugeräte namhafter Hersteller schon für deutlich unter 500 Euro in den Preisvergleichen gelistet sind. Mehr als 300 bis maximal 400 Euro in ein gebrauchtes Gerät inklusive Zubehör wie Akku und Betriebssystemlizenz und eventuelle Erweiterungen zu investieren, lohnt sich aus diesem Grund nur in Ausnahmefällen.





