An dieser Stelle würden wir am liebsten über den eigentlich sehr guten Gaming-Laptop Lenovo Legion Pro 5 16 reden, den wir gerade getestet haben. Darüber, dass er eine der stärksten RTX 5070 Ti beherbergt, die wir bislang in einem 16-Zoll-Gehäuse getestet haben. Oder über seinen brillanten OLED-Bildschirm. Wir würden auch gerne über seine Schwächen wie die nicht mehr ganz modernen Ausstattungsmerkmale reden.
Aber ein Thema fällt zumindest dem Autor in letzter Zeit immer wieder negativ beim Test speziell von Lenovo-Laptops auf: Die Präsentation von Werbung für verschiedene Produkte auf den Laptops. Und zwar ausnahmsweise einmal nicht von Microsoft Windows verursacht, sondern durch die herstellereigenen Softwarelösungen. Diese Softwarelösungen der Hersteller werden nicht nur immer zahlreicher, sondern auch immer mehr zweckentfremdet.
Lenovo ist nicht der einzige Hersteller der so vorgeht, gibt sich teils aber besonders forsch in Sachen Werbung, vorinstallierte Testversionen und zunehmende Eigensoftware. Das Sammeln von Nutzerdaten und die Präsentation von Werbung stellen potentielle Einnahmequellen dar und so braucht es keinen Nostradamus, um zu ahnen, dass andere Hersteller zunehmend nachziehen werden (müssen), sofern dieser Praxis nicht durch offizielle Regeln oder dem Unmut der Nutzer beizeiten einen Riegel vorgeschoben wird. Der AI-Boom ist ein weiterer Faktor, der für zusätzliche, mal mehr mal weniger sinnvolle Eigensoftwarelösungen sorgt.
In den Anfangstagen der Gaming-Laptops wurde die Leistung vor allem durch die Energie- und Performanceeinstellungen im Windows-Betriebssystem geregelt. Dann begannen die Hersteller eigene Software zu basteln, um zusätzliche Leistungsmodi (bspw. Silent, Turbo etc) anbieten zu können. Die Control Center waren geboren und bald als obligatorisch etabliert, wollte man seinen Gaming-Laptop voll ausnutzen. Durch die Verlagerung eigentlich selbstverständlicher Einstellungen in diese Control Center hat man heute kaum noch die Wahl diese nicht zu benutzen.
Gleichzeitig bieten diese Control Center nicht nur den Kunden die Kontrolle über ihre Laptops, sondern auch den Herstellern Kontrolle über ihre Kunden. Wenn jeder Kunde die Software verwenden muss, lässt sich damit prima das Kundenverhalten tracken. Zusätzlich könnte man die Einnahmen steigern, wenn man darüber Werbeplätze anbietet. Derartige Gelegenheiten lassen sich Unternehmen nur schwerlich entgehen.
Bei Lenovo heißen die Control Center Lenovo LegionSpace (Leistungseinstellungen für Gaming-Laptops) und Lenovo Vantage (Support und kleinere Einstellungen). Wer als Nutzer (oder in unserem Fall Tester) aktuell LegionSpace aufruft, um den Leistungsmodus des eigenen Laptops umzustellen, wird im LegionSpace-Home-Screen bei jedem Start mit den neusten Angeboten für Gaming-Titel konfrontiert, ähnlich wie man es bei Steam, Epic Store und Co findet. Nur LegionSpace ist eben kein Marktplatz für Gaming-Titel!
In Vantage wird man mit Eigenwerbung zu Sicherheitslösungen, Garantieerweiterungen und Co belästigt. Auch Umfragen will man uns aufdrücken, als ob Lenovo durch die gesammelten Daten nicht genug Feedback hätte.
Darüber hinaus bietet Lenovo mittlerweile diverse weitere eigene und fremde Softwarelösungen an, die natürlich vorinstalliert sind, darunter eine Testversion von McAfee oder auch Lenovo Now. Beim ersten Einrichten werden Nutzer mit Werbung für Amazon (Music), YouTube, Norton, Fubo und Co bombardiert.
Und wie sieht es mit der Datenerhebung aus? Die Lage ist undurchsichtig, denn Lenovo verweist in einem Link auf die allgemeine Datenschutzerklärung auf der Homepage. Auch eine Suche nach einer Datenschutzerklärung für Lenovo Vantage oder Lenovo LegionSpace fördert nur Lenovo Privacy Statement zutage. Dieses listet quasi alle Daten auf, die irgendwo bei Lenovo gesammelt werden, beispielsweise schon beim Besuch der Webseite. Weil das Dokument so umfassend auf alle Lenovo-Dienste ausgerichtet ist, ist es gleichzeitig unglaublich umfangreich. Für den Normalnutzer ist kaum ersichtlich welche Daten denn nun Lenovo LegionSpace oder Vantage erheben.
Es mag Nutzer geben, die sich nicht daran stören. Aber ich bin mir sicher: Wenn Nutzer die Wahl haben, so würden sie lieber auf Datensammelei und Werbung verzichten. Dies machen einem die Laptop-Hersteller derzeit immer schwerer. Zu hoffen ist, dass sich die Kunden irgendwann gegen zu sehr Überhand nehmende Werbung und Datensammelei wehren und im Zweifelsfall lieber Alternativprodukte kaufen, die sie nicht dermaßen mit Bloatware belästigen. Ich fürchte indes, dass herstellereigene KI-Software, KI-Agenten etc. mittelfristig zu einer noch unsicheren Datenlage führen werden.
Für mich persönlich hat Lenovo bereits jetzt diesen Punkt überschritten. Auch wenn die Laptops durchaus gut sind, werde ich mich bei einem persönlichen Kauf eher nach Alternativen umsehen und Bekannten das Gleiche empfehlen, zumindest so lange bis Lenovo und andere Hersteller bei ihren Marketingambitionen wieder auf die Bremse treten und den Servicegedanken wieder mehr auf den Kunden konzentrieren als auf zusätzliche Einnahmen ohne Rücksicht auf die Nutzer.































