Denuvo will Discord, Reddit und Steam per Gericht zur Herausgabe von Daten über berüchtigten Cracker zwingen

Denuvo ist fest entschlossen, den berüchtigten Spiele-Cracker „voices38“ aus dem Verkehr zu ziehen, und scheut dabei offenbar keine Mühen. Der Cracker hat Denuvos DRM-Schutz bei mehreren Spielen umgangen und ist dem Unternehmen damit schon länger ein Dorn im Auge. Da Denuvos DRM-Schutz als einer der sichersten seiner Art gelten soll, unterstützt eine anonyme Person, die ihn innerhalb eines Monats nach Veröffentlichung eines Spiels umgehen kann, nicht gerade den Eindruck eines unüberwindbaren Schutzes vor Raubkopien.
Denuvos erster Schritt
Mitte September reichte Denuvo beim US-Bezirksgericht für den Northern District of California eine Klage wegen Umgehung technischer Schutzmaßnahmen nach dem DMCA gegen voices38 ein. Das Unternehmen wirft dem Cracker vor, den Schutz von 26 Spielen umgangen zu haben, darunter große Titel wie Black Myth: Wukong und Hogwarts Legacy. Denuvo forderte außerdem, voices38 dauerhaft von weiteren derartigen Aktivitäten abzuhalten.
Da voices38 große Anstrengungen unternommen hat, anonym zu bleiben, kennt Denuvo die Identität der verklagten Person nicht. Denuvo hat jedoch Informationen gesammelt und sieben Steam-Profile, den offiziellen Reddit-Account von voices38 sowie einen Discord-Account identifiziert, die nach Ansicht des Unternehmens möglicherweise mit dem Spiele-Cracker in Verbindung stehen. Wie aus einem neuen Gerichtsantrag hervorgeht, hat Denuvo das Gericht nun darum gebeten, Vorladungen gegen diese Plattformen zu genehmigen, um voices38 zu identifizieren.
Denuvos Forderungen
In Denuvos Antrag auf die Vorladungen heißt es: „Denuvo bittet das Gericht um die Erlaubnis, in begrenztem Umfang Informationen von Discord, Inc., Valve Corporation und Reddit, Inc. einzuholen, ausschließlich um die wahre Identität des Beklagten festzustellen.“
In einer weiteren Erklärung gibt Denuvo an, die Plattformen bereits vor dem Antrag auf eine gerichtliche Vorladung kontaktiert zu haben. Erst nachdem alle die Herausgabe von Informationen abgelehnt hatten, habe man sich zu diesem Schritt entschlossen. Valve und Reddit erklärten, dass ihre Datenschutzrichtlinien es ihnen ohne entsprechende rechtliche Grundlage untersagten, Nutzerdaten weiterzugeben. Discord hat hingegen bislang nicht geantwortet.
In seinem Antrag legt Denuvo außerdem dar, welche Informationen das Unternehmen von den Plattformen erhalten möchte. Von Steam verlangt Denuvo umfangreiche Daten zu den sieben genannten Steam-Accounts: Registrierungsdaten, Namen, Rechnungsadressen, Zahlungsmethoden, Transaktionsverläufe, verknüpfte Accounts sowie IP-Adressen inklusive Zeitstempeln und Gerätekennungen.
Von Discord verlangt Denuvo Nutzerdaten sowie eine Liste der Server, denen der Account angehört, einschließlich der jeweiligen Rollen auf diesen Servern. Reddit wurde aufgefordert, vollständige Daten zum Account von voices38 bereitzustellen: sämtliche Kommentare und Beiträge sowie alle Subreddits, denen der Account angehört.
Mögliche Spur über Kryptowährungen?
Aus dem Antrag geht außerdem hervor, dass Denuvo eine Spur von Kryptowährungstransaktionen untersucht, die nach Angaben des Unternehmens mit voices38 in Verbindung steht. Denuvo behauptet, von voices38 durchgeführte Transaktionen mit Bitcoin, Ethereum und Solana auf der Kryptobörse FixedFloat entdeckt zu haben. Interessanterweise legt Denuvo nicht offen, wie das Unternehmen zu dieser Schlussfolgerung gelangt ist oder ob diese Transaktionen Informationen enthalten, die Rückschlüsse auf die Identität des Crackers zulassen. Denuvo hat das Gericht zudem nicht um die Erlaubnis gebeten, FixedFloat vorzuladen, und erklärt auch nicht, weshalb darauf verzichtet wurde.
Reaktion von voices38
Voices38 hatte bereits nach Einreichung der ursprünglichen Klage im September folgende Erklärung abgegeben: „Alles ist in Ordnung. Alles wird wie gewohnt weitergehen.“ Man kann daher davon ausgehen, dass der Cracker derzeit nicht die Absicht hat, seine Aktivitäten einzustellen. Seitdem war voices38 allerdings inaktiv. Ob dies mit der Klage zusammenhängt, ist unklar.
Eine Veränderung seit der ursprünglichen Klage ist die Auflösung der als „DenuvOwO“ bekannten Gruppe und die Einstellung ihrer Aktivitäten. Die Gruppe stellte Hypervisor-Bypasses für Denuvo-Spiele bereit und erzielte erhebliche Fortschritte dabei, diese benutzerfreundlich und sicher nutzbar zu machen. Die meisten davon waren auch unter Linux verfügbar. Da diese Hypervisor-Bypasses Denuvo-Spiele bereits am Erscheinungstag ins Visier nehmen konnten – ein entscheidender Faktor dafür, ob die DRM-Software für Unternehmen der Spielebranche attraktiv bleibt –, dürfte Denuvo seinen Erfolg durchaus feiern, selbst wenn dieser im besten Fall nur von kurzer Dauer sein könnte.













