Notebookcheck

Ausprobiert: TicWatch Pro 4G/LTE von Mobvoi im Test

Auch die neue TicWatch Pro 4G/LTE bevorzugt das klassische Uhrendesign, diesmal allerdings ohne Lederarmband.
Auch die neue TicWatch Pro 4G/LTE bevorzugt das klassische Uhrendesign, diesmal allerdings ohne Lederarmband.
Mobvoi hat nun auch in Deutschland die 4G/LTE-Variante der TicWatch Pro veröffentlicht. Mittels eSIM ist die Smartwatch auch ohne Handy mit dem Mobilnetz verbunden, Nachrichten und Anrufe können somit direkt über die Uhr getätigt werden. Wir haben diesen smarten Zeitmesser einem kurzen Test unterzogen.

Nach der TicWatch Pro hat Mobvoi vor rund einem Monat nun auch eine 4G/LTE-Variante dieser Smartwatch-Serie auf den deutschen Markt gebracht. Mobvoi ist ein chinesisches Unternehmen, marktführend im Bereich Künstliche Intelligenz, hat allerdings bereits 2015 die erste TicWatch veröffentlicht. Sie wurde in den ersten sechs Monaten über 100.000 Mal verkauft.

Nun bringt Mobvoi mit der TicWatch Pro 4G/LTE eine Smartwatch mit eSIM-Funktionalität heraus, bei der ein Empfang von Nachrichten auch dann möglich ist, wenn sich das Handy mal nicht in der Nähe befindet. Derzeit kommt allerdings nur Vodafone als Netzanbieter in Frage, hier muss die sogenannte Multi-SIM-Option um 5 Euro pro Monat zu einem bestehenden Mobilfunkvertrag hinzu genommen werden. Wir haben von Mobvoi ein Testexemplar der TicWatch Pro 4G/LTE erhalten, das wir kurz antesten durften. 

Großes Gehäuse, hochwertiger Eindruck

Das schwarze Gehäuse aus Polyamid und Glasfaser mit einer nicht drehbaren Edelstahl-Lünette macht einen sehr hochwertigen Eindruck und ist mit IP68+ als staub- und wasserfest eingestuft. Das 1,39” große AMOLED-Display besitzt eine Auflösung von 400 x 400 Pixel, als Zweitdisplay kommt ein extrem stromsparendes FSTN LCD zum Einsatz - mehr dazu später. Für das Uhrenglas greift Mobvoi hier auf Gorilla Glas 3 zurück. Die Uhr ist übrigens nach dem Militärstandard 810G klassifiziert, das bedeutet sie widersteht Temperaturschwankungen zwischen -30 °C bis 70 °C, hält 57 kPa Druck aus, sowie 95% Luftfeuchtigkeit, Salznebel, Schock, Sand und Staub.

Die TicWatch Pro 4G/LTE ist nach IP68+ und dem Militärstandard 810G klassifiziert
Die TicWatch Pro 4G/LTE ist nach IP68+ und dem Militärstandard 810G klassifiziert

Auf der Rückseite ist der grün leuchtende Sensor für die Herzfrequenz-Messung zu finden. Das runde Gehäuse besitzt die Maße von 45,15 x 52,8 Millimeter und ist 12,6 Millimeter hoch. Im Vergleich mit der großen rechteckigen Apple Watch Series 5 mit 44 x 38 Millimeter und 10,7 Millimeter Höhe, fällt die TicWatch Pro doch eher in die Sparte “klobig”, aber gerade noch im Rahmen des Tragekomforts für normale Handgelenke. Im Vergleich zu der normalen TicWatch Pro ohne 4G/LTE vermissen wir hier bei diesem Modell leider die Option mit Lederarmband, das Silikonband mit 22 Millimeter Breite lässt sich aber Dank spezieller Quick-Release-Federstege problemlos ohne spezielles Uhrenwerkzeug austauschen. 

Als Herzstück der TicWatch Pro 4G/LTE kommt ein Qualcomm Snapdragon Wear 2100 und 1GB Speicher zum Einsatz, immerhin hat sich der Speicher zur normalen TicWatch Pro vergrößert. Mittlerweile sind vor allem seit 2019 zwar bereits mehr Smartwatches mit Qualcomm Snapdragon Wear 3100, dessen Hauptaugenmerk auf reduziertem Stromverbrauch großteils durch die Hilfe von diversen Power-Saving-Modi liegt, am Markt, doch Mobvoi hat sich genau mit diesem Thema sehr intensiv auseinandergesetzt. Der Träger einer TicWatch Pro braucht sich keine Sorgen um die Akkulaufzeit machen, wie wir nachher noch berichten werden.

4G/LTE ist mit an Bord

Für die erste Inbetriebnahme der eSIM für die Ticwatch Pro muss die Mobvoi-App am Smartphone installiert werden, mit der dann der QR-Code am Vodafone-Willkommensschreiben gescannt wird. Damit wird die eSIM in der TicWatch Pro, auf der Googles Wear OS läuft, aber auch mit Apples iPhones kompatibel sein soll, registriert und aktiviert, und die Uhr kann sich direkt mit dem Mobilfunknetz verbinden. Dies ermöglicht neben dem direkten Empfangen von Nachrichten auch das echte Telefonieren über die Uhr mittels Mikrofon und eingebautem Lautsprecher.

Jedoch sind 3G und 4G LTE nicht die einzige Möglichkeit, um online zu gehen. Wenn sich das Smartphone in Bluetooth-Reichweite befindet, dann wird diese Funkverbindung bevorzugt verwendet. Die Smartwatch unterstützt dabei Bluetooth v4.2 + BLE. Auch eine WLAN-Verbindung (WiFi 802.11 b/g/n) kann auf der Uhr eingerichtet werden. 

Gute Akkulaufzeiten durch mehrschichtiges Display

Selbstverständlich wirkt sich die Art der Verbindung auch auf die Akkulaufzeit des 415 mAh großen Akkus aus. In unserem Praxistest kamen wir mit der reinen Bluetooth-Verbindung zum Handy am weitesten. Hier hielt die Uhr ganze zwei Tage lang durch, ohne zwischenzeitliches Aufladen in der Nacht. Wurde die Bluetooth-Verbindung deaktiviert und war man nur über das Mobilfunknetz online, musste die Uhr auf jeden Fall in der Nacht in die Ladestation. Obwohl Mobvoi sich für den Snapdragon Wear 2100 Chip, statt dem aktuellen Snapdragon Wear 3100 entschied, hat sich der Hersteller Gedanken darüber gemacht, wie die Uhr auch im Alltag problemlos zumindest einen ganzen Tag durchhält. 

Das mehrschichtige Display: AMOLED und FSTN-LCD
Das mehrschichtige Display: AMOLED und FSTN-LCD

Dafür kommt ein mehrschichtiges Display zum Einsatz, nämlich das farbige AMOLED-Display für den aktiven Gebrauch und das monochrome FSTN-LCD für das Always-On-Display, welches nur die notwendigsten Informationen wie die Uhrzeit, Datum, Herzfrequenz, Schrittzähler und Akkustand jederzeit und leicht lesbar mit Digitalziffern, ähnlich wie bei einer alten Casio-Uhr, anzeigt. Das LCD ist derart stromsparend, dass der Hersteller eine Laufzeit von 30 Tagen für diese Zweitanzeige angibt. Der kombinierte Einsatz beider Displays resultiert in einem deutlich optimierten Stromverbrauch.

Intelligenter Fitness-Modus

Das Betriebssystem Wear OS by Google ermöglicht neben der Nutzung von zahlreichen Smartwatch-Apps auf Google Play auch die Auswahl aus einer Menge an verschiedenen Ziffernblättern und unterstützt Google Assistant. Die Uhr verfügt über PPG-Herzfrequenzsensor, Beschleunigungssensor, Gyroskop, E-Kompass, Umgebungslichtsensor und einen Off-Body-Sensor mit niedriger Latenzzeit. Sie kommt mit der NFC-Technologie, wodurch kontaktlose Zahlungen über Google Pay durchgeführt werden können. Vorinstalliert sind bereits eigene Fitness-Apps von Mobvoi, zusätzlich kann auch auf die Google-Fit-Apps und selbstverständlich auf den Google Play Store zugegriffen werden.

Eine breite Palette an Ziffernblättern ...
Eine breite Palette an Ziffernblättern ...
... steht zur Auswahl.
... steht zur Auswahl.
Screenshot der Pulskurve am Uhren-Display
Screenshot der Pulskurve am Uhren-Display

Bei unserem Test blieb der Herzfrequenz-Messer 24 Stunden lang im Betrieb, auch über Nacht. Die Puls-Kurve wird sowohl auf der Uhr angezeigt und gespeichert, als auch, sobald das Handy in der Nähe war, zur Mobvoi-App übertragen. Dort können die Aufzeichnungen, wie Herzfrequenz eines ganzen Tages, Schrittzähler und Kalorienverbrauch dann im Detail begutachtet werden. Aufgrund der Bewegungen des Users kann die Uhr auch bei den Pulsmessungen einschätzen, ob gerade Hochleistungssport, ein entspannendes Auslaufen oder Bürotätigkeit betrieben wird.

Dementsprechend gibts dann eine Aufschlüsselung, über welchen Zeitraum man in welchem Aktivitäts-Modus unterwegs war.

Der gesamte Tagesverlauf wird im Health Center der Mobvoi-App angezeigt.
Der gesamte Tagesverlauf wird im Health Center der Mobvoi-App angezeigt.
Bis zu fünf Tiles können für den Schnellzugriff definiert werden.
Bis zu fünf Tiles können für den Schnellzugriff definiert werden.

Fazit

TicWatch Pro 4G/LTE macht einen ordentlichen Eindruck
TicWatch Pro 4G/LTE macht einen ordentlichen Eindruck

Im Test klappte sowohl die 24-Stunden-Messung der Herzfrequenz sehr gut, auch hielt der Akku im 4G/LTE-Modus wirklich den vollen Tag durch, im Bluetooth-Betrieb ohne 4G sogar zwei Tage. Die magnetische Ladestation lässt die Uhr einschnappen und über die Kontakte an der Rückseite aufladen. Weiters hat uns die Verarbeitungsqualität zugesagt, sie ist äußerst hochwertig und auch das mitgelieferte weiche Silikonarmband ist angenehm zu tragen. Die Idee mit dem mehrschichtigen Display und den zwei unterschiedlichen Anzeigemodi trägt sehr dazu bei, dass auch nach einem sehr aktiven Tag zumindest die Uhrzeit noch monochrom angezeigt wird. Im “Ruhezustand” befindet sich die TicWatch ebenfalls im stromsparenden Modus und wird erst durch das Drehen des Handgelenks zum Gesicht “geweckt”. Dies klappte ab und zu etwas verzögert, was ein wenig störend war. 

Magnetische Ladestation
Magnetische Ladestation

Unterschiede zwischen der TicWatch Pro 4G/LTE und der normalen TicWatch Pro ohne eSIM-Funktionalität fallen gering aus. In beiden werkelt der Qualcomm Snapdragon Wear 2100, aber das neuere Modell besitzt jetzt immerhin 1GB, statt 512 MB RAM. Da uns zum Test nur die 4G/LTE-Variante vorgelegen ist, können wir keinen direkten Vergleich machen, aber Userberichten zufolge reagiert die einfache TicWatch Pro etwas langsamer, als die TicWatch Pro 4G/LTE.  

Die 4G/LTE-Version der TicWatch Pro ist derzeit um rund 300 Euro zu haben, auf Amazon findet man diese derzeit aber nur auf der internationalen Amazon.com-Seite. Die normale TicWatch Pro ohne eSIM wird hingegen auch auf Amazon.de um 235 Euro angeboten.

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Autor: Daniel Puschina,  1.01.2020 (Update: 30.01.2020)
Daniel Puschina
Daniel Puschina - Editor
Ich bin die Generation, die in den 90er Jahren auf einem 386er mit der 20MHz Turbotaste die ersten Computer-Erfahrungen gesammelt hat. Es war eine Gratwanderung zwischen der Leistungsgrenze meines Rechners und dem knappen Taschengeld, umso größer war aber dadurch die Motivation, das letzte Stück Leistung hier noch rauszuholen. Das Herauskitzeln eines einzelnen Kilobytes in der config.sys Datei war bei 2MB RAM absolut bestimmend über „Spiel startet“ oder „Spiel startet nicht“. Ab diesem Zeitpunkt habe ich auch damit begonnen, mich hardwareseitig immer eingehender mit Benchmarktests, Leistungsvergleiche und Tuning der Komponenten zu beschäftigen, was mich in den letzten Jahren zum Dauerbesucher der Notebookcheck-Seite machte. Es ist mir somit eine große Freude, hier nun selbst aktiv für diese Seite schreiben und testen zu können.