Microsoft macht weitere bekannte Xbox-Entwicklerstudios dicht

Microsoft beziehungsweise die Xbox-Sparte soll sich darauf vorbereiten, mindestens drei seiner bekanntesten Spielestudios zu schließen oder zu verkaufen. Laut The Verge und Bloomberg sollen Ninja Theory, Double Fine und Compulsion Games bald geschlossen werden, während das Unternehmen eine umfassende Restrukturierung seiner Gaming-Sparte vorantreibt.
Die tiefgreifenden Einschnitte sind Teil eines größeren Neustarts für Xbox unter der neu ernannten Chefin Asha Sharma, die Anfang dieses Jahres die Nachfolge von Phil Spencer übernommen hat. Die daraus resultierenden internen Umbrüche haben die Zukunft mehrerer beliebter Entwicklerstudios ungewiss gemacht.
Ninja Theory, das britische Studio hinter der Hellblade-Reihe, soll am Montag darüber informiert worden sein, dass es geschlossen wird. Das Team sucht nun nach einem Käufer, um den Betrieb fortsetzen zu können. Das ist besonders überraschend, da das Studio erst vor einer Woche beim Xbox Summer Game Fest Showcase ein neues Senua-Spiel für 2027 angeteasert hat.
Auch Double Fine gibt nicht kampflos auf. Das im Jahr 2000 von Tim Schafer gegründete Team hinter Psychonauts und Broken Age versucht, sich von Microsoft zurückzukaufen, um wieder unabhängig entwickeln zu können. Compulsion Games, das in Montreal ansässige Studio hinter We Happy Few und dem jüngst erschienenen South of Midnight, verhandelt offensiv über eine ähnliche Ausgliederung, um eine vollständige Schließung zu vermeiden.
Laut Bloomberg sind diese drei Studios nicht allein. Mehrere weitere Teams innerhalb des Xbox Game Studios-Netzwerks versuchen im Stillen, ihre Zukunft abzusichern, und gelten weiterhin als stark gefährdet.
Die Schließungen gehen auf einen harten 100-Tage-Reset zurück, den Sharma eingeleitet hat. In einem Memo an die Mitarbeiter von Mitte Juni haben Sharma und Xbox-Content-Chef Matt Booty eingeräumt, dass das Studiosystem zu groß geworden ist, um noch effektiv verwaltet zu werden. Microsoft hat in den vergangenen fünf Jahren mehr als 20 Milliarden US-Dollar in die Xbox-Sparte investiert, die gigantische Übernahme von Activision Blizzard King für 69 Milliarden US-Dollar nicht eingerechnet. Dennoch sind die Jahresumsätze um rund 500 Millionen US-Dollar gesunken.
Um das zu ändern, rückt Xbox von kleineren Prestige-Spielen ab und konzentriert sich stärker auf bewährte, hochprofitable Marken wie Halo, Gears of War und Fallout. Die Studiokürzungen führen auch zu größeren Veränderungen in der Führungsebene. Craig Duncan, der im Oktober 2024 nach seiner Zeit an der Spitze von Rare die Leitung der Xbox Game Studios übernommen hat, ist am Montag zusammen mit seiner Stabschefin Louise O'Connor zurückgetreten.
Microsoft hat diese große Einkaufstour bereits 2018 begonnen, als das Unternehmen Ninja Theory und Compulsion Games übernommen hat. Später ist Double Fine hinzugekommen, bevor die riesigen Deals mit ZeniMax und Activision gefolgt sind. Nach mehreren Jahren mit umfangreichen Entlassungen in Folge scheint Microsoft nun das massive Studioimperium wieder abzubauen, für dessen Aufbau Milliarden ausgegeben worden sind. Da das Geschäftsjahr des Unternehmens im Juli endet, bleibt den Mitarbeitern der übrigen Xbox-Studios vorerst nur abzuwarten, was als Nächstes passiert.













