
Wie klingt ein 1.700-Dollar-Kopfhörer? Der Audeze MM-520 mit Planar-Magnet-Technik im Praxistest
Hören neu gelernt.
Kopfhörer habe ich schon einige getestet, aber ich wollte wissen, wie sich im Vergleich dazu ein "richtig teurer" Kopfhörer anfühlt. Hört man die Unterschiede auch ohne ein absoluter Klangexperte zu sein? Ich probiere es mit den neuen Audeeze MM-520 für 1.700 US-Dollar aus!Christian Hintze Veröffentlicht am 🇺🇸
Testfazit - Absolute Präzision statt Bass-Punch
Die Audeze MM-520 sind nicht für jeden. Sie sind auf einen sehr linearen Frequenzgang abgestimmt, vor allem Stimmen klingen unglaublich natürlich. Aber auch in hohen und tiefen Tonlagen überzeugen die Premium-Kopfhörer mit unglaublich viel Klarheit und Klangbreite, weniger Kompression, besserer Trennung und Verortung der Audioquellen und einer generell größer anmutenden Bühne.
Ein höherer Preis verpflichtet aber nicht dazu, den teureren Kopfhörer automatisch besser zu finden. Was der Toningenieur liebt, kann beim Konsumenten in der Praxis zu (anfänglicher) Enttäuschung führen. Der Bass ist trocken, analytisch und bis in tiefe Frequenzen gut unterscheidbar, ihm geht aber der Punch und Wumms ab, den man sich oft für eine spaßige Hörerfahrung wünscht.
Nach meinem Hörtest glaube ich nun zu wissen, wofür man den hohen Aufpreis gegenüber "normalen" Consumer-Kopfhörern zahlt. Mit der richtigen Kette aus Hard-, Software und Audiomaterial kann man tatsächlich dezente Unterschiede deutlich hören - auch wenn es etwas paradox klingt. In Alltagssituationen könnten diese Unterschiede allerdings untergehen, weshalb weniger neutrale Kopfhörer in vielen Situationen ihre Berechtigung für mehr Hörspaß haben. Die Audeeze MM-520 sind aber ideal für den ruhigen Hörgenuß zu Hause, das besondere Eintauchen in eine Welt des klaren Hörens.
Pro
Contra
Preis und Verfügbarkeit
Direkt auf der Produktseite von Audeeze kostet der MM-520 $1.699. Im Amazon-Shop ist bislang nur der normale MM-500 für 1.923,90 Euro erhältlich.
Audeeze ist ein Audiohersteller aus den USA, der 2023 von Sony übernommen wurde. Dennoch arbeitet der Hersteller auch weiterhin an hochwertigen Kopfhörern.
Mit dem kabel-gebundenen MM-520 hat Audeeze einen Premium-Studiokopfhörer für Aufnahmen und das Abmischen im Angebot, der mit seiner Planar-Magnet-Technologie einiges besonders macht. Wir hören uns in das 1.700 Dollar-Audiogerät hinein.
Bei dem Preis kann man zurecht eine tadellose Verarbeitung erwarten und hier enttäuschen die MM-520 nicht:
Die Premium-Headphones kommen in einem stylischen Koffer, magnetisch befestigte Ohrpolster lassen diese leicht abnehmen und austauschen, Metall an vielen Stellen und hochwertige Steckverbindungen zum Kabel vermitteln einen insgesamt hochwertigen Eindruck.
Das hat aber auch zur Folge, dass die MM-520 relativ schwer wirken (555 g). Durch den Lederriemen unterhalb des Metallbügels und die weichen Ohrpolster ist der Tragekomfort dennoch sehr gut.
Zubehör
Specifications - Planar-Magnet-Treiber und 5 Hz bis 50 kHz
Statt dynamischer Treiber verbaut Audeze Planar-Magnetic-Treiber (Magnetostaten). Diese Treiber sind aufwendiger zu fertigen, sie nutzen eine extrem dünne Membran mit Leiterbahnen, die zwischen starken Magneten schwingt. Das ermöglicht sehr geringe Verzerrungen und eine hohe Detailauflösung.
Der Frequenzbereich ist mit 5 Hz - 50 kHz angegeben, was extrem breit angelegt ist. Der hörbare Bereich des Menschen liegt grob bei 20 Hz – 20 kHz.
Allerdings lässt der Frequenzbereich alleine nur eine eingeschränkte Aussage über die Audioqualität zu. Wichtiger ist die Frequenzgang-Kurve. Consumer-Kopfhörer weisen hier oftmals einen "spaßigeren" Sound vor, vor allem die Bässe sind angehoben und werden somit betont, die Mitten sind oftmals leicht abgesenkt.
Beim Mixing mit Studiokopfhörern möchte man eher ein neutrales, natürliches Klangbild über alle Frequenzen, um bei der Komposition alles best-möglich und genau abstimmen zu können.
Gleichzeitig sind die MM-520 bei einem Impedanz von nur 18 Ohm theoretisch recht leicht zu betreiben, dazu unten mehr.

| Stil | Over-Ear, offen |
| Treibertyp | Planar-Magnetisch |
| Treibergröße | 90 mm |
| Impedanz | 18 Ohm |
| Frequenzgang | 5 Hz - 50 kHz |
| Gesamtklirrfaktor | < 0,1 % (bei 100 dB SPL, 1 kHz) |
| maximaler Schalldruckpegel | 130 dB SPL |
| Gewicht | 555 g |
| Preis | $1.700 |
Klangtest - Audeze MM-520 gegen Beyerdynamic DT 770 Pro
Wer die MM-520 wie "normale" Consumer-Kopfhörer füttert, wird zunächst enttäuscht sein. Denn im ersten Hörtest wirken die MM-520 enttäuschend unspektakulär. Denn für komprimierte Songs von Spotify, YouTube und Co. sind sie nicht gebaut.
Testsystem
Dabei ist der Kopfhörer nur ein Glied in der Kette von Faktoren, die für einen Hi-Fi-Hörgenuß sorgen: Es braucht ein gutes Abspielgerät und möglichst verlustfreies Audio als Quelle, das dann auch noch gut abgemischt ist.
Laut Recherche ist der Kopfhörerausgang eines AV Receivers überraschenderweise weniger hochwertig (meist kein dedizierter High-End-Kopfhörerverstärker, meist nur über Widerstände aus Lautsprecherverstärkerstufe abgeleitet) als der eines guten Laptops (Realtek High-End Codecs mit integriertem Kopfhörerverstärker). Auf Empfehlung nutze ich daher das Razer Blade 16 (2025) als Grundlage. Darauf lasse ich Spotify Premium laufen und aktiviere die Lossless-Qualitätseinstellungen.
Als Vergleich nutze ich meine Beyerdynamic DT770 Pro in der mobilen 32-Ohm-Variante, ebenfalls gute Kopfhörer und teils fürs Monitoring verwendet, aber deutlich preiswerter.
Hörproben
Mit der richtigen Abspielhardware, gut produzierten Studioaufnahmen mit wenig Dynamikkompression in einem möglichst verlustfreien Audioformat (z.B. flac) kommen die Stärken der teuren Hardware zum Vorschein. Dann zeigt sich der unglaubliche Dynamikumfang und die klare Wiedergabe in jedem Frequnzbereich.
Jetzt kann man diverse Instrumente und deren Position deutlich stärker getrennt voneinander wahrnehmen, wenn man die Aufmerksamkeit darauf legt, die Natürlichkeit von Stimmen lässt sich besser erkennen, genauso wie die Bassstruktur statt dessen Betonung und Menge, als Konsequenz. Auch bei höheren Lautstärken verschwimmt nichts.
Hörfazit
Es ist erstaunlich wie klar die Audeze klingen ohne zu scharf zu werden, die Präzision ist den ebenfalls guten DT770Pro insgesamt noch deutlich voraus. Insgesamt hören sich die MM-520 deutlich klarer und musikalisch beeindruckender an. Der Sound wirkt weniger verdichtet, sondern weiter, entwickelt subjektiv eine größere Bühne.
Transparenz
Die Auswahl der zu testenden Geräte erfolgt innerhalb der Redaktion. Das vorliegende Testmuster wurde dem Autor vom Hersteller unentgeltlich zu Testzwecken überlassen. Eine Einflussnahme auf den Testbericht gab es nicht, der Hersteller erhielt keine Version des Reviews vor der Veröffentlichung. Es bestand keine Verpflichtung zur Publikation. Als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen unterliegt Notebookcheck keiner Diktion von Herstellern, Shops und Verlagen.




















