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Anwälte: US-Schlag gegen Huawei weniger schlimm als befürchtet. Mate 40 weiterhin mit 5 nm-SoC von TSMC

Das Huawei Mate 40 soll weiterhin mit 5 nm-Kirin 1000 beziehungsweise Kirin 1200-SoC aus den TSMC-Fabriken starten.
Das Huawei Mate 40 soll weiterhin mit 5 nm-Kirin 1000 beziehungsweise Kirin 1200-SoC aus den TSMC-Fabriken starten.
Trotz verschärfter US-Bestimmungen soll die Mate 40-Serie im Herbst, wie geplant, mit 5 nm Kirin-Chipsätzen aus den TSMC-Fabriken starten. Unterdessen bewerten Export-Anwälte die jüngsten Verschärfungen des US-Handelsministeriums gegen Huawei als weniger schwerwiegend als anfangs vermutet, betreffen allerdings auch die gern als Alternative ins Spiel gebrachte chinesische SMIC.
Alexander Fagot,

Es ist eine Achterbahnfahrt für Huawei und alle, die derzeit vom Handelskrieg zwischen den USA und China direkt oder indirekt betroffen sind. Die seit etwa einem Jahr bestehenden und zuletzt um mindestens ein weiteres Jahr verlängerten US-Sanktionen gegen Huawei wurden ja vor einigen Tagen vom US-Handelsministerium durch eine Ausweitung auf internationale Konzerne verschärft, die insbesondere die Taiwanesische Chipschmiede TSMC betrifft, da sie derzeit die meisten der aktuellen Kirin-Chips für Huawei fertigt.

Zuletzt wurde zudem kolportiert, dass TSMC keine neuen Aufträge mehr von Huawei entgegen nimmt und dass Huawei beziehungsweise die Tochter Honor möglicherweise vorübergehend auf die Dimensity-Chipsätze von MediaTek ausweichen wollen, heute liegen dagegen Hinweise vor, dass die Mate 40-Serie im Herbst offenbar noch recht ungeschoren davon kommt. Ganz eindeutig lesen sich diese Berichte allerdings nicht.

Da wird einerseits vom Kirin 1000 (siehe Tweet unten), andererseits vom Kirin 1200 gesprochen, etwa im Bericht der chinesischen Webseite ITHome, der auch dahingehend interpretiert werden kann, dass TSMC nur deswegen keine neuen Aufträge mehr angenommen hat, weil die 7 nm-Fertigung gerade voll ausgelastet ist, die 5 nm-Fertigungsstraßen aber noch nicht. Jedenfalls soll die 5 nm-Produktion für den neuen Kirin-SoC im Mate 40 in trockenen Tüchern sein, erst künftige Aufträge von Huawei sind offenbar potentiell gefährdet.

Verschärfter US-Bann weniger schlimm als befürchtet?

Sehr spannend ist zudem der aktuelle Bericht des in Englisch aufgelegten chinesischen Branchenblatts Caixing. Laut einiger US-Anwälte, die sich mit dem Export-Recht beschäftigen, betrifft die Verschärfung nur Chips, die mit Hilfe von US-Technologie explizit für Huawei produziert werden. Das würde also bedeuten, dass die angesprochene MediaTek-Option tatsächlich funktionieren könnte. Selbst US-Firmen mit Fabriken in anderen Ländern können offenbar weiterhin an Huawei liefern, sofern sie auch andere Kunden für diese Chipsätze haben.

Andererseits lässt diese Interpretation auch den Schluss zu, dass auch die zuletzt gern als "chinesische TSMC-Alternative" in den Vordergrund gerückte SMIC betroffen wäre, da sie ebenfalls US-Ausrüstung nutzt, um Chips zu fertigen. Es geht also nicht nur um US-Technologie in den entsprechenden Produkten selbst sondern auch um das Equipment, das für die Herstellung benötigt wird. Letztlich werden die verschärften Bestimmungen weniger disruptive Auswirkungen auf die Halbleiter-Industrie insgesamt haben, als zuletzt befürchtet wurde, einzig die Möglichkeit Huaweis, der Chipindustrie neue Standards zu diktieren werde beschnitten, meinte der ehemalige White House-Berater Clete Willems gegenüber Caixin.

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Autor: Alexander Fagot, 24.05.2020 (Update: 24.05.2020)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Managing Editor News
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.