Mercedes GLA elektrisch: Bis zu 657 km Reichweite, aber 800V-Technik birgt teure Ladefalle

Mercedes-Benz schlägt bei der Elektromobilität im Kompaktsegment ein neues Kapitel auf. Die dritte Generation des GLA verabschiedet sich von der bisherigen EQ-Bezeichnung und startet ab November 2026 als vollkommen neu entwickeltes Elektroauto auf der MMA-Plattform (Mercedes Modular Architecture). Das E-Auto wächst auf 4,57 Meter Länge und bietet mit einem gestreckten Radstand spürbar mehr Platz im Innenraum sowie einen praktischen Frunk unter der Fronthaube mit 107 Litern Zusatzvolumen für Ladekabel. Für das Basismodell nennt Mercedes-Benz ein Leergewicht von etwas über 2,14 Tonnen.
Die offiziellen Specs und technischen Daten lesen sich auf den ersten Blick hervorragend. Das Reichweiten-Topmodell GLA 250+ (250 plus) elektrisch leistet 200 kW und holt aus einer 85-kWh-NMC-Batterie eine elektrische Reichweite von bis zu 657 Kilometern nach WLTP. Das Allrad-Modell GLA 350 4Matic bietet 260 kW (354 PS) und darf bis zu 2,0 Tonnen Anhängeladung ziehen. Dank moderner 800-Volt-Architektur überzeugt die Ladeleistung: An passenden High-Power-Ladesäulen lädt der NMC-Akku mit bis zu 320 kW Peak. So sinkt die Ladezeit für den Ladehub von 10 bis 80 Prozent auf rund 21 Minuten, während in zehn Minuten Saft für bis zu 270 Kilometer nachgefüllt wird.
Doch im Alltag offenbart die Ladetechnik gleich zwei versteckte Haken in der Aufpreisliste. Mercedes verzichtet beim Serienmodell überraschend auf die werkseitige Integration eines DC-Aufwärtswandlers (DC-Booster). Das DC-Ladesystem mit 400 Volt (bis 100 kW) kostet 654,50 Euro Aufpreis). Dieses Bauteil ist zwingend nötig, um das BEV an den weit verbreiteten 400-Volt-Schnellladesäulen mit voller Geschwindigkeit zu laden. Wer dieses Extra beim Kaufen nicht wählt, muss an 400-Volt-Säulen mit extrem gedrosselter Ladeleistung rechnen oder scheitert komplett beim Schnellladen. Zudem ist die AC-Ladezeit an der heimischen Wallbox, städtischen Ladesäulen oder beim Discounter ab Werk auf 11 kW beschränkt. Ein schnellerer 22-kW-Onboard-Lader für fixes AC-Charging kostet auch extra Aufpreis: Mercedes will für den On-board AC-Lader bis 22 kW ebenfalls 654,50 € haben.
Auch beim Einstiegsmodell GLA 200 elektrisch, für den Mercedes-Benz Listenpreise ab 48.599,60 Euro nennt, sollten Kaufinteressenten die Spezifikationen genau prüfen. Hier setzt der Hersteller auf eine kleinere 58-kWh-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Zellchemie (LFP). Zwar lädt der LFP-Akku mit maximal 200 kW in rund 20 Minuten von 10 bis 80 Prozent, die elektrische Reichweite liegt jedoch bei höchstens 445 Kilometern. Ein Schwachpunkt von LFP-Akkus zeigt sich bei Kälte: Im Winter bei Minustemperaturen drohen spürbare Reichweitenverluste von bis zu 35 Prozent, wodurch die reale Reichweite im Alltag auf unter 300 Kilometer fällt. Aktuell bietet Mercedes-Benz den GLA 200 elektrisch Style zu einem Fahrzeugpreis von 46.169,62 Euro in der Basiskonfiguration an (Stand: 31.7.2026).
Das Interieur dominiert auf Wunsch der neue MBUX Superscreen über die gesamte Fahrzeugbreite. Physische Tasten für die Klimasteuerung fehlen fast komplett. Mit beliebten Paketen klettert der Preis des Elektro-SUVs schnell über die Marke von 65.000 Euro. Die Auslieferung der rein elektrischen Varianten beginnt Ende 2026, während elektrifizierte Hybrid-Modelle mit 48-Volt-Technik erst Anfang 2027 folgen.
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