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Razer Raiju Mobile: Controller für Android-Smartphones angetestet

Der Razer Raiju Controller macht Android-Smartphones in plattformübergreifenden Spielen konkurrenzfähiger. Die Qualität stimmt – nur ganz billig ist das Vergnügen nicht. Wir haben das Gamepad ausprobiert.

Zocken auf dem Smartphone boomt. Eigentlich gerade deshalb, weil die Plattform so simple ist und immer am Mann. Controller? Gibt es. Ein wenig nachgefragtes Nischenprodukt bislang, und Spiele dafür überwiegend im Bereich der Arcade-Spiele zu finden, wenn man den Happy-Chick-Emulator außen vor lässt. Auch Razer hatte vor Jahren schonmal ein Android-Gamepad am Start; der Serval verschwand aber schon bald wieder aus dem Angebot.

Doch das Interesse wächst: Die Heroen der Konsolen-Spiele kapern das Smartphone und treten inzwischen plattformübergreifend gegeneinander an. Zwei Daumen gegen Gamepad- und Tastatur-Virtuosen, David gegen Goliath. Im Bereich der Multiplayer Online Battle Arenen (MOBA) haben die Entwickler ein Einsehen und integrieren die Controller-Steuerung endlich auch in ihre Smartphone-Apps. Vain Glory ist bereits dabei, Fortnite seit dem letzten Update auch, weitere Studios werden folgen. Unter den veränderten Vorzeichen schickt Razer mit dem Raiju Mobile auch wieder ein Gamepad für Androiden ins Rennen.

Material und Haptik

In San Diego fängt die Sorgfalt mit der Materialwahl an: Die mitgelieferten Kabel sind stoffummantelt und die Anschlüsse mit Kappen geschützt. Der Controller selbst liegt sehr gut in der Hand, gummierte Einsätze an den Handgriffen sorgen für Griffigkeit.  Die Jumper und Action-Tasten haben einen satten Druckpunkt. Die Trigger-Tasten lassen sich in den Hair-Trigger-Mode versetzen, der für ein schnelleres Vorgehen den Hub verkürzt; zwei Umschalter in Reichweite ermöglichen das auch kurzfristig während dem Spiel.

Der Raiju Mobile besitzt vier Multifunktionstasten. Die beiden an der Unterseite liegen breit und flach im Gehäuse, wo die darauf liegenden Mittelfinger sie kaum als Tasten wahrnehmen, wenn man im Spiel keine Verwendung für sie hat. 

Unterseite mit Multifunktionstasten und Schaltern für den Hair-Trigger-Mode
Unterseite mit Multifunktionstasten und Schaltern für den Hair-Trigger-Mode
Zubehörkabel
Zubehörkabel

Raiju-Mobile-App

Zuweisen kann man sie über die zugehörige App aus dem Play-Store. Zwei Profile lassen sich für unterschiedliche Spiele auch ohne Registrierung speichern, für mindestens 21 Profile – soweit haben wir es ausprobiert – muss man sich auf razer.com registrieren. Über den Account kann man die Pre-Sets anschließend auch mit einem zweiten Smartphone oder dem Tablet abrufen.

Zu den Komfortfunktionen gehören je zwei unterschiedliche Empfindlichkeitsstufen für die Sticks, hilfreich zum Beispiel für eine präzise Zielerfassung bei Shootern.

Über die vier Multifunktionstasten hinaus können auch die Tasten Select und Start mehrfach belegt werden. Praktisch fanden wir das im Test für die Lautstärkeregler, denn je nach Lage sind die entsprechenden Phone-Tasten beim Spielen nur umständlich bedienbar. 

Smartphone-Einsatz

Apropos Lautstärketasten. Mit den herstellereigenen Razer-Phones passt das Gamepad zusammen wie der Deckel auf den Eimer: Die Aussparung in der oberen Backe der Smartphone-Halterung legt sich beim Razer Phone (2017) und Razer Phone 2 passgenau um die beiden Lautstärke-Regler.

Dadurch ist die Backe aber vergleichsweise breit. Smartphones, bei denen die Tasten weiter oben sitzen, müssen anders eingesetzt werden, um sie nicht permanentem Druck auszusetzen. Im besten Fall hilft eine Drehung um 180 Grad, denn die untere Halterung bietet andere Aussparungen. Im schlechtesten Fall muss das Smartphones leicht nach rechts oder links geschoben werden. Das stört zwar die Optik, ist beim Ausprobieren im Spiel aber nicht negativ aufgefallen. Eher schon das generelle Gewicht von 312 g. Zum Vergleich: ein Original Xbox-Controller wiegt 279 g, der DualShock 4 216 g, ein weiteres Android-Gamepad von GameSir 244 g. Zusammen mit dem Smartphone kommt der Raiju Mobile schon mal auf 500 g und darüber. 

Insgesamt ist der mobile Android-Controller mit eingesetztem Smartphone zudem natürlich kopflastig. Da sich die Halterung in einem Winkel bis 60 Grad stufenlos aufrichten lässt, kann man im Sitzen aber gut eine Position finden, in der das nicht wirklich zum Tragen kommt. 

Halterung ausgezogen
Halterung ausgezogen
Aussparung für Smartphone-Tasten im unteren Backen
Aussparung für Smartphone-Tasten im unteren Backen

Verbindung

Bei eingespanntem Smartphone ist das mitgelieferte Kurzkabel die schnellste und unkomplizierteste Verbindung. Das Gamepad wird in diesem Fall über das Smartphone geladen, daher funktioniert sie auch dann, wenn dessen Akku mal leer ist – was bei etwa 23 Stunden Spieldauer aber eine Weile dauert. 

Der Anschluss am Controller liegt imUSB-C-Format vor. Smartphones mir Micro-USB und Tablets verbinden sich alternativ via Bluetooth. Für den schnellen Wechsel zwischen Smartphone und Tablet gibt es am Controller einen Wahlschalter für zwei dedizierte Bluetooth-Paarungen. 

Nach 10 Minuten Inaktivität geht das Gamepad in den Standby. Bei Fortnite kam es vor, dass sich die Verbindung noch im Battle-Bus verabschiedete, ohne dass bis dahin 10 Minuten vergangen waren. Da das bei Vain Glory nie passierte und bei Fortnite jeweils an derselben Stelle, kann man nahe legen, dass nicht der Raiju Mobile die Probleme verursacht hat. Dem genügte dann jeweils ein kurzes Antippen der Home-Taste, um für den Absprung wieder im Spiel zu sein. 

Fazit

Razer Raiju Mobile
Razer Raiju Mobile

An Negativem bleibt das hohe Gewicht und die Kopflastigkeit, wenn mit eingesetztem Smartphone gespielt wird. Beides ist in der theoretischen Betrachtung sehr wichtig, im Spiel aber kaum präsent. Die Haptik ist toll und die variable Empfindlichkeit der Sticks im Spiel ein Mehrwert. Kurzum: Der Raiju Mobile hebt Gaming auf der Android-Plattform auf ein hohes Niveau. Das lässt sich Razer allerdings auch bezahlen: die UVP für den Raiju Mobile liegt bei 149 Euro, merklich günstiger konnten wir ihn in den wenigen Wochen nach Marktstart auch noch nicht entdecken. Eine Liste der unterstützenden Spiele führt Razer auf razer.com.

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Autor: Inge Schwabe, 14.02.2019 (Update: 14.02.2019)
Inge Schwabe
Anders als viele Techies fand ich nicht durch einen C64 oder dergleichen zur Technik; mich hat vielmehr der letzte Meter Kupferdraht fasziniert, über den ein Freund am anderen Ende der Leitung so glasklar zu hören war. Ich studierte Informatik und verfolgte danach über viele Jahre begeistert die Entwicklung des Telefons zum Smartphone. Aktuell werden Innovationen weniger, ihnen auf den Grund zu gehen aber bleibt spannend und interessant.