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UGREEN HiTune TWS im Hands-On: Gut verarbeitet, gut für Telefonate, nur Durchschnitt bei Musik

UGREEN HiTune TWS in der Ladeschale
UGREEN HiTune TWS in der Ladeschale
Gute, drahtlose Ohrhörer für weniger als 50 Euro zu finden, ist zwar möglich, aber mit Abstrichen verbunden. Mit den HiTune TWS versucht der Hersteller UGREEN sich ein Standbein im schnell wachsenden Markt zu sichern. Heute schauen wir uns die Vor- und Nachteile der Wireless Buds an.
Codrut Nistor, Felicitas Krohn (übersetzt von Christian Hintze),

In der Vergangenheit habe ich versucht, In-Ear-Headsets zu vermeiden, alleine schon wegen den bauartbedingten Abstrichen bei der Audioqualität. Für mich klingen selbst teurere Earbuds einfach nicht so gut wie On- oder Over-Ear-Kopfhörer, welche teils nur halb so teuer sind. Ich rede hier bewusst nur über Mainstream-Produkte, In-Ohr-Kopfhörer mit planaren magnetischen Treibern nehme ich davon einmal aus. Vor zwei Jahren fing ich dann an, die kabelgebundenen Xiaomi Mi Piston Basic zu nutzen und war für den Preis von nur 10 US-Dollar überrascht. Die Ohrhörer boten eine sehr gute Sprachqualität beim Telefonieren, eine ordentliche Lautstärke und eine brauchbare Audioqualität beim Musikhören. Die Bässe waren immerhin brauchbar und wurden von eher durchschnittlichen Mitten und Höhen begleitet.

Da UGREEN freundlicherweise ein Exemplar seiner HiTune TWS zum Test bereitstellt, habe ich mich entschieden, nun doch endlich den Schritt zu wagen und den Wireless Earbuds eine Chance zu geben. Ich bitte zu bedenken, dass dieser Bericht meine eigenen Erfahrungen widerspiegelt und in anderen Ohren ganz andere, individuelle Eindrücke hervorrufen kann. Denn immerhin sind Klänge und Farben weder gut noch schlecht und die Wahrheit liegt wie so oft in den Augen bzw. Ohren des Testers. Nachdem wir das hinter uns haben, können wir einen genaueren Blick auf die UGREEN HiTune TWS werfen.

Verpackung und Design

Für die meisten Käufer wird dies keine Rolle spielen, dennoch muss ich die stabile Verpackung loben, in der die HiTune ausgeliefert werden. Da die meisten von uns solche Geräte wohl bei Shops wie Amazon (39,99 Euro auf Amazon), AliExpress oder Gearbest bestellen werden, kann eine stabile Verpackung schon darüber entscheiden, ob das Gerät auch in einem Stück ankommt. Vermutlich könnte man die Box auch weiterverwenden, um seinerseits fragiles Material auf dem Postweg zu versenden, ohne sich um dessen Sicherheit Sorgen machen zu müssen.

In der Box befinden sich folgende Dinge: Die UGREEN HiTune TWS Earbuds, die Ladebox, eine Quick-Start-Anleitung (die ausgezeichnet ist, mit einem stabilen Karton-Cover mit der Aufschrift "More Than Music" daherkommt und etwas mehr Premium-Qualität suggeriert), ein USB Typ-C-Ladekabel (wirkt etwas dünn und billig, aber man kann jedes beliebige USB-C-Kabel verwenden und von allen möglichen Quellen aufladen: PC, Laptop, Powerbank, Smartphone-Ladegerät usw.) und zwei zusätzliche Silikon-Ohrstöpsel (gerne würde ich für einige zusätzliche Schaumstoffstöpsel bezahlen, und ich bin wahrscheinlich nicht der Einzige).

Sowohl die Ohrhörer als auch die Aufbewahrungs- und Ladeschale haben ein ähnliches Design und sind leicht zu verwenden. Allerdings rollt die Ladebox auf die Rückseite sobald man die Ohrhörer herausgenommen hat. Die verwendeten Materialien von Box und Hörern sind solide und geben den Earbuds einen hochwertigen Look, sie fühlen sich fast nach einem "Premium"-Produkt an. Die an der Box und den Ohrhörern angebrachten LEDs sind diskret, können aber trotzdem problemlos auch bei Tageslicht wahrgenommen werden. Der UGREEN-Text auf der Ladebox und das Logo auf den Earbuds ist etwas zu dunkel für meinen Geschmack, sehen aber beide gut aus und lassen die HiTune TWS gut von ähnlichen Produkten unterscheiden.

Ausstattung und Funktionen

Die meisten Leute interessieren sich bei True Wireless Earbuds nur wenig für Bluetooth-Protokolle, unterstützte Frequenzen und Ladespannungen, wenn es um die Ausstattungsmerkmale geht. Dennoch gibt es ein paar Eigenschaften, welche den HiTune TWS ein paar Extrapunkte gegenüber Konkurrenten im gleichen Preissegment einbringen. Folgende Ausstattungsmerkmale und Funktionen sind relevant:

• unterstützte Bluetooth-Versionen: 5.0 und darunter

• Lautsprecher-Impedanz und Sensitivität: 32 Ω ± 15 % und 105 ± 3 dB bei 1 KHz

Frequenzbereich: 20 Hz - 20 kHz

• Treiber: 5.8 mm dynamisch

• unterstützte Audio-Codecs: Qualcomm aptX, AAC, SBC

Chipset: Qualcomm QCC3020

Kapazität von Earbuds und Ladebox: jeweil 60 mAh plus 300 mAh

Zeit zum vollständigen Aufladen: 1,5 Stunden Earbuds, 2 Stunden Ladebox

• Laufzeit von Buds mit Ladebox: 9 h und 19 h für insgesamt 27 Stunden Spielzeit bei voll geladenen Earbuds und Ladebehälter 

• Wasserdicht: IPX5 (Tauchen und Schnorcheln: nein, ein paar Regentropfen: ja)

Zunächst noch ein paar Worte zu den LEDs. UGREEN verwendet insgesamt 5 Stück, eine auf jedem Ohrhörer und drei an der Vorderseite der Ladebox. Die LEDs an den Ohrhörern leuchten in zwei Farben - Weiß und Blau. Die blaue LED leuchtet für einen Augenblick beim Einschalten, die weiße beim Ausschalten. Aber sie sind auch bei ein paar anderen Gelegenheiten aktiv, beispielsweise blinkt das blaue Licht, wenn beide Ohrstöpsel miteinander verbunden werden. Werden die Ohrhörer mit dem Smartphone verbunden, dann blinken sowohl die weiße als auch die blaue LED, aber nur am Master-Earbud. Die drei LEDs an der Ladeschale geben den Ladezustand wieder, leuchten alle drei, dann ist der Akku voll geladen. Wird die Box geladen, so blinken die linke und die rechte LED weiß.

Nutzungsbericht: Ergonomie, Sound, Laufzeit

Die Gehäuseform der Ladebox ist sehr geeignet, um sie in diversen Taschen aller Art, selbst kleinere, verschwinden zu lassen. Vielleicht betrifft es ja nur mich, aber ich bin geteilter Meinung über das Handling der Earbuds selbst: Einerseits finde ich ihre Position in der Ladebox sehr angenehm, man kann sie in einer Bewegung herausnehmen und an die Ohren führen, andererseits habe ich stets Angst sie fallen zu lassen. Personen mit etwas dickeren Finger finden das Handling der kleinen und leichten Buds vielleicht noch etwas komplizierter. Positiv aber ist, dass - entgegen meiner Erwartungen - die Earbuds wirklich fest im Ohr sitzen und ich es nicht geschafft habe, sie herausfallen zu lassen. Wohlgemerkt habe ich keine extremen Bewegungen vollführt, aber die Ohrstöpsel passten stets unwerwartet gut in meine Ohren.

Die Bedienung ist ebenfalls recht einfach, wobei ich eine kleinere Verzögerung von vielleicht einer halben Sekunde zwischen dem Berühren der Bedienoberfläche und dem Ausführen der Kommandos ausgemacht habe. Beim Abspielen von Musik sorgt ein einmaliges Antippen für das Pausieren oder Weiterspielen, zweimaliges Antippen spult zum nächsten Track vor und dreifaches Tippen spult einen Song zurück. Wenn man einen Anruf erhält, so kann man diesen mit einem Tipp annehmen und beenden, zweimaliges Tippen weist den Anruf ab. Zu guter Letzt wird der Sprachassistent durch 2-Sekunden-langes Tippen aufgerufen. Alle Kommandos können auf beiden Earbuds ausgelöst werden.

Für eine Bewertung der Audioqualität muss ich auf zwei Bereiche eingehen, nämlich die Soundqualität beim Telefonieren und beim Abspielen von Musik. Ersteres ist meiner Meinung nach ausgezeichnet. Um zu zeigen wie gut das Filtern von Umgebungsgeräuschen funktioniert, habe ich für den Test zwei 15-20 Minuten lange Telefonate durchgeführt, während ich meinen recht lauten Elektrorasierer im schallenden Badezimmer verwendet habe, das Smartphone lag etwa 4 Meter hinter einer Betonwand entfernt. In beiden Fällen gab es keine Ausfälle oder Pannen und meine Gesprächspartner haben mich perfekt verstanden. Das Musikhören auf der Straße kann hingegen herausfordernder sein, da die Earbuds die vielfältigen Umgebungsgeräusche nicht herausfiltern können - Telefonate funktionieren hingegen problemlos.

Was die Musik anbelangt, so muss ich zunächst auf die verwendeten Codecs eingehen. Bislang habe ich die UGREEN HiTune TWS mit meinem Xiaomi Mi A1 und dem Redmi 7 meiner Frau verwendet und es gab einen signifikanten Unterschied zwischen beiden. Beim Mi A1 verbinden sich die Earbuds via Bluetooth 4.2 und der Sound lässt Tieftöne und Klarheit vermissen. Selbst die Mitten und Höhen klingen irgendwie "matschig". Je nach verwendeter App für die Wiedergabe kann der Sound beinahe gut oder auch richtig schlecht sein. Wenn man aber das Headset an einem Wiedergabegerät betreibt, welches aptX unterstützt, scheinen sich die UGREEN HiTune TWS in ein komplett neues Stück Hardware zu verwandeln. Selbstredend liefern sie auch dann nicht plötzlich Sound für audiophile Enthusiasten, aber alles klingt deutlich besser und auch lauter. Der Wiedergabe fehlt es noch immer ein wenig an Bass, aber der Klang ist jetzt klarer und gefühlt viel näher dran am Zuhörer. Die Earbuds sind sicher nicht die richtigen, um damit komplexe Orchesterensembles oder Heavy Metal wiederzugeben, aber leichte SoundCloud-Mixes hörten sich durchaus angenehm damit an.

Die Akku-Ausdauer ist hingegen wieder ausgezeichnet, allein diese kombiniert mit der guten Anruf- und Verarbeitungsqualität sollten den Preis von rund 40 Euro rechtfertigen. Ich habe mein Nutzungsverhalten aufgezeichnet und liste im Folgenden die Akkulaufzeiten auf (Ich habe die Buds nicht in die Ladeschale gesteckt, um zu sehen wie lange sie ohne Ladung durchhalten):

 

 

 

• 100 % Aufladung, nach 35 Minuten unterschiedlicher Nutzung runter auf 90 %, inklusive Wiedergabe von Musik bei voller Lautstärke (verbunden mit dem Mi A1) und zwei Telefonaten über insgesamt 5 Minuten.

• 90 % Aufladung, runter auf 80 % nach 45 Minuten Musikstreamen via Bandcamp bei 85 % Lautstärke, danach 30 Minuten Real Racing 3 Gaming (verbunden mit dem Mi A1).

• 80 % Aufladung, runter auf 60 % nach 1 Stunde und 20 Minuten unterschiedlicher Nutzung, vor allem einer Podcast-Talk-Show ohne Musik, einem kurzen Anruf und etwa 10 Minuten Musik.

• 60 % Aufladung, runter auf 30 % nach 8:38 - 53-Minuten-Anrufen, 15 Minuten Musikstreaming via Bandcamp bei 85 % Lautstärke. 

• 30 % Aufladung, eine Stunde Telefonieren, Earbuds schalteten sich aus, als der Akku leer war.

Meine Anwendungen summieren sich auf eine Laufzeit von weniger als 6 Stunden, dabei gab es aber auch Nutzungsfälle, wo das Smartphone im nächsten Raum lag und über Bluetooth 4.2 verbunden war. Wenn man die Earbuds auf der Straße nutzt und etwa eine Stunde Musik hört und ein oder zwei Anrufe tätigt, so geht der Akkustand um etwa 10 Prozent runter. Die Akkuausdauer ist insgesamt also sehr gut.

Das Gute, das Schlechte und die Wahrheit

Ohne Zweifel zeichnen sich die UGREEN HiTune TWS durch eine solide Verarbeitung, ausgezeichnete Aukku-Ausdauer und gutes Noise-Cancelling (bei Telefonaten) aus und sind bequem zu tragen.

Beim Gaming oder dem Hören von Musik bekommt der nur 5,8 mm kleine Treiber aber in allen Situationen Probleme, wenn es um die akkurate Darstellung von Bässen geht. Und obwohl die Verbindung in den allermeisten Fällen felsenfest ist, habe ich ein paar seltene, aber reproduzierbare Einbrüche festgestellt. Manche dürfte die fehlende Lautstärkensteuerung stören, für mich stellte die temporäre Steuerung über das Smartphone kein Problem dar. Die Eingabeverzögerung ist minimal, sollte aber von Nutzern, welche sich daran stören könnten, bedacht werden. Womöglich hängt die Verzögerung aber auch vom verbundenen Gerät ab und ist bei einigen Geräten gar nicht präsent. Ich hatte leider nicht die Gelegenheit, die Earbuds an einem iPhone zu testen.

Sind die UGREEN HiTune TWS also die perfekten Earbuds? Die Antwort ist offensichtlich "Nein". Allerdings sollte man in diesem Preissegment auch keine Perfektion erwarten und für weniger als 50 Euro bieten die Earbuds einen sehr guten Gegenwert. Denn das ist es immerhin, worauf Käufer mit einem engeren Budget achten, nämlich auf die besten Funktionen und Ausstattungsmerkmale für den Preis, weniger auf den perfekten Look oder die stylischste Verpackung.

Quellen

UGREEN (offizielle Produktseite)

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Autor: Codrut Nistor,  9.09.2020 (Update:  9.09.2020)
Codrut Nistor
Editor of the original article: Codrut Nistor - News Editor
Obwohl ich seit fast einem Jahrzehnt über neue Software und Hardware schreibe, betrachte ich mich selbst als Anhänger der alten Schule. Ich höre noch immer gern Musik auf CD oder Kassette statt digitaler Dateien und verweigere mich weiterhin der Debatte Touchscreen vs. physische Tasten. Ich bin seit 2013 Mitglied der Notebookcheck-Crew.
Christian Hintze
Translator: Christian Hintze - Editor
Aus Interesse an Computer-Spielen habe ich ein Informatikstudium begonnen, bin dann doch Diplom-Psychologe geworden, aber den Spielen und der Hardware treu geblieben. Z.B. beim Auslandsjahr in London als Spieletester bei Sega. In meiner Freizeit finde ich neben PC-Spielen Ausgleich beim Sport (mittlerweile vorwiegend Hallenfußball und meinem Kleinkind hinterher laufen), Gitarre spielen und Bambusräder bauen (na gut, bisher nur ein einziges unter Anleitung).