Bethesda-Mitarbeiter: Microsoft hat Entlassungen zur Normalität gemacht

Xbox-Entwickler haben am 18. August in neun Städten in den USA und Kanada koordinierte Kundgebungen unter dem Motto "Save Our Devs" ("Rettet unsere Entwickler") veranstaltet. Organisiert worden sind die Proteste von der Gewerkschaft OneBGS, die Beschäftigte der Bethesda Game Studios vertritt, und der Communications Workers of America. Sie richten sich gegen Microsofts jüngste Entlassungswelle in der Gaming-Sparte.
Microsoft plant, rund 3.200 Stellen bei Xbox abzubauen. In einer ersten Phase sind bereits 1.600 Arbeitsplätze gestrichen worden, die übrigen sollen bis Mitte 2027 folgen. Inzwischen vertritt die CWA fast 4.000 gewerkschaftlich organisierte Xbox-Beschäftigte, darunter Entwickler, Künstler, Ingenieure, Produzenten, Forscher und Support-Mitarbeiter, die an Reihen wie Call of Duty, Overwatch und Warcraft arbeiten. Es handelt sich nicht um die erste koordinierte Aktion dieser Art. Bereits am 15. Juli haben Proteste gegen den vorherigen Abbau von 440 gewerkschaftlich vertretenen Stellen bei Bethesda Game Studios, ZeniMax Online Studios, id Software und weiteren ZeniMax-Teams stattgefunden. Allein bei ZeniMax Online Studios sind mehr als 200 Arbeitsplätze weggefallen, bei id Software deutlich mehr als die Hälfte der Belegschaft.
Von langfristiger Beschäftigung zu ständiger Unsicherheit
Lead Character Artist Alex Nguyen, der seit mehreren Jahren bei Bethesda arbeitet, beschreibt die frühere Unternehmenskultur unter ZeniMax als deutlich stabiler. Langjährige Beschäftigungsverhältnisse seien so üblich gewesen, dass viele Kollegen damit gerechnet hätten, bis zur Rente im Studio zu bleiben. Nach der Übernahme durch Microsoft habe sich das geändert: "Früher gab es bei uns keine Entlassungen, und jetzt ... gibt es jedes Jahr Entlassungen." Als besonders schädlich bezeichnet Nguyen den Verlust von internem Wissen. Schon wenn wenige Spezialisten entlassen würden, die bestimmte Abläufe genau kennen, müsse sich das übrige Team dieses Wissen von Grund auf neu erarbeiten.
Nathan Hahn, der seit vier Jahren bei Bethesda Game Studios beschäftigt ist, hat Kotaku berichtet, die Gewerkschaft habe bereits Monate im Voraus versucht, die Entlassungen zu verhindern. Im Februar habe sie einen Vorschlag zum Umgang mit einem möglichen Stellenabbau eingereicht. Das Unternehmen habe diesen vier Monate lang unbeantwortet gelassen und die Kürzungen anschließend dennoch umgesetzt. Hahn widerspricht zudem der Darstellung, dass hauptsächlich Führungskräfte betroffen seien. Die Entlassungen hätten überwiegend Beschäftigte getroffen, die unmittelbar an den Spielen und ihrem laufenden Betrieb arbeiten, nicht die Unternehmensverwaltung. Die CWA hat inzwischen beim National Labor Relations Board Beschwerde wegen unzulässiger Arbeitspraktiken eingereicht und wirft Microsoft vor, seine Verhandlungspflichten verletzt zu haben.
Alles wie gewohnt für Microsoft?
Xbox-CEO Asha Sharma hat die Kürzungen als Teil einer umfassenderen geschäftlichen "Neuausrichtung" bezeichnet. OneBGS widerspricht dieser Darstellung und erklärt, Microsoft habe die Veränderungen intern anders begründet. Wenige Tage vor den Kundgebungen haben die Spannungen einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Bethesda-Entwickler haben vor ihren Büros mit einer riesigen aufblasbaren Ratte protestiert, nachdem sie erfahren hatten, dass Sharma zu Besuch kommen würde, um eine Entwicklungsversion von The Elder Scrolls VI zu begutachten.
Der gewerkschaftliche Schutz fällt je nach Studio unterschiedlich aus. OneBGS und die Vertretung bei Bethesda Game Studios Montreal sind im August 2024 anerkannt worden. Die rund 165 Beschäftigten von id Software haben sich dagegen erst im Dezember 2025 gewerkschaftlich organisiert. Microsofts Neutralitätsabkommen mit der CWA aus dem Jahr 2022 hat jedoch nie eine verbindliche Frist für den Abschluss erster Tarifverträge enthalten. Neuere Gewerkschaften verfügen daher bei dieser Entlassungswelle über vergleichsweise wenig formalen Schutz. Gruppen wie ZeniMax Workers United QA und Blizzard Quality Assurance besitzen dagegen bereits vertraglich festgeschriebene Vorankündigungsfristen und Wiedereinstellungsrechte. Trotz allem hat Hahn gegenüber Kotaku erklärt, dass der Zusammenhalt rund um die gemeinsamen Bemühungen sogar zunehme. Die Motivation im Arbeitsalltag sei dagegen so niedrig wie selten zuvor.










