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Fake-5G: Samsung Galaxy S20 Ultra im JRE-Teardown ohne mmWave-5G-Antennen

Im JRE-Teardown zeigt sich, dass nicht alle Galaxy S20 Ultras aller Länder das gleiche Featureset bieten. Hier fehlen die mmWave 5G-Antennen.
Im JRE-Teardown zeigt sich, dass nicht alle Galaxy S20 Ultras aller Länder das gleiche Featureset bieten. Hier fehlen die mmWave 5G-Antennen.
(Update: Auch in Europa ohne mmWave-Support?) Die unrühmliche Saga zu Samsungs teils recht zwielichtigen Marketing-Versprechungen in Bezug auf die Galaxy S20-Serie beziehungsweise das Galaxy Z Flip geht auch Wochen nach dem Launch weiter. Der Teardown des JerryRigEverything-Youtube-Channels zeigt, dass in manchen Regionen, konkret Südkorea, Galaxy S20 Ultra-Modelle ohne mmWave-Antennen ausgeliefert werden und damit wie beim Basis-Galaxy S20 5G nur das langsamere Sub-6-5G unterstützt wird.

Es gab jetzt schon zwei Teardowns eines Galaxy S20 Ultra: Den offiziellen von Samsung selbst und den der Reparatur-Profils von iFixit - was sollte beim dritten Deassemblieren des JerryRigEverything-Youtube-Channels also Spannendes entdeckt werden, was nicht ohnehin bereits bekannt ist?

Fehlende mmWave 5G-Antennen

So kann man sich täuschen. Bis zur Minute 10 ist das Video von Zack Nelson (siehe unten) tatsächlich zwar durchaus sehenswert aber nicht gerade eine Sensation, danach wird es aber mehr als spannend. Denn wo bei den beiden anderen Teardowns die drei separaten mmWave-5G-Antennen zu Tage treten, herrscht beim Galaxy S20 Ultra 5G des Testers gähnende Leere.

Fehlende Netze als Argument?

Zack spekuliert, dass in seinem aus Südkorea zugekauften Modell deswegen keine Hochfrequenzantennen integriert sind, weil in Korea die entsprechenden Netze fehlen, sprich nur die weiter reichenden aber langsameren Sub-6-Frequenzbänder aktiv sind. Das mag zwar aktuell so sein, muss aber in Zukunft nicht so bleiben, zudem erwartet ein Südkoreaner vielleicht, dass er mit seinem nicht gerade günstigen 2020 Samsung-Flaggschiff auch die mmWave-Netze in den USA und anderswo nutzen kann.

Intransparente Produktseiten

Dass Samsung einige Features, insbesondere so platzhungrige wie mmWave-Antennen, aus den kleineren und günstigeren Galaxy S20-Varianten streicht, ist vielleicht noch verständlich - beim hierzulande 1.350 Euro bis 1.550 Euro teuren Galaxy S20 Ultra sollte dann aber wohl wirklich alles dabei sein und das nicht regional noch weiter abgespeckt. Zudem sind Samsungs eigene Webseiten nicht nur in dieser Sache höchst intransparent. Die offiziellen regionalen Produktseiten liefern gar keine detaillierten Spezifikationen zu den einzelnen Modellen.

Hier gibt's die konkreten Specs

Nur wer sich die Mühe macht, auf den globalen oder deutschen Presse-Seiten von Samsung zu suchen, wird in Bezug auf Specs fündig. Wir haben nur hier etwa folgendes in Bezug auf das Samsung Galaxy S20 Ultra in Deutschland gefunden

Damit Nutzer die neue Technologie voll ausschöpfen können, ist jedes Smartphone der Galaxy S20-Serie, bestehend aus dem Galaxy S20, Galaxy S20+ und Galaxy S20 Ultra 5G, mit der aktuellsten 5G-Technologie ausgestattet. Das Galaxy S20 Ultra 5G ist sowohl mit Niedrigfrequenzbändern als auch Hochfrequenzbändern kompatibel, während das Galaxy S20|S20+ Niedrigfrequenzbänder nutzt, um sich mit dem 5G-Netzwerk zu verbinden.

Das lässt vermuten, dass hierzulande zumindest das Galaxy S20 Ultra mit mmWave-Antennen bestückt ist, nicht allerdings das 6,7 Zoll Galaxy S20+. Das ist übrigens im US-Amerikanischen Markt anders, dort scheint nach Durchsicht der Spezifikationen im globalen Pressroom nur das kleine Galaxy S20 5G keinen mmWave-Support zu bieten, Galaxy S20+ 5G und Galaxy S20 Ultra 5G beide aber schon.

Wir haben sicherheitshalber noch eine Anfrage an Samsung Deutschland gestellt, um uns bestätigen zu lassen, dass das Galaxy S20 Ultra hierzulande tatsächlich Millimeter-Wellen-5G unterstützt und auch mit den notwendigen Antennen ausgeliefert wird. Nach den bereits bekannt gewordenen Skandalen rund um "Fake-Glas", "Fake-Zoom" und "Fake-Zeitlupe" ist das teilweise "Fake-5G" auf jeden Fall keine Auszeichnung für das Samsung Marketing-Team.

Update 20:00 Doch kein mmWave-Support im deutschen Galaxy S20 Ultra?

Eine erste Antwort seitens Samsung Deutschland lässt uns leider noch ratloser zurück als wir bereits waren. Die Antwort deutet nämlich darauf, dass auch in Europa verkaufte Galaxy S20 Ultra-Modelle nur mit Sub-6-Support bis etwa 3,8 GHz ausgestattet sind - der Samsung-Sprecher begründet das damit, dass keine entsprechenden mmWave-Netze in Europa existieren und die Bundesnetzagentur auch keine bereitstellt.

Das wäre allerdings eine sehr kurzsichtige Einstellung, denn mmWave-Netze in Europa sind für Ende des Jahres beziehungsweise 2021 geplant und ein heute gekauftes Galaxy S20 Ultra um über 1.300 Euro könnte diese dann nicht nutzen, sofern diese Aussage stimmt. Zukunftssicher wäre also etwas anderes. Zudem wird man als Käufer eines deutschen Galaxy S20 Ultra eventuell auch Lust haben, sich in US-Amerikanische mmWave-Netze einzuloggen, um die kurzwelligen Downloadgeschwindigkeiten bis zu 1 Gbps zu nutzen - das würde dann ebenfalls nicht gehen. 

Das in der europäischen Exynos 990-Variante des Galaxy S20 Ultra eingesetzte Samsung Exynos-Modem 5123 unterstützt prinzipiell beides, Sub-6 und mmWave, daran kann es also nicht liegen. Noch etwas anderes wurmt uns. Nicht nur, dass die Samsung Produktseiten keinerlei Datenblätter zu den tatsächlich im jeweiligen Land ausgelieferten Konfigurationen bereit halten, deutete Samsung Deutschland zudem an, dass die oben verlinkte Pressemitteilung offenbar nur eine Übersetzung aus dem Englischen ist und somit falsch. 

Das kann allerdings nicht wahr sein, denn der Text unterscheidet sich zwischen deutscher Pressemitteilung und der im globalen Samsung Newsroom durch divergierende technische Angaben, siehe Bild unten. Wir bleiben an der Sache dran. In jedem Fall liefert Samsung jede Menge Anlass zur Kritik, alleine das Fehlen klarer, detaillierter Datenblätter auf den Webseiten und die sich damit ergebende Intransparenz bei den offenbar recht dramatischen Unterschieden zwischen asiatischen, US-Amerikanischen und europäischen Modellen ist mehr als beschämend für die Nummer 1 im Smartphone-Markt.

Da stimmt was nicht. Vergleich zwischen Pressemeldung aus dem globalen und deutschen Newsroom.
Da stimmt was nicht. Vergleich zwischen Pressemeldung aus dem globalen und deutschen Newsroom.
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Autor: Alexander Fagot, 12.03.2020 (Update: 12.03.2020)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Managing Editor News
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.