Der Handelskrieg um Elektroautos zwingt die Hersteller zu kreativen Lösungen. Der chinesische Autobauer GAC (Guangzhou Automobile Group) wählt eine Abkürzung. Statt fertige Autos teuer nach Europa zu verschiffen, wird der Hoffnungsträger Aion V jetzt direkt hier zusammengeschraubt. Magna bestätigt: Die Serienfertigung im österreichischen Graz ist angelaufen. Damit nutzt GAC freie Kapazitäten beim Traditionsfertiger Magna Steyr. Die Rechnung ist simpel. Ein Auto "Made in Europe" fällt nicht unter die neuen Strafzölle, die Importe aus China massiv belasten.
Analysten wie Matthias Schmidt fassen GAC unter dem Begriff "New Market Entrants" (NME) zusammen. Hinter dem Kürzel stecken die jungen Wilden des Marktes: Chinesische Marken wie BYD, MG, NIO oder XPeng, oft wird auch Tesla dazu gezählt. Sie wachsen rasant und knabbern den alten Platzhirschen die Marktanteile weg. Im dritten Quartal 2025 krallten sich diese NMEs fast 9 Prozent des westeuropäischen Marktes.
Der in Graz gebaute Aion V ist dabei die Speerspitze der GAC-Offensive. Das Elektro-SUV greift mit einem 75,3 kWh großen LFP-Akku an. Der soll für rund 510 Kilometer Reichweite nach WLTP gut sein. Geladen wird mit bis zu 180 kW, was den Akku in 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent bringt. Der Startpreis wird voraussichtlich bei kampflustigen 36.000 Euro liegen.
Die Strategie der lokalen Fertigung könnte Schule machen. Auch Xpeng hat bereits ähnliche Pläne angedeutet. Solange die Werke in Europa noch nicht voll hochgefahren sind, setzen viele China-Marken übergangsweise verstärkt auf Plug-in-Hybride (PHEV), da diese weniger stark reglementiert sind. Doch mit der Produktion in Graz zeigt GAC, dass man gekommen ist, um zu bleiben, und zwar mit reinen Stromern. Parallel dazu wird das europäische Service- und Vertriebsnetz mit neuen Partnern massiv ausgebaut.

























