Schluss mit der Reichweitenangst, zumindest auf dem Papier. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder präsentierte heute in Berlin Zahlen, die das Bild der Elektromobilität geraderücken dürften. Der Ergebnisbericht "Mobilität in Deutschland 2023" (MiD) zeigt, dass batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) im Alltag fast identisch genutzt werden wie die klassische Verbrenner-Konkurrenz. Lagen Stromer 2017 noch in der Nische der Kurzstrecken-Mobile, sieht die Realität heute anders aus: Der Anteil von Fahrten jenseits der 30-Kilometer-Marke hat sich bei den E-Autos auf 13 Prozent eingependelt. Damit operieren sie fast auf Augenhöhe mit jungen Verbrennern (15 Prozent) und haben das Image des reinen Zweitwagens für die Stadt abgestreift.
Noch spannender ist der Blick auf den Tacho. Die Jahresfahrleistung von Elektroautos kletterte im Schnitt auf beachtliche 14.600 Kilometer. Damit ziehen sie am durchschnittlichen Pkw-Bestand in Deutschland vorbei, der es nur auf 13.700 Kilometer bringt. Lediglich die Vergleichsgruppe der "jungen Verbrenner" (ab Zulassung 2020) liegt mit 16.800 Kilometern noch etwas darüber. Das Argument, E-Autos würden nur stehen, ist damit vom Tisch. Der Bestand an E-Fahrzeugen und Hybriden ist ohnehin explodiert: Von mageren 300.000 Einheiten im Jahr 2017 auf mittlerweile 3,8 Millionen.
Beim Thema Laden offenbart die Studie allerdings eine Zweiklassengesellschaft. Wer ein eigenes Haus hat, ist fein raus: 78 Prozent der BEV-Besitzer laden ihren Wagen bequem auf dem privaten Grundstück. Laternenparker gucken dagegen oft in die Röhre. Nur 58 Prozent finden im öffentlichen Straßenraum verlässlich eine Ladesäule. Das bleibt die Achillesferse der Antriebswende in den Ballungsräumen.
Einen echten Boom erleben die Pedelecs. Hier hat sich der Bestand seit 2017 fast verdreifacht. Kamen damals 50 E-Bikes auf 1.000 Einwohner, sind es heute gut 140. Und die Dinger werden genutzt: Während Bio-Biker im Schnitt 9 Kilometer am Tag strampeln, reißen Pedelec-Fahrer täglich 14 Kilometer ab. Insgesamt summieren sich die geradelten Strecken in Deutschland auf 117 Millionen Kilometer pro Tag.
Trotz aller Appelle zur Verkehrswende bleibt das Auto der Boss auf deutschen Straßen. Zwar wird im Vergleich zu 2017 minimal weniger Auto gefahren, doch die Marktmacht ist erdrückend. 53 Prozent aller Wege und massive 73 Prozent aller Personenkilometer entfallen weiterhin auf den motorisierten Individualverkehr (MIV). Der öffentliche Verkehr kämpft sich derweil aus dem Corona-Tal. Immerhin: Bei 16 Prozent der Befragten ist das Deutschland-Ticket schon das Standard-Ticket, in Metropolen liegt dieser Wert sogar bei 33 Prozent. Ein heimlicher Gewinner ist das Zufußgehen. Der Anteil der Wege per pedes kletterte spürbar von 22 auf 26 Prozent.




















