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gamescom 2019 | Ist Spiele-Streaming die Zukunft? Google Stadia und Microsoft xCloud ausprobiert

Microsoft und Google drängen beide in den Markt für Spiele-Streaming
Microsoft und Google drängen beide in den Markt für Spiele-Streaming
In letzter Zeit versuchen sich immer mehr kleine sowie große Tech-Unternehmen an Services für Spiele-Streaming. Zwei davon können auf der diesjährigen Gamescom ausprobiert werden und geben einen ersten Eindruck über die Zukunft des Computerspielens.

Nachdem in den letzten Jahren das Streamen von Serien, Filmen etc. über Anbieter wie Netflix und Amazon Prime immer beliebter wurden, sieht es jetzt danach aus, als könnte den Computerspielen etwas ähnliches passieren. So gibt es neben kleineren Angeboten von Start-ups wie Shadow auch diverse große Konzerne wie Google, Microsoft und seit neuestem auch die deutsche Telekom, die in diesen Bereich vorstoßen. Das Angebot von Google heißt hierbei Stadia und das von Microsoft nennt sich xCloud. Diese beiden Services konnten jetzt erstmals auf der diesjährigen Gamescom ausprobiert werden, was wir natürlich auch getan haben.

Worum geht es?

Erstmal zur grundlegenden Technik. Bei beiden Angeboten handelt es sich nicht wirklich um ein Netflix für Spiele, da man sich diese jeweils noch selbst kaufen muss. Doch warum sollte man sich so ein Angebot überhaupt buchen? Gerade für Gelegenheitsspieler ist es vom Konzept der perfekte Kompromiss. Viele verfügen einfach nicht über einen Rechner, auf dem man Spielen kann bzw. brauchen als Notebook einfach ein Ultrabook oder ein MacBook, da sie mobil sein müssen, auf welchen es sich aber in der Regel auch nicht gut spielen lässt. Da wäre ein Streaming-Service für 10 bis 30 Euro im Monat die deutlich günstigere Alternative zu einem dedizierten Gaming-Rechner, der in der Regel mindestens 800 Euro kostet, wobei die Peripherie hier noch nicht mit eingerechnet ist. Und so versprechen viele Internetkonzerne genau das: Spielen in Ultra-Qualität von jedem Ort der Erde auf jedem Gerät für einen kleinen Preis.

Ein kleiner Nachteil

Ob das wirklich so funktioniert, kann ich nach einem ersten Anspielen sagen: Ja, aber mit Einschränkungen. Im ersten Moment war es wirklich überraschend, wie gut das Streaming-Angebot funktioniert. Als Demo hat Google auf der Gamescom das aktuelle Videospiel Doom eingesetzt, bei dem es sich um einen Egoshooter handelt. Qualitativ hat eigentlich auch alles gestimmt. So sind Kompressions-Artefakte durch die Übertragung so gut wie gar nicht aufgefallen, während auch die Steuerung mit Controller recht gut funktioniert hat. Einen Nachteil gab es jedoch: Die Reaktionszeit.

Auf der Gamescom lässt sich Stadia auf einem Chromebook und einem Smartphone testen
Auf der Gamescom lässt sich Stadia auf einem Chromebook und einem Smartphone testen

Dadurch, dass der Input zuerst an den Server übertragen werden muss und die Antwort ja dann auch noch ein paar Millisekunden braucht, ist die Latenz doch spürbar höher, als wenn man auf einem eigenen Rechner spielt. Es hat den normalen Spielfluss zwar so gut wie gar nicht gestört, da die Reaktionszeit niedrig genug war, um problemlos zielen und ausweichen zu können, wer allerdings Counter-Strike mit kompetitivem Anspruch spielen möchte, dürfte mit dem Angebot aktuell kaum glücklich werden. Zusätzlich kam es in den 8 Minuten Testzeit bei Stadia zweimal vor, dass der Bildschirm für mehrere Sekunden eingefroren ist, wobei zumindest das Spiel im Hintergrund auch nicht weiterlief. Da Google aktuell noch mitten in der Entwicklung steckt, sind solche Fehler aber verzeihbar.

xCloud und Stadia nehmen sich wenig

Bei xCloud von Microsoft war das Erlebnis ähnlich, nur das man auf einem Smartphone mit Controller spielen musste. Hier war es doch etwas ungewohnt, ein Top-Racing-Titel wie "The Crew 2" auf einem Smartphone zu erleben und steuern zu können. Zusätzlich gab es keine Situationen, wo die Darstellung eingefroren ist, allerdings war die Latenz gefühlt noch einen Ticken höher als bei Google Stadia. So ließ sich das Auto zwar wieder problemlos in die gewünschte Richtung lenken, aber man musste doch bei weitem kein E-Sportler sein, um zu merken, dass die Reaktionszeiten hier spürbar langsamer sind.

xCloud leidet unter einer spürbar höheren Latenz als der Konkurrent von Google
xCloud leidet unter einer spürbar höheren Latenz als der Konkurrent von Google

Natürlich muss man dazu sagen, dass die Gamescom mit ihrem schnellen Internet und der kontrollierten Umgebung beinahe die Idealbedingungen für die Services darstellt. Nichts desto trotz wird hier eindrucksvoll demonstriert, dass Streaming-Angebote durchaus die Zukunft für Casual-Spieler darstellen können. Natürlich nur unter der Bedingung, dass das Internet zuhause dafür ausreicht.

Denn für Google Stadia mit 720p bei 60fps benötigt man eine stabile (!) Internetverbindung mit mindestens 10 Mbit/s. Für Full HD bei 60 fps sind dann schon das doppelte nötig, während für UHD-Auflösung schon 35 Mbit/s stabil nötig sind, was hierzulande leider häufig noch bei weitem nicht drin sind. Wenn dann auch noch zwei Leute gleichzeitig in einem Netzwerk spielen wollen, dürfte es bei den meisten Haushalten in Deutschland zumindest mit den höheren Auflösungen vorbei sein. Es bleibt also nur zu hoffen, dass der Glasfaser-Ausbau in Deutschland endlich mal Fahrt aufnimmt. Sobald 4G oder sogar 5G flächendeckend verfügbar sind, könnte man mit dieser Technik sogar unterwegs problemlos spielen, ohne dass man ein schweres Gaming-Notebook mit meist niedriger Akkulaufzeit mitnehmen muss. Wie lange es allerdings noch dauern wird, bis das der Fall ist, können sie sich gerne selber ausmalen.

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Autor: Cornelius Wolff, 21.08.2019 (Update: 21.08.2019)
Cornelius Wolff
Cornelius Wolff - News Editor
Nachdem ich mit 8 meinen ersten PC geschenkt bekommen habe (damals noch mit einem AMD Athlon Single-Kern-Prozessor) und ich dieses Gerät auch gleich munter auseinander gebaut habe, hat mich die Technik nie wieder losgelassen. So kam es, dass ich schon mit jungen Jahren immer weiter in die Welt der Computer-Technik eingetaucht bin. Als ich dann 2015 zum ersten Mal auf die Seite Notebookcheck gestoßen bin, war ich begeistert von dem Umfang den diese Seite bietet. Nun arbeite ich seit meiner erfolgreichen Bewerbung im Jahr 2016 als freier Mitarbeiter bei Notebookcheck als News- und Hardware-Redakteur.