Notebookcheck

Was bei einem seriösen Laptop-Testbericht nicht fehlen sollte

Bei einem ausführlichen Test spielt auch das Backlight-Bleeding eine Rolle, wie hier beim Lenovo Legion Y740
Bei einem ausführlichen Test spielt auch das Backlight-Bleeding eine Rolle, wie hier beim Lenovo Legion Y740
Zu der Kaufentscheidung eines Laptops gehört mehr als nur ein schneller Prozessor, großer Speicher und der Preis. Es sind vor allem Merkmale bedeutend, die nicht auf dem Datenblatt stehen oder von Youtube-Bloggern aufgedeckt werden, sondern nur in aufwendigen Testverfahren erst so richtig ans Tageslicht kommen.

Viele Testberichte, wie Youtube-Videos von Bloggern, befassen sich nur oberflächlich mit den Laptops. Meistens wird ein paar Minuten über das Aussehen, und wie toll sich das Razer Blade 15 oder Dell XPS 13 in den Händen anfühlt, berichtet. All diese persönlichen Eindrücke sind selbstverständlich ebenfalls von Bedeutung, allerdings dürfen dann die anderen Aspekte nicht außer Acht gelassen werden - vor allem nicht die, die auf keinem Datenblatt der Hersteller aufscheinen.

Coil Whining

Ein wichtiger Punkt, den wir in unseren Notebookcheck-Tests bereits als Fixposten in die Beurteilung miteinfließen lassen, heißt Coil Whining, auf Deutsch “Spulenfiepen”. Die Lüftung eines Laptops kann flüsterleise arbeiten, aber dann in gewissen Situationen besonders in leiser Umgebung, beispielsweise beim Surfen oder Kopieren von Dateien, wird von irgendeinem Bauteil im Notebook ein nerviges hochfrequentes Spulenfiepen wahrgenommen. Einmal aufgefallen, wird dieses Spulenfiepen zu einem ständigen nervenden Begleiter. Berühmtes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit dafür ist das Dell XPS 15 9570.

Thunderbolt 3 und PCIe-Lanes

Kaum von den Herstellern an die große Glocke gehängt, werden die exakten Spezifikationen des Thunderbolt 3-Ports. Diese sind bei manchen Herstellern auch nach stundenlangem Googeln nicht immer zu finden. Es geht aber auch kundenfreundlicher, Dell beispielsweise listet hier die Anzahl der PCIe-Lanes für ihre Modellreihen auf. Dort sieht man aber auch, dass die XPS 15-Modelle mit zwei Lanes somit nur 20 Gbps zulassen. Nur das XPS 13 9365 2-in-1, beziehungsweise das XPS 13 9370 kann mit vollen vier Lanes und 40 Gbps auftrumpfen. Das kann für Gamer ausschlaggebend sein, die den Anschluss einer externen GPU über Thunderbolt 3 vorhaben. Zur Bestimmung der Anzahl der Lanes helfen hier Analyseprogramme wie Aida64 oder HWInfo. 

Throttling

Da wir schon bei der Geschwindigkeit sind, gehen wir gleich zum Thema CPU-Throttling über. Die Angabe des Prozessors ist schließlich eines der Hauptargumente der Hersteller für den Preis. Doch nicht immer ist ein Intel Core i9 unter Last auch schneller als ein Intel Core i7. Denn ausschlaggebend ist hier die ausreichende und wirkungsvolle Kühlung, damit der CPU-Takt nicht gedrosselt wird. Vor allem in extrem schlanken Gehäusen wird die Kühlungs-Thematik zu einem wichtigen Bewertungspunkt, dem wir uns genauer widmen. Ein gutes Beispiel, dass ein Intel Core i9 kein Garant dafür ist, alle Intel Core i7 hinter sich zu lassen, zeigt das Asus ZenBook Pro 15 UX 580GE im Cinebench Multi 64Bit-Test. 

Der Cinebench Multi 64Bit-Test listet den Intel Core i9 teilweise unter den Intel Core i7-Modellen.
Der Cinebench Multi 64Bit-Test listet den Intel Core i9 teilweise unter den Intel Core i7-Modellen.

Display

Auch beim Kapitel Display reicht nicht die Höhe der Auflösung oder eine Display-Helligkeit über 300 cd/m² für eine erfolgreiche Beurteilung aus. Anders als bei einem TN-Panel weist ein IPS-Display beispielsweise eine ungleichmäßige Beleuchtung an den Rändern auf. Auf dieses Backlight-Bleeding wird bei manchen Kurztests ebenfalls nicht immer geachtet, obwohl dies aber zum Killer eines gemütlichen Filmeabends werden kann. Neben dem Backlight-Bleeding gibts auch ähnliche Spaßverderber, wie der Stage-Light-Effekt beim Apple MacBook Pro seit 2016, bekannt als Flexgate.

Der "Bühnenlicht"-Effekt beim Macbook Pro
Der "Bühnenlicht"-Effekt beim Macbook Pro

Ebenfalls bedeutet ein mattes Display nicht gleich bessere Lesbarkeit, obwohl dies in der direkten Sonne natürlich meistens zutrifft. Bei einem matten Display sollte auch auf die Körnigkeit geachtet werden. Hier unten sehen wir zum Beispiel große Unterschiede zwischen dem äußerst grobkörnigen EliteBook x360 1040 und dem Razer Blade 15

Die Subpixel des HP Elitebook x360 1040 G5
Die Subpixel des HP Elitebook x360 1040 G5
Die Subpixel des Razer Blade 15
Die Subpixel des Razer Blade 15

Upgrade

Last but not least sollte ein seriöser Testbericht auch die Upgrade-Möglichkeiten eines Laptops in Betracht ziehen. Wie ist die RAM-Konfiguration? Sind bereits beide Speicherbänke mit zwei kleineren RAMs belegt, oder hat der Hersteller mitgedacht und einen freigelassen? Oder ist der RAM-Riegel womöglich im schlimmsten Fall gar auf dem Mainboard verlötet und lässt sich nicht mehr erweitern oder austauschen? Auch das wird meistens erst bei einem ausführlichen Test mit einem Blick in das Innere des Geräts festgestellt. 

Wir sehen also, dass ein Test nicht gleich ein Test ist. So manche wichtige Werte können nur durch aufwendige Testverfahren mit geeigneten Messgeräten und jahrelanger Erfahrung für objektive Vergleiche und Schlüsse durchgeführt werden. Für eine Kaufentscheidung sollten also neben CPU und Speicher auch andere Punkte, die im ersten Moment vielleicht als belanglos beiseite gelegt werden, doch hinterfragt werden.

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Autor: Daniel Puschina,  4.03.2019 (Update:  4.03.2019)
Daniel Puschina
Daniel Puschina - Editor
Ich bin die Generation, die in den 90er Jahren auf einem 386er mit der 20MHz Turbotaste die ersten Computer-Erfahrungen gesammelt hat. Es war eine Gratwanderung zwischen der Leistungsgrenze meines Rechners und dem knappen Taschengeld, umso größer war aber dadurch die Motivation, das letzte Stück Leistung hier noch rauszuholen. Das Herauskitzeln eines einzelnen Kilobytes in der config.sys Datei war bei 2MB RAM absolut bestimmend über „Spiel startet“ oder „Spiel startet nicht“. Ab diesem Zeitpunkt habe ich auch damit begonnen, mich hardwareseitig immer eingehender mit Benchmarktests, Leistungsvergleiche und Tuning der Komponenten zu beschäftigen, was mich in den letzten Jahren zum Dauerbesucher der Notebookcheck-Seite machte. Es ist mir somit eine große Freude, hier nun selbst aktiv für diese Seite schreiben und testen zu können.