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Corona als Chance: So profitieren kluge Köpfe von der beschleunigten Digitalisierung

Kluge Köpfe sehen in der Coronavirus-Krise die Chancen der beschleunigten Digitalisierung.
Kluge Köpfe sehen in der Coronavirus-Krise die Chancen der beschleunigten Digitalisierung.
Das Coronavirus fegt wie ein Wirbelsturm über die Erde und sorgt für Krankheit, Elend und Tod. Eine Sichtweise, die sicherlich aktuell noch im Vordergrund steht, kluge Köpfe wenden sich allerdings jetzt schon den potentiellen Chancen zu, die sich durch die geänderten Bedingungen kurz-, mittel- und langfristig ergeben und davon gibt es dank der forcierten Digitalisierung jede Menge.
Alexander Fagot,

Viele Länder, insbesondere jene, die zu spät auf die exponentielle Ausbreitung des Corona-Virus reagiert haben, sind noch mit dem Zählen der Coronavirus-Opfer beschäftigt, vor allem Entwicklungsländer werden aufgrund von Überbevölkerung und schlechteren Gesundheitssystemen wohl noch lange mit den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie zu kämpfen haben. Nicht nur Börsianer begreifen Krisen aber vor allem auch als Chance, viel Geld zu machen, die Gesellschaft insgesamt kann trotz drohender Wirtschaftskrise und der Entbehrungen im Alltag mittel- und langfristig von der aktuellen Situation profitieren. 

Die erfreuliche Mobilisierung der Industrie konzentriert sich aktuell natürlich primär auf das, was insbesondere das medizinische Personal vor COVID-19 schützen kann und Intensivmediziner verstärkt benötigen: Schutzmasken und Beatmungsgeräte etwa, die in weltweiten Initiativen und bewundernswerter Kreativität produziert werden. Doch im Hintergrund läuft auch eine bisher beispiellose Digitalisierungswelle auf Basis lange vorhandener Strukturen, die unsere Gesellschaft allerdings bisher, aus vielerlei Gründen, größtenteils ignoriert hatte.

Dass Manager für ein einzelnes Meeting einen Flug ins Ausland auf sich nehmen, Patienten persönlich im Wartezimmer eines Arztes vorstellig werden müssen um sich krank zu melden oder Rezepte zu erhalten, Vorlesungen an der Universität nur vorort in überfüllten Hörsälen verfolgt werden können oder kontaktloses Bezahlen in Geschäften, insbesondere im deutschsprachigen Raum, oft schlicht nicht angeboten wurde, sind nur die offensichtlichsten Beispiele für eigentlich längst überholte Traditionen, die sich ohne die Coronavirus-Krise wohl noch viel länger gehalten hätten, weil wir als Menschen nur allzu gerne auf Gewohntes setzen.

Lange wurden Kreditkarten vom Einzelhandel ignoriert, nun steht kontaktloses Bezahlen plötzlich im Vordergrund.
Lange wurden Kreditkarten vom Einzelhandel ignoriert, nun steht kontaktloses Bezahlen plötzlich im Vordergrund.

Verschlafene Digitalisierung

Dass jetzt plötzlich jeder kleine Händler an einem Quick-and-Dirty Onlineshop bastelt, Home-Office auch bei bisher eher unwilligen Unternehmen zum guten Ton gehört und Anbieter von Online-Meetingapps in Windeseile ihre teils haarsträubenden Sicherheitslücken fixen müssen sind untrügliche Zeichen dafür, dass unsere Gesellschaft einen wichtigen Trend teils verschlafen hat: Die Digitalisierung. Ohne den zusätzlichen Druck durch die aktuelle Gesundheitskrise wären die seit langem geplanten Digitalisierungspakete an unseren Schulen wohl noch weitere Monate oder Jahre verschlampt worden, jetzt mussten die E-Learning-Tools plötzlich von heute auf morgen in den Praxiseinsatz - mit Bauchweh aber als Chance für die Zeit danach.

Und so lässt sich die SARS-COV2-Pandemie insgesamt auch als große Chance für all jene sehen, die spätestens jetzt den großen Bedarf erkennen, der sich aus den Umwälzungen ergibt, die sich gerade in der Gesellschaft beobachten lassen. Die lange von vielen verschlafene Digitalisierungswelle, die nun über uns hinweg schwappt, wird sich auch nach der Rückkehr zur Normalität nicht mehr aufhalten lassen. Menschen gewöhnen sich insbesondere in Krisen an neue Verhaltensweisen und werden auch in Zukunft verstärkt auf kontaktloses Bezahlen oder Home-Working setzen wollen, immerhin gewinnt man durch letzteres oft auch ein wenig mehr an Lebensqualität. Manche störrischen Unternehmer werden die Win-Win-Situation nun erkannt und geübt haben und auch künftig auf ökonomischere Online-Meetings und -Präsentationen setzen, Cybersecurity und ein gut strukturiertes Intranet über die physischen Grenzen des Unternehmens hinaus werden noch mehr als bisher an Bedeutung gewinnen.

Nach Corona könnten verbesserte Virtual- und Augmented Reality-Anwendungen an Bedeutung gewinnen.
Nach Corona könnten verbesserte Virtual- und Augmented Reality-Anwendungen an Bedeutung gewinnen.

Viele Branchen profitieren

Alle, die in den nächsten Jahren an der Verbesserung digitaler Tools und virtueller Welten arbeiten, dürften stark von der jetzt als disruptiv empfundenen Krise profitieren, dazu gehören etwa auch die zuletzt etwas eingeschlafenen Virtual- und Augmented Reality-Bemühungen der Industrie, auf die etwa auch Apple seit Jahren hinarbeitet und wo gerade jetzt verstärkt investiert wird. Man kann sich durchaus vorstellen, dass sowohl VR als auch AR gut dazu geeignet sind, der Immobilienbranche virtuelle Hausbesichtigungen zu erleichtern, Touristen den einen oder anderen Trip näher zu bringen oder sogar zu ersetzen beziehungsweise noch immersivere e-Learning-Anwendungen oder Event-Übertragungen von Konzerten oder Sportveranstaltungen zu ermöglichen.  

Das alles war bereits bisher möglich, wurde aber nur von wenigen Menschen genutzt. Verbesserte Technik und Investitionen aufgrund der forcierten Digitalisierung werden all diese Trends mit hoher Wahrscheinlichkeit beschleunigen und künftig eventuell auch Messeveranstaltungen obsolet oder zumindest optional machen. Bereits nach der abgesagten Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona Ende Februar wurden vielerorts Stimmen laut, die eine Zukunft mit weniger großen Messe-Events prophezeiten. Hersteller merken in diesem Jahr gerade, dass sie ihre neuen Produkte durchaus auch durch Online-Präsentationen erfolgreich an Mann und Frau bringen können und sich auch gar nicht so neue digitale Möglichkeiten finden, mit Geschäftspartnern in Kontakt zu kommen. 

Die Telemedizin ist ein weiteres, bis zuletzt sehr unterschätztes Geschäftsfeld, in dem mittelfristig folgenschwere Entwicklungen zu erwarten sind. Es wird auch nach Corona ein Vorteil für Patient und Arzt sein, wenn beide in der Arztpraxis nicht völlig unnötigerweise mit Grippeviren in Kontakt kommen, viele Symptome lassen sich auch über eine Online-Session am PC oder mobil am Smartphone abklären, der Arztbesuch wird künftig für alle, die ihn wirklich benötigen reserviert sein, was auch dringend benötigtes Geld im Gesundheitswesen spart. IT-Dienstleister sehen schon jetzt langfristig positive Entwicklungen durch die beschleunigte Digitalisierung, etwa Christoph Wendl, Gründer des Wiener IT-Dienstleisters Iphos:

Wir haben im Zuge der Ausgangsbeschränkungen durch die Corona-Pandemie einen starken Zuwachs an Anfragen in Bezug auf die Ausstattung von sicheren Home Office Arbeitsplätzen gesehen: Terminalserver, verschlüsselte Notebooks, VPN-Zugänge. Aber auch Collaboration Plattformen wie shareIT und unternehmensinterne Suchmaschinen wie searchIT sind derzeit verstärkt gefragt, auch im Home Office soll ja der Austausch mit den Kollegen und der einfache Zugang zu alle Arbeitsunterlagen gewährleistet sein. Ich bin sicher, dass nach dem eher unfreiwilligen "Probelauf" in Zukunft stärker auf dezentrale Arbeitsplätze gesetzt wird. Die technischen Möglichkeiten sind ja bereits seit langem gegeben. Für Unternehmen brächte dies finanzielle Einsparungen und Mitarbeiter könnten durch wegfallende Arbeitswege profitieren. Was auch bei dem als nächstes anstehenden Kampf gegen den Klimawandel nicht unerheblich ist.

Die Digitalisierung kann auch eine Chance für die Zeit nach Corona sein. Stichwort: Klimawandel.
Die Digitalisierung kann auch eine Chance für die Zeit nach Corona sein. Stichwort: Klimawandel.

Jetzt in digitale Kompetenzen investieren!

Das Thema Klimawandel, das derzeit etwas in den Hintergrund gerückt ist, wird wohl 2021 wieder von zentraler Bedeutung für das Überleben unserer Gesellschaft - die Digitalisierung bietet auch hier potentiell Antworten, wenn sie sinnvoll genutzt wird, um etwa unnötige Reisen zu ersetzen. Die Coronavirus-Pandemie, so disruptiv sie auch für unsere globalisierte Gesellschaft ist, kann durchaus auf vielen Ebenen als Chance wahrgenommen werden. Wir als Gesellschaft und als Individuen hinterfragen gerade unsere alltäglichen Verhaltensweisen und Gewohnheiten - vom Händeschütteln und Masken-Tragen bis zur Erkenntnis, dass eine grenzenlose Globalisierung nicht nur Vorteile, sondern auch so manchen Nachteil bringt, mit dem wir in Zukunft vielleicht anders umgehen wollen, etwa beim Thema der ausgelagerten Medikamentenproduktion in China und Indien.

Nicht jede im Moment leider dringend nötige Einschränkung wird uns nach dem Jahr 2020 noch erhalten bleiben - der Tourismus wird sich etwa langfristig wieder erholen, Menschen werden sich wieder bei Massenveranstaltungen, Kultur- und Sport-Events treffen, weil das einfach in unserer aller Natur liegt. Dennoch bietet die aktuelle Krise die Chance für jeden einzelnen von uns, jetzt darüber nachzudenken, wie wir unsere Zukunft aktiv verbessern können - für kluge Unternehmer und Startups liegen die Möglichkeiten vor allem im frühzeitigen Erkennen der Anforderungen einer stärker digitalisierten Welt, die in einem Feldversuch gerade weltweit durchgetestet wird. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt und in den Ausbau seiner digitalen Kompetenzen investiert, egal ob als Unternehmer oder als Individuum, wird langfristig gestärkt aus der Krise hervor gehen.

Quelle(n)

Eigene

Bildquellen: Eigene, Gerd Altmann, Gerd Altmann 2S.Hermann & F.Richter

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Autor: Alexander Fagot,  7.04.2020 (Update:  7.04.2020)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Managing Editor News
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.