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Corona-Warn-App veröffentlicht: Datenkrake oder Lebensretter?

Heute wurde die Corona-Warn-App der Bundesregierung veröffentlicht (Bild: Google Play)
Heute wurde die Corona-Warn-App der Bundesregierung veröffentlicht (Bild: Google Play)
Seit heute ist die offizielle Corona-Warn-App der Bundesregierung und des RKI in den App Stores von Android und iOS verfügbar. Doch schon jetzt gibt es immer mehr Leute, die sich die App nicht herunterladen, da sie der Regierung im Bezug auf Datenschutz nicht vertrauen. Aber ist dieses Missvertrauen gerechtfertigt?
Cornelius Wolff,

Seit mittlerweile mehreren Monaten wurde an der neuen Corona-Warn-App der Bundesregierung gearbeitet. Nachdem es Anfangs einige Streitigkeiten um den Ansatz der App gab, wurde diese jetzt endlich veröffentlicht (Google Play Store oder Apple App Store). Dabei setzt die Bundesregierung auf ein Open-Source-Modell, bei dem die meisten Daten offline gespeichert werden und das somit Vertrauen schaffen soll. Nichts desto trotz mehren sich im Internet schon jetzt die Kommentare, die behaupten, dass die Regierung mit der App ihre Bürger tracken will. Doch sind diese Sorgen überhaupt berechtigt?

Die neue Überwachungsapp der Regierung?

So sieht der Startbildschirm der Corona-Warn-App aus (Bild: Google Play)
So sieht der Startbildschirm der Corona-Warn-App aus (Bild: Google Play)

Das Grundprinzip der Corona-Warn-App ist relativ simpel. Per Bluetooth wird in periodischen Abständen getestet, ob sich andere Smartphones mit der App und mit eingeschalteten Bluetooth in der Nähe aufhalten. Sollte dies für mehr als 15 Minuten der Fall sein, speichert die App die ID des anderen Smartphones in einer verschlüsselten SQLite-Datenbank auf dem Smartphone. Die IDs sind hierbei auch nicht mit irgendwelchen Namen verknüpft, sondern werden zufällig für jeden Nutzer erzeugt. Dementsprechend muss man bei der Installation der App kein eMail etc. angeben. Ganz nebenbei werden die IDs auch nur für zwei Wochen gespeichert. Sollte man dann einen positiven Test erhalten, kann man dies freiwillig über einen QR-Code in der App eingeben, der vom Gesundheitsamt bereitgestellt wird. Anschließend findet sich die eigene anonyme ID auf dem Server und kann von allen anderen App-Nutzern eingesehen werden, die damit überprüfen, ob sie mit diesem Nutzer mehr als 15 Minuten nahen Kontakt hatten.

Dementsprechend sollte an dieser Stelle klar sein, dass die App vom Prinzip her nicht die Standortdaten der Nutzer für die Regierung sammelt. Was wäre allerdings, wenn die Regierung das heimlich macht? Dies dürfte relativ schwierig werden, da der Code der App Open Source ist. Es würde doch sehr schnell auffallen, hätte die Bundesregierung hier eine Backdoor für die Bewegungsdaten der Nutzer eingebaut. Und warum benötigt die App dann unter Android Zugriff auf die Standortdaten? Das ist ein sehr spezifisches Problem von Android. So kann man unter Googles Betriebssystem seit der Version 6.0 die Kontaktverfolgung per Bluetooth Low Energy nur dann nutzen, wenn die App in den Android-Einstellungen Zugriff auf die Standortdaten erhält, selbst wenn diese eigentlich gar nicht benötigt werden.

Zwang durch den Arbeitgeber

Eine weitere Frage lautet häufig, ob man vom Arbeitgeber dazu gezwungen werden kann, die App zu installieren. Diese Frage wurde heute in einer Pressekonferenz auch an die Bundesjustizministerin Lambrecht (SPD) gerichtet. Ihr zufolge sind Arbeitgeber zwar zumindest auf den Diensthandys ihrer Angestellten weisungsbefugt, allerdings muss hier immer eine Interessensabwägung stattfinden. Und an dieser Stelle ist ihr zufolge ziemlich klar, dass das Interesse des Arbeitnehmers auf Selbstbestimmung in dem Bereich wichtiger ist, als die Weisungsbefugnis des Arbeitgebers.

Bringt doch alles nichts

Ein weiteres häufig genanntes Argument gegen die App lautet: "Das bringt doch eh nur was, wenn das alle machen. Und da das eh niemals alle machen, lade ich sie mir ebenfalls nicht runter." Dieses Argument ist insofern erst mal total unlogisch, da man somit Teil des Problems ist, das man als Grund anführt. Des weiteren ist es auch in der Praxis nicht ganz richtig. Es stimmt zwar, dass die App effektiver wird, je mehr Menschen sie benutzen. Nichts desto trotz ermöglicht es die App selbst bei einer geringeren Verbreitung von beispielsweise 20 Prozent, zumindest einige Kontaktpersonen vor einer möglichen Infektion zu warnen, somit den Reproduktionswert zu verringern und eventuell Leben zu retten.

Zusammengefasst gibt es also recht wenig Gründe, sich die App nicht zu installieren. Verpflichtend ist diese natürlich trotzdem nicht, was nach Ansicht der meisten Experten auch gut ist. Man sollte sich allerdings nicht hinter irgendwelchen Spionage-Fanatasien verstecken, da diese in der Praxis ziemlich schwer zu belegen sind. Auch die Sorge, dass man bei einem Alarm durch die App sofort in Zwangsquarantäne gesteckt wird, ist unbegründet. Die Entwickler bauen hier durch die Anonymisierung auf das Verantwortungsbewusstsein der Nutzer, sich bei einem Alarm selber testen zu lassen. Niemand wird dazu gezwungen.

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Autor: Cornelius Wolff, 16.06.2020 (Update: 16.06.2020)
Cornelius Wolff
Cornelius Wolff - News Editor
Seit ich mit 8 meinen ersten PC geschenkt bekommen habe (damals noch mit einem AMD Athlon Single-Kern-Prozessor) und ich dieses Gerät auch gleich munter auseinander gebaut habe, hat mich die Technik nie wieder losgelassen. So kam es, dass ich schon mit jungen Jahren immer weiter in die Welt der Computer-Technik eingetaucht bin. Als ich dann 2015 zum ersten Mal auf Notebookcheck gestoßen bin, war ich begeistert von dem Umfang den diese Seite bietet. Nun arbeite ich seit meiner erfolgreichen Bewerbung im Jahr 2016 als freier Mitarbeiter bei Notebookcheck als News- und Hardware-Redakteur.