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Kurztest: So schlagen sich die Samsung Galaxy Buds Live gegen die Apple AirPods Pro

Die Samsung Galaxy Buds Live sind schick, doch können sie es auch in der Praxis mit den Apple AirPods Pro aufnehmen? (Bild: Samsung)
Die Samsung Galaxy Buds Live sind schick, doch können sie es auch in der Praxis mit den Apple AirPods Pro aufnehmen? (Bild: Samsung)
Mit den Galaxy Buds Live hat Samsung kürzlich die spannendsten komplett drahtlosen Ohrhörer seit Jahren vorgestellt – das Design unterscheidet sich maßgeblich von allen Konkurrenten, die gebotenen Features sind zahlreich. Ob die ungewöhnlichen Ohrhörer den Marktführer übertreffen können klären wir in diesem kurzen Vergleichstest.
Hannes Brecher,
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Es lässt sich kaum bestreiten, dass die Samsung Galaxy Buds Live spannende Ohrhörer sind, die den Apple AirPods Pro ernsthafte Konkurrenz machen könnten, denn die Ohrhörer haben mit einem Preis von aktuell nur rund 134 Euro auf Amazon, einem schicken Design und Features wie einer aktiven Geräuschunterdrückung (ANC) und einer Akkulaufzeit von bis zu 8 Stunden (ohne ANC und Bixby) einiges zu bieten.

Samsung hat uns die Galaxy Buds Live für ein paar Wochen leihweise zur Verfügung gestellt, sodass wir die Ohrhörer mit den Marktführern vergleichen konnten. Die Resultate sind durchaus spannend, wie bei Audio-Produkten üblich empfiehlt es sich aber nach Möglichkeit, die beiden Kontrahenten selbst auszuprobieren, um sich ein Bild vom Klang zu verschaffen. 

Bei den Features hat Apple die Nase vorn

Sowohl die AirPods Pro als auch die Galaxy Buds Live bieten viele der üblichen TWS-Funktionen, wie beispielsweise die Möglichkeit, die Wiedergabe per Berührung zu steuern oder die aktive Geräuschunterdrückung. Die Akkulaufzeit ist bei Samsung sogar ein Stück besser, denn selbst wenn sämtliche Features aktiviert sind halten die Ohrhörer noch 5,5 statt nur 4,5 Stunden durch. Beide Ladehüllen können drahtlos geladen werden.

Die AirPods Pro sind nach IPX4 zertifiziert und damit besser gegen Schweiß und Regen geschützt als die Alternative von Samsung, die nur IPX2 ausweist. Auch das Koppeln läuft bei beiden Modellen schnell und unproblematisch, und zwar unabhängig davon, ob man ein iPhone oder ein Android-Smartphone verwendet – Apple legt hier aber bald Auto Device Switching nach, und auch für Spatial Audio bietet Samsung keinen Ersatz.

Beachten sollte man, dass sich die Galaxy Buds über die zugehörige iOS-App auch problemlos am iPhone verwenden lassen, sogar samt Equalizer und Software-Updates, umgekehrt steht aber keine App zur Verfügung, sodass man Abstriche machen muss, wenn man die AirPods Pro mit einem Android-Gerät koppelt.

Etwas seltsam ist, dass die Galaxy Buds Live die Wiedergabe nicht automatisch pausieren können, wenn man einen Ohrhörer herausnimmt – ein Feature, das selbst in der unteren Preisklasse bereits fast zum Standard geworden ist. Insgesamt bieten die AirPods Pro also doch etwas mehr, auch wenn die längere Akkulaufzeit und der USB-C-Port den Galaxy Buds Live Pluspunkte bringen.

Tragekomfort: Die Galaxy Buds Live sitzen bombenfest

Die neuen Ohrhörer von Samsung sehen schick aus, doch wie gut sitzen sie tatsächlich im Ohr? Die kurze Antwort: Bombenfest und erstaunlich komfortabel. Die etwas längere Version: Das erste Einsetzen der Galaxy Buds Live gestaltet sich ungewohnt, hat man den Dreh aber erstmal raus, so lassen sich die Ohrhörer in nur wenigen Sekunden einsetzen. 

Nach einigen Minuten könnte man fast vergessen, dass man sie trägt, und selbst bei noch so abwechslungsreichem Sport oder intensivem Kopfschütteln halten sich die Bohnen im Ohr wie der sprichwörtliche Cowboy im Sattel.

Bei den AirPods Pro sieht das kaum anders aus, allerdings gilt hier wie für alle In-Ears mit Silikon-Ohrstöpseln: Es ist dringend notwendig, die richtige Größe auszuwählen, und anschließend gibt es vor allem für In-Ear-Neulinge eine Eingewöhnungsphase. Ist diese erstmal überstanden sitzen Apples Flaggschiff-TWS komfortabel und sicher im Gehörgang.

ANC: Zurück ans Zeichenbrett, Samsung!

Der Verzicht auf jedwede Art von Ohrstöpseln hat zur Folge, dass die Galaxy Buds Live praktisch keine passive Isolierung vor Außengeräuschen bieten. Dadurch leidet auch die aktive Geräuschunterdrückung, die beispielsweise bei einer Zugfahrt kaum einen Unterschied macht.

Nimmt man die AirPods Pro zum Vergleich, so fallen die Defizite noch deutlicher auf: Mit Apples In-Ears sind die Fahrgeräusche der Eisenbahn kaum zu hören, sogar wenn keinerlei Musik abgespielt wird, bei Samsungs TWS stören die Nebengeräusche sogar noch bei halber Lautstärke.

Eine weitere Folge dieses Designs ist, dass die Musik, die man hört, deutlich lauter nach außen dringt. Sitzt man in einer vollen U-Bahn, so können benachbarte Passagiere definitiv ausmachen, welchen Song man gerade hört – das ist bei den AirPods Pro kaum möglich. Wer Mitreisende in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht stören möchte, der sollte besser nicht zu Samsungs neuesten TWS greifen.

Sound: Das ungewöhnliche Design fordert seinen Tribut

Die Samsung Galaxy Buds Live bieten einen offenen Klang, dem es allerdings ein wenig an Details und Druck fehlt. Besonders deutlich wird das Beispielsweise beim Song "Empty" von Garbage – während die Stimme von Shirley Manson mit den AirPods Pro klar zu verstehen ist würde man bei den Galaxy Buds Live denken, dass die begabte Sängerin ins Studio-Mikrofon genuschelt hat.

Dieser Eindruck zieht sich durch die gesamte Testphase, selbst Orla Gartlands relativ hohe Stimme kann sich in "Did it to Myself" kaum von der Gitarre abheben, während der Beginn von "Figure It Out" einen besseren Eindruck hinterlässt – bis die genannten Schwächen im Refrain nur zu deutlich zu Tage treten. Bei "bad guy" von Billie Eilish fehlt dagegen der nötige Druck, der den Song erst zum Leben erweckt – die AirPods Pro kommen mit der übertriebenen Baseline allerdings nur unwesentlich besser zurecht.

Der Refrain von Our Last Nights "Demons" zeigt abermals, dass die AirPods Pro Stimmen ein Stück klarer wiedergeben können, während die Ohrhörer von Samsung immerhin mit klassischeren Kompositionen wie Cecilia Bertolinis "Corner of the Earth" etwas besser klarkommen. 

Nach rund zwei Wochen intensiver Nutzung kann der Klang aber bestenfalls als "okay" beschrieben werden – gut genug für eine angenehme Hintergrundbeschallung bei halber Lautstärke, zum Telefonieren oder Podcasts hören, mitreißender Klang geht aber anders. Der Equalizer hilft hier übrigens kaum – dieser verändert den Klang zwar, um etwa die Höhen oder den Bass zu verstärken, die beschriebenen Schwächen lassen sich damit aber nicht ausgleichen. Die AirPods Pro sind ebenfalls keine Hi-Fi-Ohrhörer, die meisten getesteten Titel klingen mit Apples TWS aber deutlich angenehmer, detailreicher und druckvoller.

Fazit: Samsung kann es (noch) nicht mit dem Marktführer aufnehmen

Mit den Samsung Galaxy Buds Live hat Samsung den hart umkämpften TWS-Markt um einen komplett neuen Formfaktor bereichert, der nicht nur schick aussieht, sondern auch angenehm zu Tragen ist. Leider sind die Ohrhörer in ihrer aktuellen Form nicht zu empfehlen – die aktive Geräuschunterdrückung funktioniert kaum, der Sound ist bestenfalls in Ordnung, da gibt es in dieser Preisklasse bessere Alternativen. 

Die AirPods Pro sind derzeit die bessere Wahl, vor allem für Kunden mit einem iPhone, allerdings machen die Galaxy Buds Live Lust auf mehr – bleibt nur zu hoffen, dass Samsung die Probleme der ersten Generation mit einem zukünftigen Modell beheben kann.

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Autor: Hannes Brecher, 15.09.2020 (Update: 15.09.2020)
Hannes Brecher
Hannes Brecher - News Editor
Seit ich als Kind einen Game Boy Color mit Pokemon Rot geschenkt bekam, war ich fasziniert davon, wie man ganze Welten mithilfe von so einfachen Grafiken und Texten erschaffen kann. Das hat nicht nur mein Interesse an Hard- und Software geweckt, sondern auch meine Leidenschaft für Design und für’s Schreiben, die ich nun als Grafikdesigner und Redakteur ausleben darf.