Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt im Zuge des Nexperia-Streits eindringlich vor einer neuen Chipkrise und beispiellosen Produktionsstopps. VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnte am Dienstag mit deutlichen Worten: "Fallen die Nexperia-Chips länger aus, stehen Bänder still." Sollte der politische Streit um das Unternehmen in den Niederlanden nicht rasch beigelegt werden, rechnet der Verband mit massiven Störungen bis hin zum Produktionsstillstand. Die Konsequenzen treffen die deutsche Wirtschaft unmittelbar.
Unterstützung erhält der VDA vom europäischen Automobilverband ACEA, der die Lage ebenfalls als kritisch bewertet.
Hintergrund der Eskalation
Die Chip-Knappheit ist eine direkte Folge der geopolitischen Konfrontation. Nexperia ist eine Tochter des chinesischen Wingtech-Konzerns. Weltweit beschäftigt das Elektronikunternehmen rund 11.700 Menschen und ist Schlüssellieferant für einfache, aber systemrelevante Halbleiter.
Die niederländische Regierung übernahm am 30. September die Kontrolle über das Unternehmen, um die Abwanderung von technologischem Wissen zu verhindern. Gerichtsakten zufolge erfolgte dieser seltene Schritt auf Drängen der US-Regierung. Als direkte Antwort darauf verbot die chinesische Regierung am 4. Oktober den Export von in China produzierten ICs und Komponenten. Das größte Werk des Unternehmens befindet sich in Hamburg, wo 2.500 Mitarbeitende beschäftigt sind - es ist aber auf diese ausbleibenden chinesischen Zulieferungen angewiesen.
Unverzichtbare Basis-Chips in Gefahr
Nexperia liefert vor allem einfache Halbleiter wie Dioden und Transistoren. Obwohl nicht hochkomplex, sind diese Komponenten unverzichtbar. Sie stecken in hohen Stückzahlen in elektronischen Steuergeräten und wichtigen Fahrzeug-Sicherheitssystemen. Das Unternehmen entwickelt zudem moderne Chips für das Batteriemanagement. Dies macht Elektrofahrzeuge, die ohnehin mehr Chips nutzen, besonders verwundbar.
Zulieferer wie ZF und Bosch reagierten sofort und richteten Taskforces ein, um alternative Lieferketten zu prüfen und die Lage zu bewältigen.
Aktuelle Hersteller-Lage
BMW und Mercedes-Benz erklärten, die Produktion laufe derzeit planmäßig und man sei kurzfristig abgesichert. Auch Volkswagen meldete eine unbeeinträchtigte Produktion. Ein VW-Sprecher dementierte Berichte, wonach eine geplante Produktionsunterbrechung am Freitag in Wolfsburg mit einem Chipmangel zusammenhänge. Es handele sich um eine geplante Inventurmaßnahme.
Der VDA steht im engen Austausch mit den betroffenen Unternehmen, der Bundesregierung und der EU-Kommission, um pragmatische Lösungen zu erarbeiten. Parallel dazu sucht der geschäftsführende Wirtschaftsminister der Niederlande, Vincent Karremans, im direkten Gespräch mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Wentao nach einem diplomatischen Ausweg.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel basiert auf Informationen der Nachrichtenagenturen und Verbände VDA und ACEA.



















