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Erste Android 11 Developer Preview ist da: Alle Google-Neuheiten im Überblick

Google beginnt 2020 recht früh mit dem Testen der 11. Android-Version. Alle Neuerungen im Überblick.
Google beginnt 2020 recht früh mit dem Testen der 11. Android-Version. Alle Neuerungen im Überblick.
(Update: Hinweis auf Pixel 5 Battery Share-Feature) Die erste Developer Preview von Android 11 ist da, läuft offenbar überraschend stabil und das dank Project Treble nicht nur auf Pixel-Phones sondern sogar dem einen oder anderen OEM-Handy, etwa von Motorola. Wir haben alle Neuigkeiten die bis dato von ersten Testern entdeckt wurden und die Google selbst bereits bekannt gab, zusammengetragen.
Alexander Fagot,

Offiziell ist Android 11 beziehungsweise Android R, wie es sich teilweise noch selbst identifiziert, seit wenigen Stunden für alle Google Pixel Phones ab Modell 2 erhältlich, sprich Pixel 2, Pixel 3, Pixel 3a und Pixel 4 sowie natürlich deren XL-Varianten. Wer eines dieser Smartphones nutzt, kann gleich loslegen und die erste Developer Preview installieren, was wir für den Produktivbetrieb dennoch nicht empfehlen würden. Fehler, möglicherweise sehr kritische sind zu erwarten, auch wenn erste Tester von der Stabilität durchaus positiv überrascht sind. Dank Project Treble gibt es auch bereits Feldversuche mit Android 11 auf Smartphones von anderen OEM-Herstellern, etwa Motorola:


In der aktiven Entwicklerszene wird also bereits eifrig getestet, insbesondere die Kollegen des XDA-Developer-Forums sind eifrig am Ausprobieren der ersten Betaversion und konnten dadurch bereits das eine oder andere nicht offiziell angekündigte Feature entdecken, auf die wir weiter unten auch eingehen wollen. Wie so oft in der Vergangenheit dürften im Laufe des Entwicklungsprozesses bis zum Launch der finalen Version gegen Ende des Sommers einige dazukommen, insbesondere deutlicher sichtbare wohl erst rund um die Google I/O Entwicklerkonferenz im Mai. Die meisten Änderungen in der ersten Entwicklerversion spielen sich dagegen eher unterhalb der Oberfläche ab.

Die finale Android 11-Version wir für Spätsommer 2020 erwartet.
Die finale Android 11-Version wir für Spätsommer 2020 erwartet.

Finale Version im Spätsommer

Kurz zum Zeitplan: Bis zur Google I/O sind drei Entwickler-Vorschauversionen geplant, danach dürfte es zwei oder möglicherweise mehr Betaversionen bis zum groben Launchfenster im dritten Quartal 2020 geben, also zwischen Juli und September. Erste mit Android 11 ausgelieferte Smartphones werden dann das Pixel 5 sowie möglicherweise auch bereits wieder Herbstneuheiten anderer Hersteller. Großes Thema bei Android 11 ist natürlich die bestmögliche 5G-Unterstützung auf Software-Ebene, hierfür bringt Android 11 neue APIs mit, die es Entwicklern ermöglichen werden, unlimitierte von limitierten 5G-Verbindungen zu unterscheiden und beispielsweise die Qualität der Videowiedergabe flexibel anzupassen oder die zur Verfügung stehende Bandbreite abzuschätzen.

Praktische Neuerungen im Alltag

2020 wird die Anzahl unterschiedlicher Displaytypen am Handy weiter ansteigen. Von faltbaren Smartphones über Dual-Display-Geräte wie das kommende Surface Duo bis zu Waterfall-Displays, unterschiedlichen Displayloch-Formen und -Positionen und der einen oder anderen Notch - all das unter einen Hut zu bringen und dabei die jeweils beste Benutzererfahrung zu bieten, wird für Google eine wichtige Aufgabe in Android 11 sein. Als Beispiel seien hier neue Schnittstellen erwähnt, die Randbereiche auf seitlich stark gebogenen Waterfall-Displays für die Gestensteuerung definieren. Wenn wir schon bei den APIs sind: Benachrichtigungen können in Android 11 beim Videoschauen oder Musik hören automatisch ohne die bisher störende Audio-Unterbrechung eintreffen, Kamera-Apps von Drittanbietern etwa auch den Porträt-Modus nutzen. 

Scrolling-Screenshots einer ganzen Seite.
Scrolling-Screenshots einer ganzen Seite.
Ein Musik-Player in den Quick-Settings.
Ein Musik-Player in den Quick-Settings.
Dieses Feature muss manuell aktiviert werden.
Dieses Feature muss manuell aktiviert werden.

Privatsphäre wird gestärkt

Einmal mehr stärkt Google mit Android R die Privatsphäre seiner Nutzer und verschärft den Zugriff insbesondere auf Standortinformationen im Hintergrund. Nicht nur dass eine Option zum einmalig beschränkten Zugriff auf Kamera, Standort oder Mikro eingeführt wird, dem permanenten und breitflächigen Mitloggen des Standortverlaufs im Hintergrund soll durch diverse Maßnahmen praktisch der Garaus gemacht werden. Spätestens bis November 2020 müssen Apps, die permanenten Zugriff auf die Standortinformationen ihrer Nutzer wollen, dies gegenüber Google rechtfertigen oder werden aus dem Play Store entfernt, der Nutzer muss diesen Apps zudem in den Einstellungen separat das Recht dazu gewähren, eine simple Abfrage beim ersten App-Start reicht in Android 11 nicht mehr.

Ernst wird es für Entwickler mit Android 11 auch beim Thema Speicherzugriff. Auf Daten anderer Apps oder gar den gesamten Speicher zugreifen wird künftig schwieriger. Was in Android 10 mit dem "Scoped Storage"-Modell bereits freiwillig möglich war, wird in der nächsten Android-Version zur Pflicht. File-Manager-Apps, die breiten Storage-Zugriff natürlich brauchen, müssen künftig eine explizite Erlaubnis von Google einholen, alle anderen dürfen nur mehr auf ihre eigenen Daten zugreifen, dies dafür ohne Berechtigung. Eine App, die etwa auf Multimedia-Dateien anderer Apps, beispielsweise die Foto-Galerie zugreifen will, muss sich dazu eine Erlaubnis vom Nutzer holen.

Neue Notifications-Log-History.
Neue Notifications-Log-History.
Mehr Touch-Sensitivity-Optionen am Pixel 4.
Mehr Touch-Sensitivity-Optionen am Pixel 4.
Neue Motion Sense-Gesten am Pixel 4.
Neue Motion Sense-Gesten am Pixel 4.

Project Mainline erweitert

All diese Änderungen und vor allem auch die umfassenden Verschärfungen beim Thema Sicherheit, etwa die Unterscheidung zwischen sichereren und unsichereren biometrischen Login-Erfahren (Face Unlock mit oder ohne 3D-Sensoren) können und werden natürlich zu vielen Problemen mit älteren Apps führen, hier stehen Entwicklern arbeitsreiche Monate bevor. Auch OEM-Hersteller müssen mit Android 11 wieder viele Änderungen in Kauf nehmen, etwa das Auslagern weiterer Module in Richtung direkter Google-Kontrolle für das zentrale Update durch den Play Store. Was unter dem Namen "Project Mainline" bekannt wurde und mit Android 10 bereits begonnen wurde, erweitert Google etwa um Module für das Maschinenlernen (Neural Networks API in neuer Version 1.3), das erwähnte "Scoped Storage"-Modul oder diverse Netzwerkmodule wie WLAN.

Diverse weitere Neuigkeiten

Wie so oft verbergen sich viele spannende Neuerungen in unterschiedlichen Bereichen, die erst schrittweise beim Ausprobieren der neuen Version entdeckt werden. Einige erste Beispiele hierfür kurz zusammengefasst, viele weitere dürften in den nächsten Tagen und mit folgenden Developer-Previews und Betaversionen entdeckt werden.

  • Low-Latency-Modus beziehungsweise -Decoder für Streaming (Game-Streaming wie Stadia etc.) und HDMI-Verbindungen
  • Benachrichtigungen von Quick-Settings getrennt (experimentell, siehe Video unten, noch nicht sicher ob es in die finale Version übernommen wird)
  • Neues Benachrichtigungs-History-Log (siehe Bild oben, weitere Infos bei XDA-Developers
  • Mehr Touch-Sensitivity-Optionen, etwa am Pixel 4 (siehe Bild oben, weitere Infos bei XDA-Developers)
  • Neue Motion Sense-Geste zum Stoppen von Musik am Pixel 4 (Siehe Bild oben, weitere Infos bei XDA-Developers)
  • Neue Screenshots-Vorschauseite erlaubt nun auch "Scrolling Screenshots" (Screenshots einer ganzen Seite, siehe Bild oben, mehr Infos auf XDA-Developers)
  • Ein Musik-Player kann auch in den Quick-Settings auftauchen (muss vorerst manuell aktiviert werden, siehe Bilder oben, mehr Infos auf XDA-Developers)
  • Eine Battery-Share-Seite deutet auf Wireless Reverse Sharing im Pixel 5 (Siehe Bild unten, mehr Infos auf XDA-Developers)

Im Pixel 5 könnte sich ein Wireless Charging-Feature verbergen, wie Android 11 andeutet.
Im Pixel 5 könnte sich ein Wireless Charging-Feature verbergen, wie Android 11 andeutet.
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Autor: Alexander Fagot, 20.02.2020 (Update: 20.02.2020)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Managing Editor News
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.