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Tolle Kamera mit Abstrichen: Erste Xiaomi Mi Note 10-Tests durchaus positiv

Das Xiaomi Mi Note 10 sticht vor allem durch seine 108 Megapixel Penta-Cam aus der Masse hervor.
Das Xiaomi Mi Note 10 sticht vor allem durch seine 108 Megapixel Penta-Cam aus der Masse hervor.
In den nächsten Stunden wird man das Mi Note 10 und das Mi Note 10 Pro auch im deutschsprachigen Raum vorbestellen können, besonders günstig ist es in Europa allerdings nicht. Ob sich ein Kauf des Premium-Midrangers mit seiner 108 Megapixel Penta-Cam lohnt, kann man eventuell nach den ersten verfügbaren Testberichten schon ein wenig besser abschätzen. Ein Überblick über den Status Quo.

Bis dato gab es entweder teure Smartphone-Flaggschiffe mit herausragenden Kamera-Features oder mehr oder weniger gute Kameras in Midrange-Smartphones. Xiaomi probiert erstmals einen Mittelweg: Best-in-Class-Kamera mit Premium- aber letztlich doch eher Midrange-Hardware, also eine Art Zwitterwesen aus Midranger mit Flaggschiff-Kamera. Ob das Konzept aufgeht, wird wohl vor allem davon abhängen, ob sich der Konsument auf diesen Kompromiss einlassen will oder nicht.

Bei der China-Variante des Mi Note 10, dem Mi CC9 Pro, hätten wir kaum Vorbehalte, denn in Xiaomis Heimat startet das Basismodell um umgerechnet 350 Euro, das Top-Modell kostet etwa 490 Euro. In Europa zahlen wir für das Mi Note 10 allerdings satte 549 Euro, für das Mi Note 10 Pro mit etwas lichtstärkerer 8P-Optik sowie mehr RAM und Speicher sogar 649 Euro. In der Preisklasse der günstigeren Snapdragon 855-Flaggschiffe von Realme, OnePlus und auch Xiaomi will das Mi Note 10 zwar dank seiner Kamera punkten, ein Snapdragon 730G passt in dieser Preisklasse aber eigentlich nicht mehr ganz ins Bild.

Dennoch sind die meisten Tester, die das Mi Note 10 (nicht das Pro-Modell mit seiner 8P-Linse) bereits einige Tage testen konnten, durchaus der Meinung, dass Xiaomi hier einen Gewinner am Start hat, wenn man bereit ist ein paar Abstriche in Kauf zu nehmen. Auch wir werden das Mi Note 10 bei Zeiten unseren standardisierten Testprozeduren unterwerfen, vorerst aber mal ein Überblick über einige der bereits verfügbaren Testberichte, darunter auch bereits einer aus deutschen Landen.

Erste Erfahrungsberichte aus Deutschland

Weniger ein Test als ein erster Erfahrungsbericht mit jeder Menge Bildmaterial ist das Video oben aus dem Youtube-Channel des bekannten Addon-Lens-Herstellers Moment. Im Detail insbesondere in Bezug auf die zweite Telefoto-Kamera des Mi Note 10 nicht ganz korrekt, kann man hier durchaus schon mal sehen, wie sich das Mi Note 10 auf einer kleinen Trekking-Tour bei Tageslicht bewährt - die beiden Protagonisten haben ihren Ausflug mit dem Xiaomi Penta-Cam-Handy offensichtlich genossen. Etwas kritischer äußert sich Testredakteur Tobias Költzsch von der deutschen Tech-Seite Golem:

Das Highlight des Mi Note 10, die erste Smartphone-Kamera mit dem neuen 108 Megapixel-Sensor von Samsung, gefällt sowohl im Default-Pixel-Binning-Modus, bei dem jeweils vier Pixel kombiniert werden um so hellere 27 Megapixel-Fotos zu schießen, als auch im 108 Megapixel-Modus, bei dem allerdings einige Sekunden Nachbearbeitungszeit beim Speichern ins Spiel kommen. Ähnliche Probleme hatte ja auch das Nokia 9, durchaus möglich, dass hier der Mobilprozessor, der UFS 2.1-Speicher oder beides zum Flaschenhals wird. Die Bilder wirken laut Golem scharf und detailreich, Farben und Belichtung des Hauptsensors passen und das sogar wenn man auf das Pixel-Binning verzichtet. 

Etwas mehr Artefakte zeigen sich beim 2x-Teleobjektiv, das auch für Porträt-Aufnahmen genutzt wird, einen deutlichen Schärfeverlust muss man dann beim falschen (dazu weiter unten noch mehr) 5x-Tele in Kauf nehmen. Für ziemlich unbrauchbar hält der Tester den 50x Digitalzoom, das ist aber bei der Konkurrenz auch nicht viel anders. Wenig auszusetzen hat Tobias bei der restlichen Hardware des Mi Note 10: Sowohl Display als auch Rechenleistung des Snapdragon 730G reichen ihm vollständig, der 5.260 mAh Akku läuft auf jeden Fall einen Tag lang durch und wird in etwas mehr als einer Stunde wieder voll aufgeladen. Warum Xiaomi trotz MIUI 11 aber auch am brandneuen Mi Note 10 noch auf Android 9 statt Android 10 setzt, kann Golem nicht nachvollziehen (wir übrigens auch nicht!) 

Optischer 5x-Zoom ist kein echter 5x-Zoom

Durchaus auch in Bezug auf die fotografischen Fähigkeiten kritischer äußert sich Android Authority in ihrem ersten Testbericht zum Mi Note 10. Im Video oben beziehungsweise über die Webseite, werden etwa die nicht so perfekten Night-Mode-Ergebnisse im Vergleich zur Konkurrenz bemängelt, die Xiaomi möglicherweise aber durch ein Softwareupdate noch optimieren kann. Insbesondere Nachtaufnahmen mit der 20 Megapixel Ultraweitwinkel-Kamera gefallen nur unterdurchschnittlich, interessanterweise empfindet Tester David Imel die hochauflösenden 108 Megapixel-Fotos im Vergleich zu den 27 Megapixel-Varianten des Samsung-Sensors als deutlich schlechter, auch in Bezug auf die Schärfe. Er empfiehlt, generell im 27 MP-Modus zu bleiben. Nichts Negatives kommt dem Tester in Bezug auf die 32 Megapixel Selfie-Cam sowie den Porträt-Modus mit der 2x-Tele-Kamera über die Lippen, auch die Makroaufnahmen der 2 Megapixel-Mini-Cam gefallen.

Kritisiert wird aber das falsche Marketing in Bezug auf die 5x-Zoomkamera, bei der es sich nicht wirklich um eine echte 5x-Periskop-Optik wie etwa beim Huawei P30 Pro oder dem Oppo Reno 10x Zoom handelt, sondern nur um eine 3,7x Zoom-Optik in Kombination mit einer 8 Megapixel-Kamera. Xiaomi macht hier in etwa das Gleiche wie OnePlus beim OnePlus 7 Pro und schneidet einfach einen 5 Megapixel-Crop aus dem Bild aus, um auf die Fünffach-Vergrößerung zu kommen - dass hierfür aber mit 5x-optischem Zoom geworben wird, gefällt Android Authority nicht. Dafür wird Xiaomi allerdings für die Tatsache gelobt, dass sich noch ein Kopfhöreranschluss und ein IR-Blaster im Mi Note 10 befindet, der Mono-Lautsprecher an der Unterseite wirkt im Bassbereich allerdings kraftlos. Das Fazit von Android Authority: Das Mi Note 10 ist ideal für alle, die primär auf lange Laufzeiten und eine gute Kamera wert legen, allen anderen wird eher der Griff zur Konkurrenz empfohlen. 

Videoperformance laut GSMArena unterdurchschnittlich

GSMArena hat gleich zwei Videos zum Mi Note 10 gedreht, eines, oben verlinkt, mit Kamera-Fokus, das andere, unten eingebettet, zum allgemeinen Test. Vieles was die anderen Kollegen bereits geschrieben haben, bestätigt auch die alteingesessene englischsprachige Tech-Webseite, es gibt hier aber durchaus Abweichungen, möglicherweise aufgrund einer unterschiedlichen Software-Version des Testgeräts. Die langen Laufzeiten des riesigen Akkus können die Tester von GSMArena beispielsweise nur eingeschränkt nachvollziehen, insbesondere beim Surfen im Netz oder im Standby sollte das Ergebnis besser sein. Ebenfalls kritisiert wird, dass Xiaomi die 5 Megapixel-Aufnahmen der 5x-Zoomkamera offenbar anschließend wieder auf 8 Megapixel hochskaliert, was zwar wenig Qualitätsverlust bedeutet aber keinen Sinn macht. 

Dass das ansonsten sehr gut verarbeitete Gehäuse des Mi Note 10 nicht wasserdicht ist und Xiaomi nicht auf einen Snapdragon 855 setzt, ergibt sich zwar bereits aus dem Datenblatt, wäre eines Kamera-Flaggschiffs aber angemessen meinen die Tester. Im Kameratest fällt auch hier die nicht besonders gute Qualität der Zoom- und Ultraweitwinkel-Kameras bei Nacht oder schlechtem Licht auf, zudem wird die lange Aufnahmezeit im Nachtmodus kritisiert, die recht wenig Besserung im Vergleich zum Automatik-Modus bringt. Ein nicht unerheblicher Kritikpunkt ist die durch die Bank nicht gerade überzeugende Performance bei Videoaufnahmen, was insbesondere deswegen überrascht, weil DxOMark die China-Version Mi CC9 Pro Premium-Edition (wohl das Analog zum Mi Note 10 Pro mit 8P-Optik) hier ebenbürtig mit dem iPhone 11 Pro Max sieht, laut DxOMark-Videoscore sind beide hier im absoluten Spitzenfeld. 

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Autor: Alexander Fagot, 10.11.2019 (Update: 10.11.2019)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.