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Warum man Google-Apps und Services nicht auf jedem Handy nachinstallieren kann

Die Google-Apps, hier auf einem Huawei Mate 30 Pro. Klappt das so einfach? Was muss man beachten?
Die Google-Apps, hier auf einem Huawei Mate 30 Pro. Klappt das so einfach? Was muss man beachten?
Anlässlich des Huawei Mate 30-Launchevents fragen sich aktuell mehr Leute denn je, wie das mit der Nachinstallation der Google-Services und Google-Apps genau funktioniert, ob man Rootrechte braucht, oder nicht, und was für Voraussetzungen es gibt, um im Nachhinein nicht mit Googles Zertifizierungswarnungen konfrontiert zu werden. Ein kurzer Überblick zu dem Thema.

Huawei darf aufgrund des US-Technologie-Banns keine Google Mobile Services (GMS) auf neue Smartphones installieren, der erste größere Launch seit Inkrafttreten der Sanktionen im Mai ist das gestern in München präsentierte Mate 30 Pro (sowie Mate 30 und Mate 30 RS). In China traditionell kein Problem, stößt Huawei damit international auf einige Probleme, denn von einem Android-Handy erwartet der westliche und auch asiatische Käufer außerhalb Chinas nun mal Google-Apps wie Google Maps, Gmail und Co., zudem besteht das Google-Paket nicht nur aus diesen Apps sondern auch aus einem Framework an Services, das viele Drittanbieter-Applikationen erwarten.

Hier setzt Huawei mit seinen Huawei Mobile Services (HMS) an, die ebendieses Framework ersetzen soll, dazu gibt es mit der AppGallery einen auf Huawei-Handys bereits seit Jahren ein Schattendasein fristenden App-Store, in dem allerdings US-Apps wie Facebook, Instagram, Whatsapp etc. nicht zu finden sind und wohl aufgrund der US-Sanktionen auch künftig nicht vertrieben werden dürfen. Eine 1 Milliarden-US-Dollar schwere Huawei-Initiative soll es Entwicklern schmackhaft machen, das HMS-Ecosystem zu unterstützen, zumindest in den nächsten Monaten wird es Huawei in Europa aber schwer haben, gegen die hohe Verbreitung der Google-Services und -Apps anzukämpfen.

Huawei will mit dem
Huawei will mit dem
HMS-Ecosystem eine
HMS-Ecosystem eine
Alternative zu GMS bieten.
Alternative zu GMS bieten.

Eins, Zwei oder Drei

Ob Huawei es schafft, mit seinen eigenen Mobile Services international eine Alternative zu Google zu etablieren, ist eine spannende Frage unter Experten und Enthusiasten, der durchschnittliche Anwender, wird allerdings seine gewohnte Umgebung vermissen und die basiert nun mal auf vielen Google-Apps und Services. Wie oben schon angedeutet, bestehen diese nicht nur aus den sichtbaren Anwendungen im Google-Ordner sondern auch aus dem Play-Store und wichtiger, dem Framework der Google Mobile-Services, auf die viele Apps von Drittanbietern zugreifen. Und hier beginnen dann gewöhnlich die Probleme für den Anwender, wenn er versucht, Google-Apps nachzuinstallieren, etwa auf Import-Handys aus China. Je nach Hersteller und Produkt kann das relativ einfach funktionieren oder eben nicht, zudem gibt es seit dem Vorjahr auch noch eine zusätzliche Hürde nach einer erfolgreichen Installation und zwar Googles Zertifizierungs-Check.

Chefentwickler Mishaal Rahman vom XDA-Developer-Forum, bekanntlich die Profi-Quelle für alle, die mehr aus einem Android-Handy herausholen wollen, hat in einem ausführlichen Bericht die aktuelle Situation rund um das Nachinstallieren der Google-Mobile-Services zusammengefasst, insbesondere auch im Hinblick auf die aktuelle Mate 30-Familie und künftige Huawei-Phones. Abgesehen von einigen Hintergrund-Infos zum Google-Framework und dem Zertifizierungsprogramm für Android-OEMs, skizziert Mishaal drei Szenarien, die bestimmen, wie leicht es für Käufer eines China-Handys, und dazu zählt nun auch das Mate 30 Pro, ist, an die begehrten Google-Infrastruktur zu kommen, beziehungsweise welche Stolpersteine auf dem Weg dorthin drohen.

Das Mate 30 Pro von Huawei, vorerst kein offiziell von Google zertifiziertes Produkt.
Das Mate 30 Pro von Huawei, vorerst kein offiziell von Google zertifiziertes Produkt.

Szenario 1

Google Play Store und Google-Services nachinstallieren klappt oft deswegen nicht, weil sie als System-Applikationen mit höheren Rechten ausgestattet werden müssen. Hersteller wie Huawei, Honor oder Xiaomi, die auch international vermarkten, installieren daher schon in den China-Modellen kleine Anker im System, Mishaal nennt diese "Stubs", de facto Schläfer-Apps, die aber bereits mit erhöhten Rechten ausgestattet wurden und nach einem Update durch die User als vollwertige Google-Services erwachen. Auch wenn der Nutzer also keine Root-Rechte hat, kann er die Google-Services auf diesen Smartphones durch ein Update zum Leben erwecken. Auf einem Honor Magic 2, das aktuell nur in China vermarktet wird, ist dies beispielsweise der Fall, weswegen eine Nachinstallation durch das Sideloaden des Google Play Stores problemlos funktioniert.

Szenario 2

Noch einen Schritt weiter geht beispielsweise Meizu, der zusätzlich eine Art Downloader mitliefert, um Kunden außerhalb Chinas das Nachinstallieren der Google-Anwendungen und -Dienste noch einfacher zu machen. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise auch zwei Honor-Phones zu nennen, Honor 9X und Honor 9X Pro, die man über einen "Google Service Assistant" zu vollwertigen Google Play-Phones machen kann. Ob Huawei diese Anwendung künftig auch über seine AppGallery vertreiben wird, ist nicht bekannt - das wäre aber theoretisch eine mögliche, bequeme Lösung für Mate 30-Käufer außerhalb Chinas, wenngleich eine rechtlich definitiv ungeklärte.

Szenario 3

Last but not least kann ein Käufer eines China-Handys auch auf einen Hersteller treffen, der keine Vorkehrungen getroffen, und die privilegierten "Google-Stubs" nicht vorinstalliert hat. In diesem Fall wird der Anwender ohne Rooten des Geräts, sprich ohne Administratorrechte nicht weiter kommen. Sofern das betreffende Smartphone mit einem unversperrtem (unlocked) Bootloader ausgeliefert wird, oder sich dieser im Nachhinein entsperren lässt, mag das Rooten theoretisch noch möglich sein, dürfte allerdings den durchschnittlichen Anwender überfordern, ganz abgesehen von den Gefahren, die ein Rooten in Hinblick auf Malware oder ganz einfach Unwissenheit mit sich bringt. Gerootete Smartphones können zudem auch Probleme mit einigen Apps verursachen, etwa Banking-Apps.

Google warnt auf nicht zertifizierten Geräten und blockiert den Zugriff auf die Google-Apps. (Bild: liam_davenport, XDA)
Google warnt auf nicht zertifizierten Geräten und blockiert den Zugriff auf die Google-Apps. (Bild: liam_davenport, XDA)

Die Sache mit der Google-Zertifizierung

Leider ist die Sache mit der erfolgreichen Installation der Google-Services und -Apps noch nicht erledigt, denn seit 2018 überprüfen die Kalifornier vor dem Start einer Google-App noch, ob das Gerät auch ordnungsgemäß zertifiziert wurde. Diese Blockade dürfte etwa auf Meizu-Handys des Öfteren auftreten, lässt sich aber lösen, wenn man eine Anleitung zur Registrierung des Geräts befolgt, die aber eigentlich nur für engagierte Nutzer von Custom-Roms wie LineageOS gedacht ist. Hersteller, die international zertifizierte Android-Phones mit Google ausliefern, sind von diesem Problem gemeinhin nicht betroffen, das trifft etwa auf China-Handys von Xiaomi, Asus und bisher auch Honor und Huawei zu. Zukünftig, und damit potentiell auch bereits am Mate 30 Pro, könnte diese Warnung aber durchaus auf Smartphones von Huawei auftauchen, was für unbedarfte Nutzer sicher problematisch wäre.

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Autor: Alexander Fagot, 20.09.2019 (Update: 20.09.2019)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.