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Android Oreo-Updates: Warum einige Phones kein Project Treble erhalten

Die aktuellen Nokia- und OnePlus-Flaggschiffe müssen auf Project Treble verzichten.
Die aktuellen Nokia- und OnePlus-Flaggschiffe müssen auf Project Treble verzichten.
Weder OnePlus noch Nokia werden in ihren aktuellen Smartphones mit dem Android 8 Oreo-Update Project Treble implementieren, andere Hersteller wie Huawei, Honor, Google oder Essential aber sehr wohl. Die scheinbar wahllose Entscheidung hat aber handfeste Gründe.

Über Project Treble wurde bereits viel geschrieben, nicht nur zum Zeitpunkt der ersten Ankündigung  sondern auch nachdem Google Android 8 Oreo in finaler Version veröffentlicht hatte und mehr Details zum neuerlichen Kampf gegen die Fragmentierung im Android-Bereich bekannt wurden. In den letzten Tagen schien das Interesse an dem Projekt erneut hochzukochen, selbst der gewöhnliche Android-Nutzer hat plötzlich ein Interesse an dem doch recht technischen Thema, vor allem deswegen, weil zu Tage kam, dass manche Smartphone-Hersteller im Rahmen ihrer nach und nach verfügbaren Android-Oreo-Updates Project Treble auf älteren Smartphones unterstützen, andere wiederum nicht. 

Jeder will Project Treble haben, nicht alle bekommen es

Das führte sogar soweit, dass es mittlerweile eine Petition zur Unterstützung von Project Treble auf OnePlus 3/3T/5/5T gibt, also allen OnePlus-Phones die Oreo erhalten aber noch nicht damit ausgeliefert wurden. Neben OnePlus hat auch Nokia eingestanden, Project Treble mit ihren bereits verfügbaren (Nokia 8) und demnächst erscheinenden (Nokia 2, 3, 5 und 6) Oreo-Updates nicht unterstützen zu wollen, ganz im Gegensatz zu Herstellern wie Huawei, Essential oder Google selbst. Sind OnePlus, Nokia und andere Smartphone-Produzenten, die Project Treble nicht per Update nachliefern also einfach nur faul und wollen ihren Kunden nicht das bestmögliche Android-Erlebnis bieten, oder gibt es handfeste Gründe, warum manche Hersteller sich gegen Project Treble in ihren aktuellen Smartphones entscheiden?

Die Vendor-Partition macht offenbar den Unterschied

XDA-Developer ist in die Tiefe gegangen und hat einen durchaus relevanten Unterschied zwischen Nokia/OnePlus-Smartphones und den aktuellen Huawei-, Essential- und Google-Phones gefunden. Während letztere ihre gerätespezifischen Treiber bereits seit der ersten Auslieferung in einer eigenen Partition auslagern, der sogenannten Vendor-Partition (siehe Bild unten), liegen sie bei OnePlus und Nokia-Phones in einem Verzeichnis der Systempartition, müssten für eine Project-Treble-Integration, bei der es ja vor allem um das Auslagern aller herstellerspezifischen Treiber aus dem Android-Framework geht, im Rahmen des Updates auf Android Oreo also repartitioniert werden. Das Erstellen neuer Partitionen im Rahmen eines Updates ist zwar nicht unmöglich aber durchaus riskant, bei abertausenden Upgrades könnten einige schief laufen und die betroffenen Geräte nach dem Upgrade unbenutzbar machen, was Nokia und OnePlus nicht riskieren wollen. 

Vor allem für Fans von Custom-ROMs interessant

Das ist natürlich sehr schade für alle Nutzer eines OnePlus- oder Nokia-Phones, die insbesondere im Hinblick auf die deutlich leichtere und schnellere Unterstützung durch Custom-ROMs wie Lineage Project Treble verständlicherweise ebenfalls erhalten wollen. Man kann den beiden prominenten Project Treble-Verweigerern natürlich vorwerfen, dass sie bislang nicht auf eine Vendor-Partition gesetzt haben, diese ist allerdings erst seit Android Oreo Pflicht. Für alle Kunden der genannten Hersteller, die ohnehin nicht planen alternative Android-ROMs zu benutzen, wird sich aber nichts ändern. Zumindest bislang hat nur Google eine längere Android-Upgrade-Unterstützung für seine aktuellen Pixel 2-Phones in Aussicht gestellt, andere Hersteller dürften zumindest vorerst ohnehin bei ihren üblichen maximal zwei Jahren bleiben, mit oder ohne Project Treble.

Die Vendor-Partition auf einem Honor V10 mit Android Oreo. OnePlus und Nokia-Phones haben sie bislang nicht.
Die Vendor-Partition auf einem Honor V10 mit Android Oreo. OnePlus und Nokia-Phones haben sie bislang nicht.

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Autor: Alexander Fagot,  8.12.2017 (Update:  8.12.2017)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.