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Die ultimative FAQ: Antworten zu Always-Connected-PCs mit Snapdragon-Chip und Windows 10 auf ARM

Die ultimative FAQ zu den Always-Connected-Notebooks mit Windows 10 und Snapdragon-835.
Die ultimative FAQ zu den Always-Connected-Notebooks mit Windows 10 und Snapdragon-835.
Seit letzter Woche ist klar: Die starre Microsoft-Intel-Allianz bröckelt, Qualcomm mischt künftig mit seinen ARM-Prozessoren kräftig im Laptop-Markt mit. Erste Notebooks mit Snapdragon 835 starten Anfang 2018 und versprechen lange Laufzeiten und Always-Connected-LTE-Verbindungen ins Netz. Viele Fragen im Detail blieben aber offen, hier die ultimative FAQ zu oft gestellten Fragen rund um Always-Connected-PCs und der modernen ARM-Variante von Windows 10.

Viele Fragen blieben im Rahmen des Qualcomm-Tech-Summits im sonnigen Hawaii offen, nach und nach kristallisieren sich aber die neuen Möglichkeiten und Einschränkungen der Always-Connected-PCs mit Windows 10 und seiner "ARM-Emulation" heraus. Aus der Vielzahl an verfügbaren Informationen haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten im FAQ-Stil zusammengefasst. 

Software

  • Laufen alle 32 bit-Anwendungen auf den Snapdragon-Laptops?
    Prinzipiell ja, sofern Windows 10 S auf die Pro-Version upgegradet wurde. Allerdings keine Applikationen, die Kernel-Mode-Treiber benutzen, also beispielsweise keine regulären Antivirusprogramme oder Games mit Anti-Cheat-Software.

  • Funktioniert 64 bit-Software?
    Nein, bislang nicht, aber Entwickler können ihre Applikationen für ARM neu kompilieren. Sofern die neue Gerätegattung erfolgreich ist, wird das wohl vermehrt passieren.

  • Ist nur Windows 10 S auf den Always-Connected-PCs lauffähig?
    Nein, auch Windows 10 Home, Pro oder Enterprise funktionieren, allerdings ist das nächste Windows 10-Update (Redstone 4) nötig, welches bis März 2018, also vor der Verfügbarkeit der neuen Geräte, fertiggestellt sein soll.

  • Wie lange gibt es ein Gratis-Update von Windows 10 S auf Windows 10 Pro?
    Mindestens bis September 2018 soll das Update für alle Käufer eines Windows PCs mit Snapdragon-SoC gratis sein. Ob die Aktion verlängert wird, ist derzeit nicht bekannt.

  • Müssen Always-Connected-PCs mit Windows 10 S ausgeliefert werden?
    Nein, das ist keine Voraussetzung, allerdings versucht Microsoft wohl die auf Windows Store-Apps eingeschränkte Version unters Volk zu bringen und sie ist billiger.

  • Was können wir vom Always-Connected-Feature abseits der bereits verfügbaren Notebooks mit LTE-Verbindung erwarten?
    Es geht bei der früher auch als "Always-On" oder "Connected-Standby" beziehungsweise mittlerweile als "Modern Standby" bezeichneten Power-Management-Funktion auch darum, den PC mehr mit typischen Smartphone-Features wie sofortiger Verfügbarkeit auszustatten, auch wenn er im Standby-Modus schlummert. Sofern eine SIM-Karte installiert und ein Datenpaket verfügbar ist, wird der PC selbst im ausgeschalteten Standby-Zustand beispielsweise Benachrichtigungen erhalten und gleich nach dem Aufklappen des Displays anzeigen. PC runterfahren und neu booten sollte die Ausnahme werden und nicht mehr die Regel. Dies ist allerdings nicht nur für die neuen Laptops mit ARM-SoC verfügbar, auch moderne Notebooks oder Convertibles mit Intel- oder AMD-Prozessor können dieses Feature bieten, der Hersteller muss sie allerdings unterstützen (siehe Bilder unten).

  • Wieso ist das nächste Windows Update Redstone 4 Voraussetzung?
    Die nächste Windows-Version soll weiter verbesserte Power-Management-Features bringen, die Laufzeiten von Notebooks generell verlängern. Insbesondere im Hinblick auf die Always-Connected-Laptops wird es auch Verbesserungen bei der LTE-Anbindung geben. Erste Notebooks mit Snapdragon 835, beispielsweise das Asus NovaGo werden zusätzlich zum regulären SIM-Slot auch bereits eine e-SIM bieten. Redstone 4 wird es dem Anwender erlauben, e-SIM-Profile und damit beispielsweise Datenpakete über die Cloud (vermutlich den Windows Store) zu installieren.

Die nächste Windows 10-Version Redstone 4 soll E-SIMs unterstützen ...
Die nächste Windows 10-Version Redstone 4 soll E-SIMs unterstützen ...
... insbesondere für Always-Connected-PCs eine Voraussetzung.
... insbesondere für Always-Connected-PCs eine Voraussetzung.
Modern Standby ist Voraussetzung für das "Always-On"-Feature.
Modern Standby ist Voraussetzung für das "Always-On"-Feature.
Die neuen Standby-Modi sind aber nicht auf ARM-Laptops beschränkt.
Die neuen Standby-Modi sind aber nicht auf ARM-Laptops beschränkt.

 


Hardware und Geräte

 

  • Ist der integrierte Snapdragon 835-Prozessor der gleiche wie in den Smartphones des Jahres 2017?
    Nein, es handelt sich um eine neue Revision, die für PCs optimiert wurde. Sie läuft mit bis zu 2,6 Ghz (zumindest im Asus NovaGo) statt maximal 2,45 Ghz, bietet eine etwas unterschiedliche WLAN-Unterstützung (kein 802.11ad) und weder WiPower noch Quick Charge 4. Auf jeden Fall ist das X16-Modem mit LTE-Downloadgeschwindigkeiten bis zu 1 Gbps integriert.

  • Warum starten die neuen Always-Connected-PCs nicht gleich mit dem Snapdragon 845, der vergangene Woche vorgestellt wurde?
    Das liegt an den im Vergleich mit dem Smartphone-Markt unterschiedlichen und etwas längeren Entwicklungszeiten im PC-Bereich. Microsoft hat die Kooperation mit Qualcomm gestartet, bevor der Snapdragon 845 fertiggestellt war.

  • Wird der Snapdragon 845 ebenfalls in künftigen PCs zu finden sein? Wenn ja, wann?
    Ja, der Snapdragon 845 dürfte in der zweiten Welle der Always-Connected-PCs zu finden sein. Wann diese auf den Markt kommen, ist derzeit nicht sicher, es soll aber noch 2018 der Fall sein, möglicherweise, aber das ist Spekulation, zur IFA 2018 im Herbst des kommenden Jahres. Laut Paul Thurrott dürften die Entwicklungszeiten zwischen Snapdragon-Phones und -PCs in Zukunft stärker miteinander synchronisiert werden. 

  • Wird es auch Desktop PCs mit Snapdragon-SoCs geben?
    Aktuell gibt es keine Pläne diesbezüglich, es dürfte aber demnächst auch andere mobile Formfaktoren als Notebooks und Convertibles geben. Zur CES Anfang Januar 2018 und dem Mobile World Congress 2018 Ende Februar dürfte es diesbezüglich neue Ankündigungen geben.

  • Welche Notebooks wird es neben dem Asus NovaGo und dem HP Envy X2 noch geben?
    Konkrete Ankündigungen gibt es noch keine, allerdings dürften neben Asus und HP auch noch Lenovo, Dell sowie die Smartphone-Spezialisten Xiaomi und Huawei an entsprechenden Designs arbeiten, letztere haben ja bereits erste Ausflüge in die Notebookwelt unternommen. Möglicherweise wird man auch hier zur CES und dem MWC Neues erfahren.

  • Wird es auch Surface-Geräte von Microsoft mit Snapdragon-SoC geben?
    Das ist bislang Spekulation, allerdings könnte das seit Monaten immer wieder in Patenten und Gerüchten auftauchende faltbare Andromeda-Phone, welches früher auch als Surface Phone bezeichnet wurde, mit Snapdragon-SoC ausgestattet sein. Es wäre als Kreuzung zwischen Smartphone und Tablet zumindest ein naheliegender Kandidat. Ob Microsoft auch an regulären Surface-Tablets mit Snapdragon-SoC arbeitet ist derzeit nicht bekannt.

  • Wann werden die neuen Snapdragon-Notebooks im Handel erhältlich sein?
    Asus will sein bereits im Hands-On kurz gezeigtes NovaGo-Convertible Ende März 2018 ausliefern, auch in manchen europäischen Ländern wie Deutschland. HP hat die Verfügbarkeit des Envy X2 generell mit Frühling 2018 angegeben. Wie bereits oben erwähnt, dürfte vor der finalen Redstone 4-Windows-Version kein Laptop mit Snapdragon-Prozessor im Handel auftauchen, vermutlich werden die meisten Geräte erst im 2. Quartal 2018 und später wirklich flächendeckend zu haben sein.

Microsofts Partner für die Always-Connected-PC-Initiative.
Microsofts Partner für die Always-Connected-PC-Initiative.

 

Akkulaufzeit, Performance und Zukunftsaussichten

 

  • Wie realistisch sind die angegebenen 20+ Stunden Akkulaufzeit?
    Auch wenn es noch zu früh für endgültige Testresultate ist, Analysten, die bereits Zugriff auf frühe Geräteversionen hatten, berichten, dass die genannten 20 bis 22 Stunden durchaus realistisch sind. Ryan Shrout, Analyst bei Shrout Reserach und Patrick Moorhead von Moor Insights & Strategy erzählen im Rahmen des Qualcomm Tech-Summit, dass sie bei Herstellerangaben zur Akkulaufzeit selbst skeptisch sind, allerdings im Arbeitsalltag mit frühen Geräteversionen und nicht finaler Software durchaus auf ähnliche Werte kamen. (Im Podcast ab Minute 6:17).

    Ultrabookreview hatte bereits ein frühes Testexemplar des Asus NovaGo im eingeschränkten Test, konnte die angegebenen Werte damit allerdings nicht ganz nachvollziehen und erreichte je nach Anwendung (Multitasking oder Videowiedergabe) durchschnittlich nur 7 bis 15 Stunden Laufzeit mit einer Ladung. Hierbei muss allerdings erwähnt werden, dass der effiziente Standby-Mode offenbar nicht funktionierte, wir sollten also mit dem Urteil warten, bis die finale Geräte- und Windowsversion erhältlich ist.

  • Welche Performance kann man von den Notebooks und Convertibles mit Snapdragon-SoC erwarten?
    Hierzu bereiten wir auf Basis früher Benchmark-Resultate des Asus NovaGo einen eigenen Bericht vor, der hier verlinkt wird, sobald er online ist. Auch bei diesen Benchmarks muss man das frühe Teststadium des Notebooks und die nicht optimierte Benchmark-Software berücksichtigen. Pauschal lässt sich konstatieren, dass zumindest das Asus NovaGo wohl eher mit einem Intel-Notebook mit Core M3-Prozessor konkurriert, also insbesondere eine gute Alternative zur Atom-Technologie von Intel darstellen wird, vielleicht auch noch zu günstigeren Vertretern der Core Y-Prozessoren. Auch Paul Thurrott ordnet die neue Gerätegattung mit leisen und dünnen Formfaktoren in etwa im Bereich der Core M3-Intel-Prozessoren ein und konstatiert, dass dieses Niveau genau das ist, was die Mehrheit der Konsumenten im Alltag braucht.

  • Lohnen sich die Always-Connected-PCs im Hinblick auf das Preis/Leistungsverhältnis?
    Eine pauschale Beurteilung ist noch nicht möglich. Was sich bereits herauskristallisiert ist, dass die Asus NovaGo-Variante mit 4 GB RAM und 64 GB Speicher um 600 US-Dollar insbesondere nach dem Upgrade auf Windows 10 Pro an mangelnder Speicher- und RAM-Bestückung leiden dürfte. Die Version mit 8 GB RAM und 256 GB Speicher ist mit 800 US-Dollar aber schon in einem Preisbereich, in dem es im regulären Notebookmarkt viele Intel-Alternativen mit vermutlich deutlich besserer Performance gibt. Sofern Akkulaufzeit, LTE-Verbindung und ein lüfterloses und dünnes Chassis für einen Alltagsbegleiter die wichtigsten Kriterien sind, könnte die Snapdragon-Konkurrenz dennoch bereits in der ersten Generation die bessere Alternative sein, alle anderen sind vermutlich vorerst mit einem Intel-Gerät besser bedient. Letztlich kann dies aber nur individuell nach Verfügbarkeit der endgültigen Hardware beurteilt werden.

  • Hat die neue Microsoft-Qualcomm-Allianz überhaupt Zukunftschancen?
    Der erfahrene Windows-Kenner Paul Thurrott sieht in den Always-Connected-PCs sogar die Zukunft der Windows-Plattform. Er gesteht zwar ein, dass insbesondere die erste Generation der Snapdragon-PCs in punkto Performance und Features nicht mit den etablierten Intel-Laptops mithalten kann, sieht aber angesichts des schrumpfenden PC-Marktes und der Umschichtung in Richtung Smartphones und IoT-Devices dennoch eine rosige Zukunft der Always-Connected-PC-Kategorie, gerade weil sie viel von dem ermöglicht, was jüngere Generationen von ihren Smartphones gewohnt sind.

    Die Tatsache, dass die Geräte aufgrund der geringeren Performance für einige Anwendungen wie Gaming oder Rendering weniger geeignet sind, sieht er nicht als Problem. Den kulturellen Wandel, der den Aufstieg der mobilen Gadgets und den langsamen Abstieg der PCs gebracht hat, sieht er als Chance für die neue Gerätegattung und als Möglichkeit für Microsoft mit iPads und Chromebooks zu konkurrieren. Auch Intel und AMD werden übrigens in Zukunft vermehrt Wert auf Always-Connected-Features und längere Laufzeiten im PC-Bereich legen. Die Qualcomm-Konkurrenz könnte also durchaus befruchtend auf die etablierte Plattform wirken.

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Autor: Alexander Fagot, 10.12.2017 (Update: 10.12.2017)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.