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1400-Dollar-Enttäuschung: Erste Samsung Galaxy S20 Ultra-Kamera-Tester urteilen hart

Beim Samsung Galaxy S20 Ultra steht natürlich die Kamera im Fokus - buchstäblich ein Problem auf ersten Testgeräten.
Beim Samsung Galaxy S20 Ultra steht natürlich die Kamera im Fokus - buchstäblich ein Problem auf ersten Testgeräten.
Ab dem 8. März soll das Galaxy S20 Ultra auch hierzulande an Vorbesteller ausgeliefert werden, erste Testberichte poppen schon jetzt auf einigen Tech-Seiten auf. Im Fokus der Bewertung dieses 1.380 Euro teuren Samsung-Flaggschiffs steht natürlich die 108 Megapixel-Kamera und das 100-fache Space Zoom-Feature, erste Tester wirken allerdings wenig euphorisch und empfehlen die Konkurrenz.
Alexander Fagot,

Wie so oft in der Tech-Branche halten die Produkte letztlich nicht immer das, was der Marketing-Hype anfangs versprochen hatte. Gerade in letzter Zeit hat sich Samsung hier negativ hervorgetan, das ultradünne Glas im Galaxy Z Flip zeigte sich viel weniger widerstandsfähig als man erwarten durfte, der 3x-optisch-hybride Zoom im Galaxy S20 und Galaxy S20+ ist praktisch nur ein digitaler Crop

Das Galaxy S20 Ultra soll um 1.380 Euro aufwärts das Optimum dessen sein, was Samsung aktuell zu bieten hat und insbesondere bei den Kameras die Konkurrenz überflügeln - so zumindest die Erwartungshaltung auf Basis von Spec-Highlights wie der 108 Megapixel-Kamera mit Nonacell-Technologie oder 100-fach Space Zoom mit dedizierter 5x-optischer Periskop-Kamera und 48 Megapixel Telefoto-Sensor. 

In den letzten Tagen hatten einige Tester via Twitter bereits ihre ersten Testsamples veröffentlicht. Die in diesem Zusammenhang typischerweise angefertigten Zoom-Intervall-Shots zeigten, etwa hier, dass alles bis zur 10-fachen Vergrößerung durchaus im Rahmen der Erwartungen ausfällt, darüber hinaus aber extrem an Qualität verliert. 100x Space-Zoom ist zwar ein nettes Gimmick mit dem man am Stammtisch prahlen kann - schöne oder nützliche Fotos erhält man damit aber nicht.

Der Zoom alleine ist allerdings nicht das einzige Kriterium für die Bewertung eines 1.400 Euro-Kamera-Flaggschiffs und die ersten ausführlicheren Testberichte von Webseiten wie PCMag oder Input lassen zumindest vermuten, dass Samsung offenbar noch jede Menge Software-Updates nachschießen muss, um den hohen Preis zu rechtfertigen. Insbesondere das Thema Autofokus scheint momentan noch ein echtes Problem zu sein, wie auch The Verge-Autor Dieter Bohne andeutet - oft scheint das schnelle Fokussieren mit der teuren Kamera überhaupt nicht zu gelingen.

Vernichtende erste Kritik

Derartige Reviews können Samsungs Reputation natürlich sehr schaden, weswegen die Samsung-Repräsentanten auch gleich wissen ließen, dass hier Updates geplant wären. In Südkorea wird auch bereits ein erstes Update an Galaxy S20-Testgeräte ausgerollt, welches einige Kamera-spezifische Verbesserungen enthalten soll. Wer also wissen will, wie die an Kunden tatsächlich ausgelieferte Hard- und Software letztlich wirklich performt, kann auch auf unsere natürlich geplanten Testberichte warten. Nichtsdestrotrotz ist interessant, was die frühen Tester bereits jetzt herausgefunden haben.

Abgesehen vom gravierenden Autofokus-Problem, das wohl ein leicht zu behebender Bug sein wird, fällt es den scharfen Augen zum aktuellen Zeitpunkt offenbar sehr schwer, das Galaxy S20 Ultra als Kamera-Flaggschiff zu empfehlen. Input rät sogar explizit davon ab soviel Geld für das Ultra-Modell auszugeben und empfiehlt stattdessen ein iPhone, wenn man vor hat möglicht unkompliziert gute Bilder und Videos zu schießen. Konkret erwähnt Input im Vergleich zum iPhone 11 Pro schlechtere Dynamik, Schärfe, Farbtreue und Videoperformance und vernichtet das Galaxy S20 Ultra als 1.400 Dollar-Enttäuschung.

Inputs erster Kamera-Test des Galaxy S20 Ultra fällt eindeutig negativ aus.
Inputs erster Kamera-Test des Galaxy S20 Ultra fällt eindeutig negativ aus.

Grosser Sensor - gutes Bokeh

PCMag formuliert zwar deutlich weniger aggressiv, kann allerdings einige der erwähnten Kritikpunkte bestätigen. Der 100-fache Zoom sei de facto unbrauchbar, zumindest ohne Stativ, der Nachtmodus ohne Stativ ebenfalls eher schlecht und viel zu unscharf: Keine echte Konkurrenz für das ein Jahr alte Huawei P30 Pro etwa und sogar schlechter als beim Galaxy Note 10+. Wer etwa vor hat, statt der dedizierten Zoom-Optik ein natives 108 Megapixel-Photo zu schießen und daraus einen Ausschnitt zu nehmen, wird ebenfalls enttäuscht, schreibt PCMag-Autor Sascha Segan - zudem wirken Samsungs Photos zu aggressiv nachgeschärft oder geglättet, letzteres etwa bei Porträtphotos. Eine positive Anmerkung zum Abgang: Der vergleichsweise große 108 Megapixel-Sensor im Galaxy S20 Ultra zeigt bei naher Distanz zum Objekt eine sehr geringer Tiefenschärfe, was natürlich wirkende, DSLR-ähnliche Bokeh-Aufnahmen ermöglicht. Wer die Testphotos- und -videos selbst beurteilen will, sei an die erwähnten Testberichte verwiesen.

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Autor: Alexander Fagot, 27.02.2020 (Update: 27.02.2020)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Managing Editor News
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.