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Huawei: Auswirkungen des US-Handelsverbots auf das Smartphone-Geschäft

Huawei: Auswirkungen des US-Handelsverbots auf das Smartphone-Geschäft.
Huawei: Auswirkungen des US-Handelsverbots auf das Smartphone-Geschäft.
Counterpoint wagt eine Analyse: Welche Auswirkungen hat das US-Handelsverbot auf das Smartphone-Geschäft von Huawei? Immer mehr wichtige Lieferanten, aber auch Kunden des Technologiekonzerns aus China springen ab. Weder US-Präsident Donald Trump noch Huawei-Boss Ren Zhengfei wollen im Handelsstreit einlenken.

Die Schreckensmeldungen zu Huawei und den Folgen aus dem US-Handelsverbot schocken Millionen Smartphone-Besitzer. Huawei verliert wegen des US-Boykotts und Blacklistings nicht nur die Lizenz für Googles Android, sondern auch die Unterstützung vieler Lieferanten, Lizenzgeber und Kunden verschiedener Hard- und Software, die Huawei für seine Mobilfunkgeräte inklusive den Smartphones braucht. Auch WhatsApp, das in Deutschland laut YouGov von rund 56 % aller Bürger genutzt wird, sowie Facebook und Instagram könnten künftig Huawei-Kunden verwehrt bleiben.

Huawei-Boss Zhengfei findet Trumps Tweets lächerlich

Der Huawei-Chef findet die Tweets von US-Präsident Donald Trump laut einem am Montag von der Finanznachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Interview lächerlich. Den Vorschlag Trumps, den US-Boykott von Huawei über ein Handelsabkommen zwischen China und den USA zu regeln, nannte Zhengfei einen "großen Witz". Ein Einlenken ist weder auf Seiten Huaweis noch bei der US-Regierung absehbar.

Analyse: Auswirkungen des US-Handelsverbots auf das Smartphone-Geschäft von Huawei

Counterpoint Research hat möglichen Auswirkungen des Huawei-Banns durch die US-Regierung auf die Geschäfte des Konzerns mit Smartphones untersucht. Die USA haben Huawei auf die "Entity List" gesetzt. Damit kann Huawei bei US-Firmen nicht mehr Technik und Software kaufen.

Die Größe des Schadens für das Smartphone-Geschäft von Huawei wird gemäß Counterpoint hauptsächlich von folgenden vier Faktoren bestimmt werden:

  • Kooperation mit ARM: Alle Smartphones von Huawei arbeiten mit einer ARM-basierten Chip-Architektur. Die bereits entwickelten aktuellen Chipsätze sind möglicherweise nicht betroffen, aber die neueren Chips für das späte 4. Quartal 2019 können die ARM-Lizenzen nicht mehr verwenden. Dies wird sich auch auf den Smartphone-Verkauf in China auswirken.
  • Google Android Software und Dienste: Huawei kann die Google Mobile-Dienste (GMD) respektive die Google Mobile Services (GMS) als Kernsuite der von Google bereitgestellten Software nicht mehr verwenden. Huawei muss stattdessen das Android Open Source Project (AOSP) verwenden. Huawei verliert damit unter anderem den Zugriff auf den Play Store und wichtige Google-Apps wie YouTube und Google Mail. Die Benutzer müssen nach alternativen App-Stores suchen oder sich alternativ mit Sideloading behelfen. Für China ist das nichts Neues, da GMS dort nicht erlaubt ist. Die Auswirkungen auf die Schwellenländer werden jedoch unterschiedlich sein, Europa, Japan und Lateinamerika werden stark betroffen sein.
  • HF-Komponenten: Die HF-Komponenten von Qorvo, Skyworks Solutions und Broadcom sind für die High-End-LTE-Smartphones von Huawei nur schwer zu ersetzen.
  • Intel Serverchips: Huawei setzt bislang für Cloud-, Unternehmens- und Infrastrukturserver auf den Prozessorhersteller Intel.

Angesichts der weitreichenden Auswirkungen des US-Handelsverbots lässt sich der zu erwartende Schaden für Huawei nur schwer abschätzen. Counterpoint bezieht in die Überlegungen dazu die Geschäfte von Huawei in Überseemärkten, die Abhängigkeit von Huawei von US-Chipsätzen und die Preisspannen, in denen Produkte positioniert sind, mit ein.

Bei den Auslieferungen von Smartphone nach Regionen in Q1/2019 und der für die Handys verwendeten Chipsets ist festzustellen, dass 49 % des Huawei-Geschäfts aus China und 51 % aus Überseemärkten stammen. Innerhalb der Märkte in Übersee machte Europa 23 % aus und wird daher vom US-Boykott wahrscheinlich am stärksten betroffen sein. HiSilicon, eine Tochtergesellschaft von Huawei, stellt hauptsächlich APs und SoCs her. Kurzfristig würde ein Mangel an AP-Komponenten Huawei nicht beeinträchtigen. Wenn ARM nicht mehr mit Huawei zusammenarbeitet, gibt es möglicherweise keine zukünftigen eigenen Chipsatz-Designs mehr.

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Autor: Ronald Matta, 29.05.2019 (Update: 29.05.2019)
Ronald Matta
Ronald Matta - Senior Editor News - @RonaldTi
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