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Huawei P20 Pro: Das Netz ist verliebt. Wie gut ist die Cam wirklich?

Das P20 Pro ist aktuell der Liebling unter den Kamera-Smartphones, für alle ist es dennoch nicht die beste Wahl.
Das P20 Pro ist aktuell der Liebling unter den Kamera-Smartphones, für alle ist es dennoch nicht die beste Wahl.
Die Tech-Welt hat einen neuen Liebling und dieser nennt sich Huawei P20 Pro. Wo man hinsieht, gibt es positive bis euphorische Berichte über die erste Triple-Cam im Smartphone und dennoch: Je nach Anwendungsgebiet ist das P20 Pro offenbar nicht die beste Lösung, beispielsweise beim Thema Video. Ein Überblick über die Stärken und Schwächen der neuen Triple-Cam im Vergleich mit der Konkurrenz.

Huawei hat vergangene Woche für einigen Wirbel gesorgt - obwohl alle Spezifikationen des P20 Pro bereits vorab bekannt waren, gelang es der Top 3 unter den weltweiten Smartphone-Herstellern dennoch, so etwas wie Euphorie zu verbreiten und sogar das Thema Notch komplett in den Hintergrund zu drängen. Der Grund natürlich: Die erste Dreifach-Kamera in einem Smartphone und noch dazu mit 40 Megapixel-Sensor und hohen ISO-Werten bis 102.400. Hierbei dürfte es sich um den IMX 600 handeln, der möglicherweise auch in künftigen Sony Xperia-Phones stecken könnte.

DXOMark hatte die innovative Kamera bereits im Benchmark und vergibt dem P20 Pro Bestmarken mit einem satten Vorsprung vor der ebenfalls sehr guten Konkurrenz wie Galaxy S9+, Pixel 2 XL und iPhone X doch heißt das nun, dass wir hier schlichtweg die beste Smartphone-Kamera vor uns haben, oder können die traditionellen Flaggschiffe manche Dinge doch noch besser? Wir verraten gleich mal vorab: Sie können! Nicht bei jedem Anwendungsgebiet steht das P20 Pro als überragender Sieger da, manche Reviewer tendieren nach einem Vergleich sogar weiterhin zu ihrem bisherigen Begleiter. Im Folgenden eine Übersicht über diverse Meinungen zum P20 Pro und hier insbesondere zur Kamera. Ein ausführlicher Test unserer Test-Crew ist natürlich in Vorbereitung.

Die Sache mit der künstlichen Intelligenz

Wie wir bereits in unserem kurzen Ersteindruck zur Kamera des P20 Pro festgestellt hatten, setzt Huawei stark auf künstlich intelligente Algorithmen zur Szenenerkennung und -Optimierung. Das kann man mögen oder nicht. Manche Benutzer finden die automatische Kategorisierung und Betonung vermeintlich wichtiger Bildelemente als praktisch, insbesondere für den Upload auf Instagram und Co., andere sehen darin eher eine zu künstliche Beeinflussung der Bildparameter. So schreibt Vlad Savov in The Verge, dass die KI beim Fotografieren des Eiffeltower beispielsweise den blauen Himmel hervorgehoben und dafür das eigentliche Objekt unterbelichtet hat, was man an folgendem Bildvergleich zwischen P20 Pro und Pixel 2 XL auch ganz gut sieht:

P20 Pro mit "AI-Power": Der Himmel ist hübsch, der Eiffeltower dagegen unterbelichtet. (Bild: The Verge)
P20 Pro mit "AI-Power": Der Himmel ist hübsch, der Eiffeltower dagegen unterbelichtet. (Bild: The Verge)
Pixel 2 XL ohne "AI-Power": Der Vordergrund ist besser ausgeleuchtet. (Bild: The Verge)
Pixel 2 XL ohne "AI-Power": Der Vordergrund ist besser ausgeleuchtet. (Bild: The Verge)


Bei einem anderen Beispiel funktioniert die Optimierung auf Basis der KI-Algorithmen von Huawei besser. Zwar entspricht das Ergebnis laut Vlad nicht unbedingt dem Original, denn das sah in der Realität nicht so poppig aus, dennoch dürfte das vom P20 Pro optimierte Bild für soziale Medien sehr gut geeignet sein, eine nachträgliche Bearbeitung zwecks Verschönerung kann entfallen. Die KI-Algorithmen kann man übrigens komplett deaktivieren oder auch vor jeder Aufnahme manuell abschalten.

Das P20 Pro mit KI-Algorithmen macht eine nachträgliche Verschönerung unnötig. (Bild: The Verge)
Das P20 Pro mit KI-Algorithmen macht eine nachträgliche Verschönerung unnötig. (Bild: The Verge)
Beim Pixel 2 XL sieht das Ergebnis wohl etwas natürlicher aus. (Bild: The Verge)
Beim Pixel 2 XL sieht das Ergebnis wohl etwas natürlicher aus. (Bild: The Verge)


Low-Light: Die absolute Stärke des P20 Pro

Wenn man das Fazit aller Reviewer in einem Satz zusammenfassen müsste, könnte man wohl sagen, dass das P20 und mehr noch das P20 Pro das derzeit beste Smartphone für Low-Light-Szenarien oder Nachtaufnahmen ist. Was Huawei hier durch seinen Nachtmodus, der freihändige Belichtungen über mehrere Sekunden hinweg ermöglicht, erreicht hat, ist durchaus als revolutionär zu bezeichnen. Es gibt mittlerweile jede Menge Beispielaufnahmen im Netz, die beweisen, wie gut Huawei das Thema Low-Light oder Nachtfotografie gemeistert hat.

Tatsächlich kann hier bislang kein anderes Handy mithalten, selbst Pixel 2 XL und Galaxy S9+, die bisherigen Champions auf dem Gebiet "Low-Light-Fotografie" müssen sich in den meisten Fällen dem P20 Pro geschlagen geben, auch wenn es einzelne Szenarien gibt, in denen die Konkurrenz noch so halbwegs bestehen kann. Grosso modo muss man dem P20 Pro bei mangelndem Licht aber die Siegermedaille umhängen. Hier ein paar Fotos aus dem Netz zur Unterstützung dieser Theorie. (Danke an Daniel Schmidt von NBC sowie Redakteure und Fotografen von Engadget, The Verge, Huaweiblog, Mobilegeeks, Android Authority)


Zoom: Eine weitere Stärke des P20 Pro

Optischen Dreifach-Zoom und sogar annähernd verlustfreien 5-fachen Hybrid-Zoom bietet kein anderer Smartphone-Hersteller bislang, das P20 Pro kann also auch hier punkten und auch da sind sich alle bisherigen Tester einig: Die Ergebnisse sind deutlich besser als beim schlichten Digitalzoom oder der maximal 2-fachen optischen Vergrößerung der Konkurrenz. Selbst Galaxy S9+ beziehungsweise Galaxy Note 8, die bisher Sieger im Subscore Zoom bei DXOMark waren, müssen sich dem P20 Pro nun geschlagen geben, wie auch das Bild unten (Weitwinkel, 3x, 5x Zoom) sowie der Kameratest von Engadget als Video nahe legen:


Video: Definitiv die größte Schwäche des P20 Pro

So gut das P20 Pro mit Standbildern abschneidet, insbesondere beim Thema Low-Light und Zoom, so schwach muss man die bisherige Performance des Huawei-Handys für Videografen einstufen. Zwar wartet auch Huawei in diesem Jahr mit Super-SlowMo-Aufnahmen bei 960 fps auf, das allerdings nur im 720p-Modus wie das Galaxy S9 und S9+ und nicht mit 1080p wie das Sony Xperia XZ2. Schlimmer allerdings: Im Gegensatz zu Galaxy S9, dem iPhone 8 oder dem iPhone X sind 4K-Aufnahmen maximal mit 30 fps möglich uns selbst das nur ohne jegliche Stabilisierung. Die von Huawei so hochgelobte KI-unterstützte Software-Stabilisierung funktioniert zwar im Nachtmodus hervorragend, bei Videos aber bislang nur bis maximal 1080p.

Das Ergebnis: Verwackelte 4K-Videos, die von jedem anderen aktuellen Smartphone locker geschlagen werden. Ob Huawei die Stabilisierung mittels Software-Update nachreichen kann, wie das etwa OnePlus im vergangenen Jahr getan hat, ist derzeit noch nicht bestätigt. Wie erwähnt sind auch 4K-Aufnahmen mit 60 fps nicht möglich, hier dürfte der Kirin 970-SoC der limitierende Faktor sein, somit ist nicht damit zu rechnen, dass uns Huawei dieses Feature in der aktuellen Gerätegeneration noch nachliefern wird. Auch der optische und Hybrid-Zoom arbeiten offenbar bei laufendem Video nicht, wie ein Tester bemängelt, eine Pinch-to-Zoom-Geste bei laufendem Video scheint nur den klassischen und verlustbehafteten Digitalzoom zu bemühen.

10 MP vs. 40 MP-Modus und Selfies

Die Hauptkamera im P20 Pro kann sowohl im 40 Megapixel-Modus als auch im "Pixel-Fusion"-Modus mit 10 Megapixel arbeiten, letzterer empfiehlt sich laut Huawei bei wenig Licht, da hier jeweils 4 Pixel zu einem größeren zusammengerechnet werden. Tatsächlich zeigen die folgenden Videos von eifrigen Youtubern, dass der 10 MP-Modus etwas hellere Fotos produziert, allerdings wirken die Bilder hier im Detail oft zu stark bearbeitet, sodass viele wohl das 40 Megapixel-Foto bevorzugen werden, das allerdings aufgrund der geringen Pixelgröße nur bei genügend Licht sinnvoll ist.

Auch beim Thema Selfie ist nicht alles eitel Wonne, Vergleiche mit dem Galaxy S9+ oder dem iPhone X zeigen trotz ausgeschaltetem Beautymodus und 24 Megapixel-Shooter eine weichgewaschene und viel zu detailarme Struktur. Möglicherweise wird das allerdings in einem Software-Update künftig noch behoben. Im Folgenden vier Videos von Youtubern aus aller Welt, die das P20 bereits durch Paris gezerrt und mit Galaxy S9+, iPhone X und Pixel 2 XL vergleichen haben. Hier werden einige der oben genannten Kritikpunkte ebenfalls angesprochen, unser Fazit findet sich im Anschluss an die Videos.


Vorläufiges Fazit

Ein vollständiger Test steht noch aus, sowohl für Youtuber als auch Test-Seiten wie Engadget, The Verge oder Mobilegeeks ist das P20 Pro allerdings jetzt schon ein spannender Neuzugang im Bereich Smartphone-Fotografie, der tatsächlich eine Art Revolution schafft, primär bei den Themen Low-Light Fotografie und Zoombereich. Kein anderes Smartphone am Markt kann hier bisher mithalten, wer also primär in dunklen Umgebungen fotografiert oder nahe ans Objekt ran will, wird das P20 Pro lieben. 

Ob das reicht, um die gesamte Konkurrenz in die Tasche zu stecken, ist allerdings fraglich. Bei genügend Licht fotografieren auch andere Smartphones mittlerweile recht gut und das teilweise mit einem natürlicheren Ergebnis. Insbesondere die KI-Algorithmen scheinen noch recht unzuverlässige Ergebnisse zu bringen - manchmal holen sie die Essenz eines Fotos hervor, in anderen Fällen verschlimmbessern sie die Aufnahmen aber eher. Auch die Pixel-Fusion-Technologie neigt offenbar bisher zu heftig bearbeiteten Fotos, was nicht jedem gefallen wird. 

Definitiv eine Schwachstelle ist das Thema Video. Sowohl was Qualität als auch Features betrifft, kann Huawei hier weder mit der Android- noch der iOS-Konkurrenz mithalten, sofern hier nicht noch Software-Updates nachgereicht werden. Wer also mit dem Smartphone primär Videos drehen will, sollte noch abwarten oder zur Konkurrenz greifen. Auch bei der Bedienung der Kamera-App gibt es Optimierungsbedarf, wie manche Tester anmerken. Wir sind jedenfalls schon gespannt, was Huawei mit dem P20 Pro und zukünftigen Leica-Smartphone-Kameras noch so vor hat.

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Autor: Alexander Fagot,  2.04.2018 (Update:  2.04.2018)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.