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Apple iPhone Xr entzweit die Community: Kaufen oder boykottieren?

Das iPhone Xr ist der neueste Aufreger unter den iPhones, wir beleuchten Pro und Contra zum Apple-Handy.
Das iPhone Xr ist der neueste Aufreger unter den iPhones, wir beleuchten Pro und Contra zum Apple-Handy.
Apple verkauft seine iPhone Xr-Interessenten für dumm, meinte ein bekannter Tech-Youtuber jüngst. Der günstigere Bruder von iPhone Xs und iPhone Xs Max ist das einzige neue iPhone unter der 1.000 Euro Grenze und wird ordentlich Kasse machen - wen die Auflösung stört, ist nicht die Zielgruppe. Was stimmt denn nun und ist das mit der Displayauflösung wirklich so schlimm?

Beginnen wir mal mit den wichtigsten Fakten, bevor wir uns in die Diskussion begeben. Apple hat am 12. September drei neue iPhones im iPhone X-Design mit neuem A12 Bionic-Prozessor vorgestellt, das einzige davon, das unter 1.000 Euro kostet ist das iPhone Xr. Sowohl iPhone Xs als auch Xs Max wenden sich also primär an Apple-Fans oder Premium-Konsumenten, die das jeweils Beste haben wollen und bereit sind, bis zu 1.650 Euro dafür auszugeben, das iPhone Xr dagegen ist das "beste iPhone für alle", welches optisch ähnlich und als Anreiz zudem in vielen bunten Farben erhältlich ist, im Detail aber doch abgespeckt wurde.

Einer der Hauptunterschiede zwischen den mindestens 300 Euro teureren iPhone Xs-Varianten und dem iPhone Xr, abgesehen von der fehlenden Dual-Cam an der Rückseite, ist ist das Display. Es misst 6,1 Zoll, ist ein LCD statt OLED und - daran entzünden sich die meisten Kritiker - liefert eine Auflösung von nur 1.792 x 828 Pixel und damit eine Pixeldichte von 326 ppi im Gegensatz zu den 458 ppi von iPhone Xs und iPhone Xs Max. Auch wir haben diese Entscheidung Apples vor einigen Tagen heftig kritisiert, primär, weil sich Apple damit einmal mehr unter Full-HD-Niveau begibt, das mittlerweile praktisch in allen Android-Handys im Midrange- oder gar High-End-Bereich als Standard gilt.

Contra iPhone Xr

Damit verkauft Apple seine Konsumenten für dumm, meint etwa auch Youtuber Jason vom Youtube-Channel "Painfully Honest Tech". Ein Billigsdorfer-Display als "Liquid Retina"-Innovation in einem 850 Euro-Handy teuer zu verkaufen, sei eine Chuzbe. Apple mache das primär wegen der höheren Margen - niemand solle drauf reinfallen und die idiotische Apple-Steuer zahlen, warnt er. In eine ähnliche Richtung argumentiert Youtuber Lewis, besser bekannt als Mr. Unbox Therapy. Die gleiche Pixeldichte wie im iPhone 4 vor 8 Jahren sei keine technische Meisterleistung sondern nur eine künstliche Beschränkung, um die Verkaufszahlen der überteuerten Brüder nicht zu kannibalisieren. Selbst Youtube läuft darauf nur mit 720-Auflösung - eine Frechheit im Jahre 2018. Hier die beiden erwähnten Videos:


Pro iPhone Xr

Beide Youtuber sind nicht gerade für ihre feine Klinge bekannt, insbesondere Unbox Therapy hat eine starke Fanbasis im Android-Umfeld und weiß genau, wie man entsprechend argumentiert. Gegenstimmen sind zumindest auf Youtube deutlich leiser. Es gibt bereits einige sogenannte Response-Videos auf das Unbox Therapy-Video, die bei Interesse auf Youtube leicht zu finden sind, als spannender empfinden wir allerdings zwei Beiträge, die noch davor entstanden sind. Sowohl Drew vom "Tailosive Tech"-Channel als auch Jon von "Front Page Tech" (ab Minute 4:21) argumentieren in ihren Pro-iPhone Xr-Videos primär damit, dass der typische iPhone-Käufer nicht einmal wisse, was Auflösung überhaupt bedeutet und auch keinen Wert auf diese Art von Spezifikationen lege. 

Dem durchschnittlichen Konsumenten gehe es schlicht nicht um derartige Specs sondern um das moderne Design und die einfache Benutzung. Der iPhone X-Look um 300 Euro günstiger wäre daher ein Garant für hohe Verkaufszahlen und insbesondere in Kombination mit dem fehlerbereinigten und optimierten iOS 12 auch um 850 Euro ein guter Deal, zumal unter dem Display jede Menge Technik der größeren Brüder steckt. Wer sich über die niedrige Auflösung des iPhone Xr streitet, sei ohnehin nicht die Zielgruppe für dieses Gerät. Zudem biete das iPhone Xr weitere Vorteile, etwa die höchsten Akkulaufzeiten aller aktuellen iPhones. Diese Argumente, in Kombination mit der Tatsache, dass Apple für alle, denen iPhone Xs/Xs Max zu teuer ist und die auf Full-HD-Auflösung wert legen, weiterhin iPhone 8 Plus und iPhone 7 Plus anbietet, sollen die geäußerte Kritik entkräften.


Fazit?

Der Autor dieser Zeilen ist wohl ganz eindeutig nicht die Zielgruppe für das iPhone Xr, zumal er wie die Kritiker auf Youtube von Full-HD als Mindeststandard im Jahr 2018 ausgeht. Nichtsdestotrotz sollten wir zwei weitere Punkte berücksichtigen: Erstens ist eine abschließende Beurteilung des iPhone Xr ohne Testgerät nicht möglich. Displayauflösung ist nur eine von mehreren Faktoren, die ein gutes Smartphone ausmachen - bevor wir bei Notebookcheck daher unsere üblichen Tests abgeschlossen haben, wird es hier auch kein abschließendes Fazit oder gar eine Kaufwarnung geben.

Weiters sollte man Apple durchaus auch dazu gratulieren, die ersten zu sein, die es geschafft haben, ein LC-Display derart randlos, insbesondere in Bezug auf das Kinn an der Unterseite in einem Smartphone zu implementieren. Diese tatsächlich durchaus innovative Bauweise war bisher nur mit OLED möglich, auch wenn sie dem Käufer ausschließlich in punkto Design zugute kommt. Auch wir finden es bedenklich, dass Apple es auch 2018 nicht für nötig erachtet, in einem neuen, 850 Euro teuren Smartphone mindestens Full-HD-Auflösung zu ermöglichen, ob das Gesamtpaket iPhone Xr nicht dennoch für manche genau das richtige sein könnte, werden wir wohl erst Ende Oktober beurteilen können.

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Autor: Alexander Fagot, 21.09.2018 (Update: 21.09.2018)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.