Notebookcheck

Intel: 4 bis 8 Stunden längere Akkulaufzeit durch neue Displaytechnologie?

Gregory Bryant zeigte bei seiner Keynote auf der Computex ein Dell XPS 13, in das die neue Displaytechnologie integriert wurde. (Quelle: Intel)
Gregory Bryant zeigte bei seiner Keynote auf der Computex ein Dell XPS 13, in das die neue Displaytechnologie integriert wurde. (Quelle: Intel)
Bei der Vielzahl von Intels Ankündigungen auf der Computex ist die Präsentation einer stromsparenden Displaytechnologie namens "Intel Low Power Display Technology" oder LPDT ein wenig untergegangen. Intel verspricht sich davon Laufzeitgewinne von bis zu 8 Stunden für Ultrabooks. Was wir bisher über die neue Technologie wissen und ob sie bald in ersten Notebooks zu sehen sein wird, wird im Folgenden besprochen.

Intels Keynote bei der Computex vermochte nicht zu überzeugen. Außer dem Jubiläums-Prozessor Core i7-8086K und der Optane SSD 905P M.2 mit 3D-XPoint-Technologie wurden nur wenig neue Produkte mit konkretem Startdatum vorgestellt, sondern vieles lediglich angeteasert. Insbesondere der Teaser eines Prozessors mit 25 Kernen und einem Takt von 5 Gigahertz ging gründlich nach hinten los, da im Nachhinein bekannt wurde, dass die angegebenen Benchmarkscores nur mithilfe einer kühlschrankgroßen Kühlanlage erreicht werden konnten.  Auch was die kurze Vostellung der neuen Whiskey-Lake-U- und Amber-Lake-Y-Prozessoren angeht, bleiben Zweifel, dass ein signifikanter Performancegewinn gegenüber ihren Vorgängern möglich sein wird, u.a. weil sie in der gleichen Strukturbreite von 14 Nanometern gefertigt werden.

Wenig Beachtung erfuhr ein Thema, das Intel ebenfalls auf der Computex kurz angekündigt hat: Das Unternehmen aus Santa Clara arbeitet zusammen mit Displayherstellern an einer neuen Displaytechnologie, die die Akkulaufzeit von Notebooks zwischen 4 und 8 Stunden verlängern und manchen Geräten so zu einer Laufzeit von bis zu 28 Stunden verhelfen soll. Genaue Details zu dieser Technologie, die Intel "Low Power Display Technology" oder kurz LPDT nennt, blieb der Hersteller leider schuldig. Fest steht lediglich folgendes:

  • Intel wird die mit dieser Technologie ausgestatteten Bildschirme nicht selbst bauen, dies übernehmen weiterhin die Displayhersteller, mit denen Intel eng bei der Entwicklung zusammengearbeitet hat. Namentlich wurden Sharp und Innolux genannt. Wie groß der Anteil Intels an der Entwicklung beziehungsweise an der erhöhten Energieeffizenz dieser Panels ist, bleibt unklar.
  • Es handelt sich dabei nicht um eine grundlegend neue Displaytechnologie, sondern sie basiert auf bestehender LCD-Technologie.
  • Der Verbauch des Displays soll von bisher 2 Watt auf lediglich 1 Watt halbiert werden und in manchen Anwendungsszenarien sogar darunter liegen.
  • Ein mit Intels LPDT ausgestattetes Display wurde in ein handelsübliches Dell XPS 13 eingebaut, wodurch sich die Akkulaufzeit angeblich von 20 auf 25 Stunden verlängert hat.
  • Die Displays sollen keine geringere maximale Helligkeit als herkömmliche Displays haben, sondern bei ungefähr 350 Nits liegen.
  • Es sollen noch in diesem Jahr Geräte mit der besagten Technologie auf den Markt kommen, wobei sich deren Anwendung zunächst hauptsächlich auf ultramobile Geräte beschränken wird, die mit den neuen Whiskey-Lake-U- und Amber-Lake-Y-Prozessoren ausgestattet werden.

Nach allem, was wir bisher wissen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die neue Technologie im Wesentlichen aus zwei Komponenten zusammensetzt: Der eine Teil besteht vermutlich aus einer engeren Verzahnung des Displays mit der GPU, ähnlich wie es bei AMDs Freesync und Nvidias G-Sync der Fall ist. Dies könnte gleichzeitig hardwareseitig wie auch softwareseitig geschehen und unter anderem dazu führen, dass je nach dargestelltem Inhalt Bildwiederholfrequenz und Helligkeit angepasst werden. Der andere Teil könnte in einer von den Displayherstellern entwickelten effizienteren Elektronik des Displaypanels inklusive energiesparenderer Beleuchtung beruhen.

Auch wenn es durchaus Sinn macht, den Fokus stärker auf das Display zu legen, da mit immer weiter steigender Effizienz der Prozessoren in mobilen Geräten das Display mehr und mehr den größten Energiefresser darstellt, ist - wie schon bei den anderen von Intel auf der Computex angeteaserten Produkten - auch hier ein gesundes Maß an Misstrauen angebracht. Offen bleibt beispielsweise die Frage, ob die versprochenen Laufzeitgewinne im Alltag erreicht werden können.

Oft sind die von Herstellern versprochenen Batterielaufzeiten nämlich nur unter idealen Bedingungen im Labor und mit stark reduzierter Displayhelligkeit möglich. Auch ist unklar, ob es im Gegensatz zu Intels Beteuerung nicht doch zu einem Qualitätsverlust der Bilddarstellung kommen kann. Bis wir mehr über die technischen Einzelheiten wissen oder Geräte mit einem solchen Display testen können, bleiben wir noch skeptisch. Hier, noch einmal die Keynote von Intel auf der Computex 2018 in voller Länge. Ab Minute 17:40 spricht Gregory Bryant kurz über die neue Displaytechnologie und zeigt ein damit bestücktes Dell XPS 13.

Quelle(n)

Qualitäts-Journalismus wird durch Werbung bezahlt. Wir zeigen Lesern die geringst-mögliche Menge an Ads. Adblock-Nutzer sehen mehr Werbung. Bitte schalten Sie Ad-Blocker ab.

static version load dynamic
Loading Comments
Diesen Artikel kommentieren / Antworten
Teilen Sie diesen Artikel um uns zu unterstützen. Jeder Link hilft, ob im privaten Blog, Foren oder per social Media!
> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2018-06 > Intel: 4 bis 8 Stunden längere Akkulaufzeit durch neue Displaytechnologie?
Autor: Tobias Häuser, 14.06.2018 (Update: 14.06.2018)
Tobias Häuser
Tobias Häuser - News Editor
Während meines Philosophiestudiums in Tübingen und New York habe ich mich mit ethischen Fragen des technischen Fortschritts, Künstlicher Intelligenz und der Zukunft einer digitalisierten und automatisierten Gesellschaft befasst. Technik fasziniert mich schon seit meiner Kindheit. Mein Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Notebooks, umfasst aber letztlich das ganze Gebiet der Unterhaltungselektronik und darüber hinaus E-Mobilität, autonomes Fahren, KI und Raumfahrt. Wenn ich nicht gerade als freischaffender Journalist, Publizist und Online-Redakteur tätig bin, beschäftige ich mich mit Kunst und Literatur, gehe viel auf Reisen und wandern, aber vor allem schreibe ich in jeder freien Minute an meinen Büchern.