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Meinung zum Google Pixel 3 XL: Von Pleiten, Pech und Pannen

Viele Memes nehmen Bezug auf die überaus tiefe Notch im Pixel 3 XL von Google.
Viele Memes nehmen Bezug auf die überaus tiefe Notch im Pixel 3 XL von Google.
Mehr als jedes andere Smartphone der letzten Zeit bot Googles vermutlich erst im November startendes Pixel 3 XL Anlass für Hohn, Spott und Kritik, vor allem angesichts der massiven Leaks im Vorfeld, die bis zu einem kompletten Review und qualitiv hochwertiger Unboxing-Videos reichen. Ist Google mit seiner Pixel-Strategie am Ende?

Googles Smartphone-Strategie war immer etwas umstritten, seit dem Nexus-zu-Pixel-Schwenk im Jahre 2016 mit der damit einhergehenden Hochpreis-Strategie begann aber eine Phase, die mehr als je zuvor Kritik hervorrief, mit einer Ausnahme: Der allgemein als überaus verlässlich und und qualitativ hochwertigen Hauptkamera, die in der zweiten Generation noch mal deutlich verbessert wurden. Mittlerweile wurde die Single-Cam in Pixel 2 und Pixel 2 XL zwar im entsprechenden Benchmark von vielen Konkurrenten überholt, unter Anderem in Bereichen wie "Zoom" wo Google mangels Zoomoptik einfach nicht mithalten kann, dennoch gilt die Kamera des Pixel 2 XL weiterhin als sehr gute Alternative für alle, die auf Zoom verzichten können.

Angesichts des Preisniveaus der Pixel Phone-Flotte fragt man sich allerdings, ob dies ausreicht, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Google gibt keine offiziellen Verkaufszahlen preis, Marktforscher, etwa IDC, schätzen allerdings, dass dem Suchmaschinenriesen 2017 gerade mal 4 Millionen Pixel Phones abverkauft wurden, eine lächerliche Summe, verglichen etwa mit den 40 bis 50 Millionen, die Apple im Jahr so absetzt. Angesichts der Probleme mit der Pixel 2-Generation, ich erinnere beispielsweise an die Displayprobleme im Pixel 2 XL sowie die erst jüngst aufgetauchten Performance-Ärgernisse, und der eingeschränkten Features im Vergleich zur Konkurrenz fragt sich allerdings manch einer, ob Googles Hochpreis-Strategie gerechtfertigt ist.


In diesem Jahr steht mit dem regulären Pixel 3 und dem "völlig vernotchten" Pixel 3 XL eine neue Generation der Pixel Phones an, die, insbesondere in Bezug auf das XL-Modell, bereits vorab in jeder Hinsicht geleakt sind (siehe auch Linkliste unten). Dass dem Riesenkonzern bereits Monate vor dem offiziellen Launch offenbar einige Verkaufsexemplare inklusive Verpackung und Zubehör abhanden gekommen sind und nun um knapp 2.000 US-Dollar das Stück in der Ukraine verscherbelt werden, möchte man als Panne bezeichnen, möglicherweise ist es aber auch eine geplante Aktion (warum sind beispielsweise noch viele Youtube-Unboxing-Videos online?), um das viel zu spät im Jahr startende Pixel-Lineup im Vorfeld etwas zu hypen. Diese Intention dürfte allerdings als gescheitert gelten - der allgemeine Tenor, den die Leaks unter Youtubern und in Kommentaren hervorrufen ist getragen von Hohn, Spott und jeder Menge Kritik.

Viele beziehen sich natürlich auf die im Vergleich zur "Original-Notch" des iPhone X von Apple stark heruntergezogen und unnötig groß wirkenden Displayeinbuchtung, die selbst dann zum Problem wird, wenn man sie ausblendet, da die Statusleiste viel zuviel Platz verbraucht. Auch das dicke Kinn ist für ein vermutlich knapp 1.000 US-Dollar teures Smartphone nicht mehr trendig genug, auch wenn Google zu seiner Verteidigung weiterhin auf frontseitige Stereolautsprecher setzt. Die Google Eigenentwicklung setzt jedenfalls in punkto Design keinerlei Maßstäbe, sondern erweckt den Eindruck einer späten und schlechten Kopie, insbesondere auch angesichts der restlichen Entwicklungen im Android-Markt, die eher in Richtung "Notch-Minimierung" zu gehen scheinen, Stichwort "Waterdrop-Notch" von Oppo, Vivo und bald auch Huawei


Dass diese Hersteller, vielleicht mit Ausnahme des Huawei Mate 20 Pro wohl allesamt günstiger sind und mehr moderne Features wie einen Under-Display-Fingerabdrucksensor oder Triple-Cams bieten, trägt nicht gerade dazu bei, Googles angestrebter Position als Technologieleader gerecht zu werden. Früher mal stand die Nexus-Linie für das, was Android-Phones sein könnten, mittlerweile zeigen eher die Android-OEMs, was mit Android alles machbar ist, sogar im absoluten High-end-Low-Cost-Bereich wo Xiaomi mit dem Pocophone F1 nun sogar OnePlus die Geschwindigkeitskrone streitig machen will. Das Argument, dass Googles Pixel-Phones vor allem dank Stock-Android die bessere Wahl sind, kann man durchaus ebenfalls als überholtes Klischee bewerten. OnePlus und Co. zeigen, dass selbst mit einer erweiterten Oberfläche eine flüssige Bedienung möglich ist und die Update-Situation hat sich insbesondere seit Project Treble auch bei der Konkurrenz mittlerweile ein wenig entspannt, wenngleich Google hier natürlich weiterhin seine zeitlichen Vorteile ausspielt.

Insbesondere das Pixel 3 XL wirkt letztlich wie eine unattraktive Mischung aus fehlenden Features und viel zu konservativem Phone-Design, gepaart mit einigen schmerzlichen Einschnitten (Kopfhörerbuchse, Notch, Single-Cam), die allesamt nicht nötig wären und so gar nicht zum hochpreisigen Image der Google-Familie passen. Die Apple-Strategie funktioniert hier nicht und so kann Google wohl angesichts der Konkurrenz auch 2018 nur wenige überzeugen. Eine Studie zeigte kürzlich, dass Smartphone-User primär aufgrund des Preises zu Android wechseln, die Qualität insbesondere in Bezug auf das Betriebssystem selbst sehen sie dagegen bei Apple im Vorteil. Android-OEMs verkaufen ihre Produkte über den Preis und über innovative Features - Google scheint in diesem Wettbewerb mehr denn je den Kürzeren zu ziehen. Dass die Pixel Phones auch Mitte 2018 in manchen Ländern wie Österreich gar nicht erst offiziell erhältlich sind, passt das eigentlich ganz gut ins unausgegorene Konzept.

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Autor: Alexander Fagot, 27.08.2018 (Update: 27.08.2018)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.