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Tesla: Eigene Prozessoren fertiggestellt und "fortschrittlichster Computer zum autonomen Fahren" in 2019

Die Auslieferung von Teslas neuem Model 3 soll in Europa Anfang nächsten Jahres beginnen.
Die Auslieferung von Teslas neuem Model 3 soll in Europa Anfang nächsten Jahres beginnen.
Wie berichtet, arbeitet Tesla seit geraumer Zeit an eigenen Prozessoren, die in Kombination mit dem von Chefentwickler Andrej Karpathy implementierten Neuronalen Netz dem autonomen Fahren endgültig zum Durchbruch verhelfen sollen. Die Chancen, dass dies gelingen könnte, stehen dabei gar nicht mal so schlecht. Abzuwarten bleibt, ob der Zeitplan eingehalten werden kann.

Tesla hält seine Versprechen ein - die Frage ist nur wann. So oder so ähnlich könnte man die Erfahrungen der letzten Jahre zusammenfassen, die Kunden des kalifornischen Autobauers gemacht haben. Ob nun beim Model X, Model 3 oder bei den Stromspeichern - Tesla hatte immer wieder mit Verzögerungen zu kämpfen. Dieses Mal wird ein großer Schritt nach vorn für den bisher eher enttäuschenden Autopiloten innerhalb der nächsten zwölf bis achtzehn Monate in Aussicht gestellt. Dass es Tesla damit durchaus ernst ist, zeigen mehrere Dinge.

Teslas Geheimwaffe: Das Neuronale Netz

Zunächst einmal wären da Andrej Karpathy, ein führender Forscher für Künstliche Intelligenz, bisheriger Direktor für Künstliche Intelligenz bei Tesla und neuer Chef des Autopiloten-Programms, und dessen Arbeit an einem Neuronalen Netz zu nennen. Das Neuronale Netz soll nicht nur eine extrem zuverlässige Bilderkennung ermöglichen, sondern letztlich auch dazu führen, dass Teslas Flotte autonomer Fahrzeuge selbständig dazulernt und sich so immer weiter verbessert. Für diese interessante, grundsätzliche Herangehensweise ans autonome Fahren gab es jedoch gleich in mehrfacher Hinsicht Kritik. Zum einen wurde Musk für die Einstellung von Karpathy kritisiert, den er von  der Non-Profit-Organisation OpenAI abgeworben hatte, die Musk selbst mitbegründet hat. Dem Tesla-CEO wurde vorgeworfen, das gemeinnützige Unternehmen dafür zu missbrauchen, Mitarbeiter für Tesla zu finden.

Zum anderen braucht die Entwicklung eines Neuronalen Netzes natürlich Zeit. Da Musk ursprünglich davon ausging, dass Teslas Autopilot lediglich in einer Weiterentwicklung von MobileEyes System zum Autonomen Fahren bestehen wird, hatte er Versprechen zur Verfügbarkeit vollständig autonomen Fahrens gemacht, die nicht mehr zu halten waren. Die initialen Verzögerungen könnten sich jedoch langfristig auszahlen. Wenn das Neuronale Netz einmal eine bestimmte Entwicklungsstufe erreicht haben wird, dann könnte sich das autonome Fahren im Vergleich zur Konkurrenz schneller verbessern und letztlich ein höheres Niveau erreichen. Dass Tesla seinen bisherigen Rückstand auf die in diesem Bereich führenden Unternehmen wie z.B. die Google-Schwester Waymo noch aufholen kann, ist also nicht ausgeschlossen.

Teslas erster selbstentwickelter Prozessor wird bereits getestet

Des Weiteren soll ein selbstentwickelter Chip laut Tesla neben der Software der andere Faktor sein, der Teslas Computer zu einem der fortschrittlichsten im Bereich des autonomen Fahrens machen wird, da er genau auf die Bedürfnisse des Neuronalen Netzes abgestimmt ist. Musk sprach deshalb von dem neuen Prozessor als einem "Neuralen-Netz-Beschleuniger". Dass Tesla auch in diesem Bereich recht weit ist, zeigt die Tatsache, dass bereits erste Chips produziert wurden und in Testfahrzeugen erprobt werden. Dass das Unternehmen aus Palo Alto auf seine eigene Hardware setzt, kann auch ein Vorteil gegenüber vielen traditionellen Autobauern darstellen, die in diesem Bereich von Zulieferern wie MobilEye, Continental oder Bosch abhängig sind.

Als letzter Punkt sei die Tatsache genannt, dass Tesla schon allein deshalb bald einen deutlich verbesserten Autopiloten mit mehr Funktionen zum autonomen Fahren bieten muss, da sich viele Kunden in der Erwartung für einen Tesla entschieden haben und ein teures Zusatzpaket gekauft haben, dass dieser zeitnah autonomes Fahren ermöglicht. Dass dieser Punkt recht heikel ist, zeigt sich darin, dass einige Käufer Tesla genau deshalb verklagt haben. Aber auch so zeigt sich an der Erwartungshaltung der Kunden, dass Tesla die Konkurrenz nicht davonziehen lassen darf, will es seinen Ruf als eines der innovativsten Unternehmen im Automobilsektor nicht verlieren.

Nach allem, was Tesla in seiner noch jungen Firmengeschichte schon geleistet hat, besteht kein Grund, daran zu zweifeln, dass der Autobauer auch einen weitentwickelten Autopiloten hinbekommen wird und letztlich vielleicht sogar das vollständig autonome Fahren der fünften Stufe meistert. Wie wir gesehen haben, wurden vielversprechende Grundlagen dafür geschaffen, dieses Ziel zu erreichen. Die Frage ist nur, ob es Elon Musk und seinem Team dieses Mal gelingt, den selbstgesetzten und wie immer äußerst ehrgeizigen Zeitplan einzuhalten.

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Autor: Tobias Häuser, 14.08.2018 (Update: 14.08.2018)
Tobias Häuser
Tobias Häuser - News Editor
Während meines Philosophiestudiums in Tübingen und New York habe ich mich mit ethischen Fragen des technischen Fortschritts, Künstlicher Intelligenz und der Zukunft einer digitalisierten und automatisierten Gesellschaft befasst. Technik fasziniert mich schon seit meiner Kindheit. Mein Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Notebooks, umfasst aber letztlich das ganze Gebiet der Unterhaltungselektronik und darüber hinaus E-Mobilität, autonomes Fahren, KI und Raumfahrt. Wenn ich nicht gerade als freischaffender Journalist, Publizist und Online-Redakteur tätig bin, beschäftige ich mich mit Kunst und Literatur, gehe viel auf Reisen und wandern, aber vor allem schreibe ich in jeder freien Minute an meinen Büchern.