Benchmarkcheck: Borderlands 2

Florian Glaser, 23.09.2012

Spaßgarant. Was kommt dabei heraus, wenn man Rollenspiel- und Action-Elemente in einen Topf wirft und das Ergebnis mit Cel-Shading-Optik und lockerem Humor garniert? Genau: Borderlands 2. Wir haben uns den kunterbunten Paradiesvogel einmal näher angesehen und den Hardware-Hunger der Unreal Engine 3 überprüft.

Borderlands 2

Obwohl sich der erste Teil auf Dauer als repetitiv herausstellte, hat sich Borderlands einen Platz im Herzen vieler Spieler erobert. Mit seinem pfiffigen Gameplay und dem spaßigen Koop-Modus stach der Titel deutlich aus der Masse der Ego-Shooter hervor. Beim ambitionierten zweiten Teil verspricht Entwickler Gearbox nicht nur eine größere Spielwelt, sondern auch mehr Abwechslung. Im Folgenden werden wir eine kurze Einschätzung über die Spielqualität abgeben und die durchgeführten Benchmarks analysieren.

Beschreibung

Dass Gearbox ein Händchen für Design und Komik hat, merkt der Spieler direkt am Anfang. Nach einem gezeichneten Story-Häppchen, welches stilistisch an »Diablo III« und »Darksiders II« angelehnt ist, folgt ein cooles und ungemein witziges Intro-Video, das ideal auf das durchgedrehte Endzeit-Szenario einstimmt. Parallelen zu id Softwares »Rage« lassen sich dabei nicht verleugnen. So tummeln sich in der postapokalyptisch angehauchten Umgebung jede Menge verrückte Clans und Banden. Als Fortbewegungsmittel dienen im späteren Verlauf zudem bewaffnete Buggys.

Die größte Gefahr geht jedoch nicht von den zahlreichen Monstern und Kreaturen, sondern primär vom Unternehmen »Hyperion« und dessen Führer »Handsome Jack« aus. Letzterer hat es gleich zu Beginn auf den Helden abgesehen. Im bereits erwähnten Intro-Video fällt der Spieler respektive die Spielergruppe (auch Teil 2 bietet natürlich einen Koop-Modus) einem Anschlag zum Opfer. Dank dem redseligen Roboter »Claptrap« und dem technsich versierten Cowboy »Sir Hammerlock« findet man sich schnell auf dem Planeten »Pandora« zurecht.

Der niedliche Robotor Claptrap entdeckt uns nach einem Zugunfall...
Der niedliche Robotor Claptrap entdeckt uns nach einem Zugunfall...
...und führt den Helden in seine Behausung.
...und führt den Helden in seine Behausung.
Die Wohnung ist natürlich entsprechend gesichert.
Die Wohnung ist natürlich entsprechend gesichert.
Claptrap hat es sich nett eingerichtet.
Claptrap hat es sich nett eingerichtet.
An den Wänden findet man amüsante Poster.
An den Wänden findet man amüsante Poster.
Die Symbolsprache erinnert zuweilen an Fallout und Portal.
Die Symbolsprache erinnert zuweilen an Fallout und Portal.

Stichwort Cowboy: Trotz der verschneiten Umgebung entpuppt sich Borderlands 2 oft als Hommage an das Western-Genre. In Kombination mit dem atmosphärischen Tag/Nachtwechsel, dem hervorragenden Soundtrack und dem allseits präsenten Humor schafft der Titel eine einzigartige Stimmung. Zum gelungenen Gesamteindruck trägt auch die erfrischende Comic-Grafik bei, die sich durch harte Linien, schwarze Objektränder und knallige Farben auszeichnet. Einen vergleichbaren Cel-Shading-Look findet man bei der Comic-Adaption »XIII«.

Besonderes Lob gebührt dem Entwickler für die ungemein weiche Steuerung. Nur wenige Ego-Shooter-Reihen wie beispielsweise »Quake«, »UT« oder »Doom« können vom »Movement« an den Titel heranreichen. Die Spielfigur bewegt sich – eine adäquate Framerate vorausgesetzt - extrem flüssig über den Monitor. Ausweichmanöver und hohe Sprünge gelingen meist ohne Probleme. Ähnliches gilt für das Waffen-Handling. Dank der vielfältigen Schießprügel und des satten Treffer-Feedbacks (optisch wie akustisch) machen die Gefechte ordentlich Laune.

Borderlands 2 verbindet Action- und Rollenspielelemente.
Borderlands 2 verbindet Action- und Rollenspielelemente.
Eine Karte hilft bei der Orientierung.
Eine Karte hilft bei der Orientierung.
Das Inventar könnte noch etwas komfortabler sein.
Das Inventar könnte noch etwas komfortabler sein.
Die drei Talentbäume enthalten viele spannende Skills.
Die drei Talentbäume enthalten viele spannende Skills.
Mini-Challenges erhöhen den Badass-Rang.
Mini-Challenges erhöhen den Badass-Rang.
Der ausgeteilte Schaden wird direkt eingeblendet.
Der ausgeteilte Schaden wird direkt eingeblendet.

Die Menüführung ist hingegen nicht optimal. Während das Quest-Log, die Map und der Skill-Tree noch halbwegs anständig zu bedienen sind, erweist sich das Inventar – trotz Vergleichsfunktion - als etwas umständlich, da der Rucksack ziemlich schnell voll wird (»DayZ« lässt grüßen) und man für bestimmte Aktionen relativ viele Klicks benötigt.

Am meisten hat uns allerdings das Speicher- und Respawnsystem gestört. Genau wie im ersten Borderlands ersetzt das Spiel nach einer Weile nämlich erledigte Kontrahenten und Boss-Gegner. Auch die überall verteilten Truhen, Kisten und Schränke werden irgendwann neu mit Items befüllt. Diese Design-Entscheidung trübt unserer Ansicht nach das Fortschrittsgefühl. Denn warum sollte man jeden Winkel genau erkunden, wenn beim nächsten Spielstart eh wieder alles beim Alten ist? Das Diablo-typische Jagd- und Sammelprinzip dürfte nicht jeden Gamer auf Dauer motivieren – lustige Missionen hin oder her.

Manche Bossgegner wirken riesig.
Manche Bossgegner wirken riesig.
Sir Hammerlock ist einer der ersten Kontakte.
Sir Hammerlock ist einer der ersten Kontakte.
Gearbox feuert aus allen Rohren.
Gearbox feuert aus allen Rohren.
Wichtige Charaktere und Monster werden extra vorgestellt.
Wichtige Charaktere und Monster werden extra vorgestellt.
Die Autoren durften sich anscheinend austoben.
Die Autoren durften sich anscheinend austoben.
Der Comic-Look hebt sich deutlich von der Konkurrenz ab.
Der Comic-Look hebt sich deutlich von der Konkurrenz ab.

Benchmark

Die von uns gewählte Benchmark-Sequenz ist wie üblich recht anspruchsvoll. Mit dem Tool Fraps zeichnen wir einen rund 20-sekündigen Sprint in der Tutorial-Siedlung auf. Als Startpunkt dient der Ein- respektive Ausgang des Dorfes, den man kurz nach Beginn mit Claptrap erreicht. Ziel ist das alleinstehende Haus, in dem sich Sir Hammerlock mit einer Eismauer und einem Elektrozaun verschanzt hatte.

Da nach der Räumung keine Gegner respawnen, eignet sich das Dorf ideal für Messungen. Aufgrund der zahlreichen Beleuchtungselemente und Objekte ist die Performance hier niedriger als in vielen anderen Gebieten. Dass die Bildwiederholrate im Inventar merklich einbricht, stört in der Praxis übrigens kaum.

Settings

Die verwendete Unreal Engine 3 hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Auf der positiven Seite wären primär die hübschen Effekte zu nennen. Bei den Gefechten rummst, kracht und explodiert es an allen Ecken und Enden. Die moderaten Hardware-Anforderungen und die kurzen Ladezeiten sind weitere Pluspunkte. Kritik hagelt es primär für die schwachen Texturen, wobei der Comic-Look gut über dieses Manko hinwegtäuschen kann. Das von der Unreal Engine bekannte Nachladeproblem (einige Texturen erscheinen verzögert) tritt nicht zuletzt beim Öffnen von Loot-Objekten, beim Menü- bzw. Regionswechsel und beim Spielstart auf.

Low Settings
Low Settings (1.024 x 768)
Medium Settings
Medium Settings (1.366 x 768)
High Settings
High Settings (1.366 x 768)
Ultra Settings
Ultra Settings (1.920 x 1.080)

Ansonsten wurde Borderlands 2 prima für die PC-Plattform angepasst. Neben der Steuerung lässt sich auch die Grafik detailliert konfigurieren. So warten im Optionsmenü unter anderem Schalter für die shader-basierte FXAA-Kantenglättung, die Tiefenschärfe und das eingebaute Ambient Occlusion. Die Texturqualität, die Spieldetails und die Sichtdistanz reichen von »Low« bis »(Ultra) High«, bei der Sichtbarkeit der Vegetation kann man zwischen »Nah« und »Fern« wählen. Einige Optionen (z. B. die Darstellung von Projektillöchern) machen sich im Eifer des Gefechts aber kaum bemerkbar und/oder beeinflussen die Leistung nur minimal. Die vertikale Synchronisation (verhindert Zeilenverschiebungen) und die optionale FPS-Regelung waren bei den Benchmarks natürlich deaktiviert.

Low Settings
Low Settings (1.024 x 768)
Medium Settings
Medium Settings (1.366 x 768)
High Settings
High Settings (1.366 x 768)
Ultra Settings
Ultra Settings (1.920 x 1.080)

Fast alle Änderungen lassen sich direkt im Spiel tätigen. Ein Neustart ist lediglich beim Wechsel der PhysX-Stufe nötig. Kleiner Bug: Borderlands 2 erkennt manchmal die eingestellte Auflösung nicht richtig. So sprach der Titel auf einem Notebook von 1.360 x 768 Pixeln, obwohl wir 1.024 x 768 Bildpunkte aktiviert hatten. Doch Entwarnung: Die gewählte Auflösung wird immer korrekt übernommen.

Low Settings
Low Settings (1.024 x 768)
Medium Settings
Medium Settings (1.366 x 768)
High Settings
High Settings (1.366 x 768)
Ultra Settings
Ultra Settings (1.920 x 1.080)

Resultate

Borderlands 2 gehört definitiv nicht zu den rechenintensivsten Spielen. Im Gegensatz zu anderen Action-Titeln wie »Battlefield 3« oder »Sleeping Dogs« kommt man schon mit einer oberen Midrange-GPU in den Genuss von hohen Details und 1.920 x 1.080 Bildpunkten. Unser Ultra-Setting (FHD, High/On, FXAA, 8x AF, PhysX Low) wurde von einer GeForce GT 650M mit guten 36 fps bewältigt.

Schwächere Allround-Grafikkarten wie die GeForce GT 630M geraten bei hohen Einstellungen derweil ins Schwitzen. Für mittlere Details und 1.366 x 768 Bildpunkte reicht die Power aber locker. Einsteiger-Modelle auf Niveau der Intel HD Graphics 4000 befeuern hingegen nur niedrige bis normale Details ordentlich. Mit einer alten HD Graphics 3000 ruckelt das Spiel generell. An die CPU und den Arbeitsspeicher stellt Borderlands 2 keine hohen Anforderungen.

Benchmark-Tabelle Borderlands 2

PhysX

Unabhängig davon, dass die PhysX-Option momentan nicht bei allen AMD-Systemen ausgegraut ist, bleiben die erweiterten Physik-Effekte Nvidia-Nutzern vorbehalten. Während auf der niedrigsten Stufe (die wohl einem deaktivierten PhysX entspricht) einige Level-Elemente wie Flaggen fehlen und zerstörbare Objekte in nur wenige Einzelteile zerspringen, bekommt der Spieler auf der mittleren und hohen Stufe deutlich mehr geboten (siehe Bilder). In Gefechten treten ebenfalls massive Unterschiede zutage.

Ein kurzer Test mit der GeForce GTX 680M ergab, dass unser Benchmark recht unbeeindruckt von der PhysX-Einstellung ist. Kein Wunder, beinhaltet die Sequenz doch kaum Physik. Beim Ultra-Setting schwankte die Leistung der GTX 680M zwischen 71, 67 und 65 fps (PhysX Low, Medium & High).

PhysX Medium
PhysX Medium
PhysX High
PhysX High
PhysX Low
PhysX Low
PhysX Medium
PhysX Medium
PhysX High
PhysX High
PhysX Low
PhysX Low

Fazit

Borderlands 2 ist auf jeden Fall einen Blick wert. Gearbox hat einen individuellen Action-Rollenspiel-Mix kreiert, der bestimmt zahlreiche Anhänger findet. Nur selten kommt beim Zocken derart viel Spaß auf – egal ob im Koop-Modus oder allein. Schön auch, dass es für den Titel kein High-End-Notebook sein muss.

Das Spiel bietet hübsche Panorama-Aufnahmen.
Das Spiel bietet hübsche Panorama-Aufnahmen.
Der Entwickler beweist jede Menge Humor.
Der Entwickler beweist jede Menge Humor.
Die Wasserdarstellung ist recht ansehnlich.
Die Wasserdarstellung ist recht ansehnlich.

Testsysteme

Für die Unterstützung hinsichtlich Testgeräte bedanken wir uns ganz herzlich bei der Firma Schenker Notebooks (mysn.de): 

  • XMG P502 (Core i7-3610QM, GeForce GTX 660M, GTX 670M, GTX 675M, GTX 680M & Radeon HD 7970M, 8 GB RAM)
  • XMG A502 (Core i5-3360M, GeForce GT 650M & HD Graphics 4000, 8 GB RAM)
  • Xesia M501 (Core i7-2630QM, GeForce GT 630M & HD Graphics 3000, 8 GB RAM

Die GPU-Treiberversionen der angeführten Notebooks waren 306.23 (Nvidia), 8.951.6.0 (AMD) respektive 8.15.10.2761 (Intel).

von links nach rechts: Schenker XMG A502, Xesia M501 & XMG P502
von links nach rechts: Schenker XMG A502, Xesia M501 & XMG P502

Übersicht

Einschränkungen anzeigen
Pos      Modell                                     Borderlands 2
 Borderlands 2 (2012)
low
1024x768
Low / Off (PhysX low)
med.
1366x768
Medium / Off (PhysX low)
high
1366x768
High / On (PhysX low)
4xAF FXAA
ultra
1920x1080
(Ultra) High / On (PhysX low)
8xAF FXAA
 1NVIDIA GeForce GTX 680M SLI
160
134
132
114
 5NVIDIA GeForce GTX 680
131
119
113
101
 6AMD Radeon HD 7970
132
120
113
94
 7NVIDIA GeForce GTX 660 Ti
123
109
104
89
 14NVIDIA GeForce GTX 670MX SLI
118
113
104
79
 16NVIDIA GeForce GTX 680M
120
99
88
72
 17AMD Radeon HD 7970M
114
97
88
55
 25NVIDIA GeForce GTX 675MX
94
83
63
 36NVIDIA GeForce GT 650M SLI
90
80
78
60
 38NVIDIA GeForce GTX 675M
112
93
78
53
 41AMD Radeon HD 7770
116
96
73
42
 50NVIDIA GeForce GTX 670MX
110
96
70
45
 52NVIDIA GeForce GTX 670M
111
88
72
46
 53AMD Radeon HD 8870M
72
61
48
32
 67NVIDIA GeForce GTX 660M
101
88
66
41
 74NVIDIA GeForce GT 650M
82
65
54
36
 78NVIDIA GeForce GT 740M
77
58
41
26
 80NVIDIA GeForce GTS 450
35
 91NVIDIA GeForce GT 730M
66
58
42
29
Pos      Modell                                     Borderlands 2
lowmed.highultra
 92*NVIDIA GeForce GT 645M
81
64
44
28
 98NVIDIA GeForce GT 640M
65
55
41
25
 100*AMD Radeon HD 8750M
53
41
31
18
 122*AMD Radeon HD 8730M
52
40
30
17
 159*AMD Radeon HD 8550M
25
21
17
 164AMD Radeon HD 7670M
53
40
28
16
 170NVIDIA GeForce GT 630M
57
40
28
16
 195ATI Mobility Radeon HD 5650
45
36
25
13
 196AMD Radeon HD 7660G
39
33
23
13
 218*AMD Radeon HD 7600G
16
12
9
 219AMD Radeon HD 7550M
30
23
17
 245Intel HD Graphics 4000
34
24
17
10
 256NVIDIA GeForce GT 520MX
33
25
20
 288AMD Radeon HD 7420G
24
18
11
 322Intel HD Graphics 3000
24
15
12
6
* Geschätzte Position

 

Legende
5ruckelt - Das Spiel wird in dieser Detailstufe wahrscheinlich nicht flüssig mit dieser Grafikkarte laufen. Mindestens ein Benchmarkwert ist kleiner als 25fps
könnte ruckeln - Interpolierte Information. Bei einer langsameren Grafikkarte wurde dieses Spiel als ruckelnd klassifiziert und daher wird dies auch bei dieser angenommen, da keine Benchmarkwerte eingetragen sind.
30flüssig - Dieses Spiel sollte in den betroffenen Einstellungen flüssig laufen, da kein Benchmarkwert eingetragen wird, der die Grenze unterschreitet: 25fps
40flüssig - Dieses Spiel sollte in den betroffenen Einstellungen flüssig laufen, da kein Benchmarkwert eingetragen wird, der die Grenze unterschreitet: 35fps
könnte flüssig laufen - Eine langsamere Grafikkarte wurde als schnell genug klassifiziert und daher wird dies auch für diese geschätzt (da keine Benchmarkwerte eingetragen sind).
123unsicher - Zwei mögliche Fälle: Der kleinste gefundene Benchmarkwert ist zwar unter dem Grenzwert für eine flüssige Darstellung, jedoch ist der Durchschnitt darüber. Zweiter Fall, der Benchmarkwert ist unter der Grenze, jedoch ist die nächst-langsamere Karte als flüssig eingestuft.
unsicher vererbt - Die nächst-langsamere Karte ist als "unsicher" eingestuft und daher wird dieser Wert auch an schnellere Karten vererbt, die keine Benchmarkwerte haben.
Der Wert in den einzelnen Feldern beziffert die durchschnittlichen Bilder pro Sekunde. Bewegen Sie den Mauszeiger auf diesen Wert um eine detaillierte Auflistung aller Benchmarks zu sehen.

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Autor: Florian Glaser, 23.09.2012 (Update: 26.11.2012)